Euro-Schuldenkrise Wann springt das Griechenland-Virus über?

Gebannt schauen Portugal, Irland, Italien und Spanien auf das Chaos in Griechenland. Scheitert die Rettungsaktion für Athen, dann wackelt die Refinanzierung aller angeschlagenen Staaten - und die Kettenreaktion beginnt.
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Den designierten portugiesischen Premierminister Pedro Passos Coelho erwartet eine schwere Aufgabe. Quelle: Reuters

Den designierten portugiesischen Premierminister Pedro Passos Coelho erwartet eine schwere Aufgabe.

(Foto: Reuters)

Madrid/Mailand/LondonDer erste Kandidat für eine Ansteckung aus Griechenland ist Portugal - denn wenn Athen umschuldet, dann wird es für Lissabon sehr schwierig, in zwei Jahren mit Auslaufen des gerade vereinbarten, 78 Milliarden Euro starken Rettungspakets wieder an die Finanzmärkte zurückzukehren. Dann müsste vielleicht auch Portugal umschulden.

Soweit die Logik der Anleger, die aus Angst vor diesem Ansteckungseffekt das kleine iberische Land derzeit genauso abstrafen wie die Griechen: Als Portugal gestern drei- und sechsmonatige Schatzpapiere über insgesamt rund eine Milliarde Euro auf dem Markt aufnahm, musste es dafür praktisch den gleichen Zinsaufschlag zahlen wie Griechenland einen Tag zuvor. Die Kosten für Portugals Kreditausfallversicherungen liegen zwar noch deutlich hinter denen Griechenlands, sind in den vergangenen Tagen aber kräftig angezogen.

Laufen die Dinge in Griechenland schief, so „würde das die Glaubwürdigkeit des Europäischen Stabilitätsmechanismus aufs Spiel setzen und die Logik der Hilfsprogramme in Frage stellen, nicht nur für Griechenland, sondern auch für Irland und Portugal“, argumentiert die Ratingagentur Fitch. Entsprechend seien „Portugal und Irland natürlich daran interessiert, dass ein kurzfristiger griechischer Default vermieden wird“, meint Antonio García Pascual von Barclays Capital.

Abgesehen von der mittel- bis langfristigen Sorge, wann Portugal wieder die Finanzmärkte zu tragbaren Zinsen wird anzapfen können, ist eine Ansteckung auf direkterem Wege im Fall Portugal aber praktisch nicht möglich: Portugiesische Finanzinstitute halten griechische Schuldtitel im Wert von nur 3,6 Milliarden Euro, gerade ein Prozent aller weltweit umlaufenden griechischen Schuldpapiere.

Dennoch fielen die Aktienkurse der drei großen Banken BCP, BPI und BES gestern in den Keller, nachdem die europäischen Finanzminister sich nicht auf eine Lösung für Griechenland hatten einigen können. Auch die Finanzmärkte sind weiterhin geschlossen für die Banken und die Unternehmen des Landes. Immerhin sind im Rahmen des Rettungspakets zusätzliche Liquiditätshilfen für die Banken vorgesehen. Zudem können die Geldhäuser auf die Finanzierung der EZB zurückgreifen.

Der konservative Politiker Pedro Passos Coelho, dessen Partei aus den Wahlen Anfang Juni als Sieger hervorging, wurde indes gestern offiziell vom Staatspräsidenten Anibal Cavaco Silva zum neuen portugiesischen Regierungschef ernannt. Heute soll der Koalitionsvertrag mit der christdemokratischen Partei CDS unterzeichnet werden. Die neue Regierung will die Amtsgeschäfte noch vor dem 23. Juni übernehmen, wo Passos Coelho Portugal bereits beim EU-Gipfel in Brüssel vertreten soll. Schon Ende Juli kommt die Troika aus EU, EZB und IWF-Vertretern erstmals nach Lissabon, um die Einhaltung der ersten Umsetzungsphase des Rettungspakets zu überprüfen.

Spanien: Regionalfinanzen machen Anlegern Sorgen
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14 Kommentare zu "Euro-Schuldenkrise: Wann springt das Griechenland-Virus über?"

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  • Politisch vereint kann nur funktionieren, wenn es von den Menschen, den europäischen Völkern gewollt ist. Das Zusammenpressen im Zwang von einigen Europa-Europa-Europa-Politikern funktioniert nicht. Volksabstimmung in allen Eu-ländern. Vielleicht gibt es ja ein paar Staaten, die trotz unterschiedlicher Sprache, Kultur, Mentalität meinen, zusammenkommen zu müssen, und freiwillig ihre Souveränität aufgeben, und sich so tollen mit ökonomischen Sachverstand ausgestatteten greisen Europa-Politikern wie Juncker, Trichet, Olli Rehn,... führen zu lassen. Dann soll es so sein, und dann hat das EU-Konstrukt eine Chance. Ansonsten sieht man was aus Jugoslawien und der UDSSR wurde.
    Ansonsten denk ich, ist die Zwangswährung euro die Ursache allen Übels ist. Ohne Euro würde die Pleite von GR lokal sein. Würde z.B. Moldavien (nur ein Beispiel) Pleite gehen, gäbe es keine Krisensitzungen in D oder F. Wahrscheinlich würde der IWF Kredite geben und ev. noch bilateral andere Staaten. Mit dem euro und der Verflechtung (Trichet hat letzes Jahr durch seine EZB-Politik die Schulden der PIIGS auf den Steuerzahler umgelagert) werden die Steuerzahler und die kommenden Generationen für die politischen Überzeugungen der alten Garde zahlen müssen.

  • Unterschwellig kann man sagen, es tobt ein Krieg weltweit
    um Macht,Geld, Manipulierung von Staaten. Das kleine Griechenland soll in Insolvenz gehen weil es Pleite ist? Was für ein Unsinn, seit der Antike lebt dieses Land in Wohlstand und auch sicherlich unsicheren Zeiten. Aber hier wird suggeriert das ein paar Rentenzahlungen an Toten Beamten und die Korruption Griechenland in die Pleite getrieben haben. Dann muss auch Deutschland anfangen sich zu fürchten. Die Wahrheit ist, dass Griechenland sein Silberbesteck verkaufen muss um EU Geld zu bekommen und der Preis für das Silberbesteck geht für wenig Euro über den Tisch. Sommerschluss-Verkauf in Griechenland. Nach Griechenland folgen weitere Staaten in die Pleite und selbst wenn Deutschland seine ganzen Steuern zu verfügung stellt, diesen Krieg muss man anders begegnen. Das konnten die Euro Väter und die Vaterlandsverräter nicht vorraus sehen. Nur ein poltisch vereintes Europa hätte eine Chance
    mit der Einwilligung der Bürger. So wird jedes Land der EU
    weiterhin ausgetrocknet. Bürger rettet eure Werte bis sie
    Zwangsgepfändet werden

  • @Margrit-ausgezeichneter Bericht. Stimme Ihnen vollkommen zu.

  • erst wenn die einen auf Pump konsumieren,
    können die anderen Exportüberschüsse generieren.

    Stellt sich nun aber die Frage:
    wer profitiert davon?

    die "Griechen dieser Welt" scheinen wohl in der Lage zu sein, gedankenlos drauflos zu konsumieren - "easy kredit, easy life"
    (nicht gerade eine schwäbische Mentalität, aber gut: wenn jene es schaffen, dabei "gut drauf" zu sein: profitieren diese davon.

    Jene, welchen die Exportindustrie gehört, oder welche die gut dotierten Stellen dort besetzen, profitieren davon wohl am meisten.

    Aber: was hat das Gros der Bevölkerung in der Exportkolonie davon?
    Jede Menge Arbeit - allerdings ohne wirkliche Gegenleitung.
    - das Leben wird teurer (da die Griechen dieser Welt mit ihrer Nachfrage natürlich die Preise treiben - Angebot und Nachfrage regeln schließlich den Preis);
    - und wenn (oh, welch' überraschend' Wunder), sich die Schulden als uneinbringbar erweisen, dann zahlt natürlich: die Exportkolonie...
    ... wodurch die Staatskassen dort dann leer, und die staatlichen Leistungen dort an allen Ecken und Enden gekürzt werden müssen. Natürlich bei gleichzeitiger Steigerung der Steuern und Abgabenlast.

    Den Griechen dieser Welt finanzieren wir die tollsten Infrastrukturprojekte - und hierzulande fehlt das Geld um die Schlaglöcher zu flicken.

    Wir Arbeiten und Arbeiten, sind wettbewerbsfähig bis zum Anschlag und liefern, liefern, liefern ...

    ... und wie entwickelt sich UNSER EIGENES LAND?

    Seit dem kurzen Boom der Wiedervereinigung profitieren hier nur noch die Reichen und deren Handlanger;
    das Land als ganzes baut hingegen eher ab.

  • Spanien sollte so schnell wie möglich die Umsatzsteuer anheben. Falls es die spanischen Politiker vergessen haben: Die Umsatzsteuer belastet nur den Konsum im Inland. Beim Export in andere EU-Länder oder Drittländer wird sie an der Grenze abgezogen und es gilt die Umsatzsteuer des Ziellandes. Sieht man von Zweitrundeneffekten ab, dann ist die Umsatzsteuer wettbewerbsneutral - im Gegensatz zu Lohnnebenkosten. Deutschland hat es vor wenigen Jahren vorgemacht, dass eine höhere Umsatzsteuer dem Haushalt nutzt und auch nicht den Konsum abwürgt.

  • Ja, Prof. Hankl, Prof. Starbaty und noch viele andere haben vor diesem unseligen Euro gewarnt. Sie sind als Spinner abgetan worden.
    Der krankhafte Geltungsdrang einiger unserer Politiker war stärker als Vernunft.
    Hinzu kam und kommt, dass usnere Politiker keine Politik fürs Volk machen sondern ausschließlich für sich selbst. Sie schauen schon zu Beginn, wenn sie ein Amt übernehmen, wo in welches Unternehmen sie danach können und genau diese Politik machen sie dann.
    Nachdem man z. B. erst die völlige Liberalisierung der Stromkonzernen gemacht hat zum Nachteil der Bürger unter Rot-Grün, tummeln sich genau aus dieser Koalition heute einige bei eben genau diesen Konzernen im Vorstand.
    Nachdem man die Ausbeuter-Leihfirmen gegründet hat, ist Herr Clement heute dort Vorstand.
    Und so könnte man munter weiter aufzählen.
    Politik ist zum reinen Selbstzweck geworden und hat mit Land und Volk nichts mehr zu tun
    Dem Volk wird via Medien vorgekaukelt alles sei in Ordnung und man sei doch voll auf Seiten des Volkes und würde die Dinge verantwortungsvoll angehen.
    Zu sehen z. B. gestern Abend in der Phönix-Runde wo sich Jüngelchen von Wirtschftsvereinen und diese Journalistin Marschall von der RP an Euro-Glorie überboten
    So läuft das hier.
    Das römische Reich ist nicht untergegnagen weil die Bürger dekadent waren, wie der gescichtsunwissende Westerwelle meinte, sondern es ist untergegangen an der Dekadenz seiner Eliten und völliger Überfremdung.
    Und genau dies wird uns auch blühen, dafür werden schon die antidetuschen Grünen sorgen

  • DAs Virus springt dann ganz besonders nicht über, wenn man sich weltweit auf ein Verbot von CDS einigen könnte.
    Zumindest ein verpflichtendes Clearing von CDS und der Nachweis, dass eine Vertragspartei tatsächlich Anleihe- oder Kreditgläubiger ist, wären zwingend einzuführen.

  • Was los ist?
    Wir haben gerade hier in D. wohl die schlechtesten Politiker die das Land je hatte. Laien, Dummköpfe, Egomanen, Teenager, und Kriminellae. Sie maßen sich Titel an, die ihnen nicht zustehen, sie sind Betrüger.
    Wir haben fast Zustände wie 1929 und gehen mit Riesenschritten weiter genau dorthin.
    Damals waren es auch Politiker, die völlig überfordert waren und sich die Parteien dann auch nicht einig. Wie heute auch.
    Der Spruch "wer hat usn verraten? - Sozialdemokraten" stammt ja genau daher.
    Hitler konnte auch nur an dei Macht kommen, mit Hilfe dieser unfähigen Politiker und hier vor allem der SPD.
    Wobei ich sagen möchte, dass die damaligen Politker sicher das Beste wollten, denn sie waren ja nicht antideutsch wie usnre heutigen, aber irgendwie überfordert waren.
    Heute allerdings wollen unsere Politiker nicht das Beste für uns und unser Land.
    Unsere Politiker haben völlig vergessen, dass sie uns zu dienen haben, dass sie einen Eid geschworen haben, zum Wohle des Deutschen Volkes zu arbeiten und Schaden von Deutschland abzuwenden.
    Aber sie fügen uns einen Schaden nach dem anderen zu, wir die Deutschen sind, für diese nichtsnutzigen Politiker gar nicht mehr vorhanden.
    Das kann nur schlecht ausgehen. Die machen so lange bis das Volk auf die Straße geht. Und wenn dann der Pöbel noch tobt, dann ist wirklich Land unter.
    Für mich ist das Verhalten der Politiker nicht mehr begreifbar und auch nicht einiger Journalisten.
    Ich kann nur immer wieder auch den Journalisten saen : Aufwachen, ehe es zu spät ist.
    Gebt endlich auch den Partein die sich gebildet haben eine Öffentlichkeit, wie z. B. der Parei die Freiheit, damit die Bürger merken, dass es Algternativen gibt

  • Die Ursache für crashs und Kriege ist doch in der Weltgeschichte immer die gleiche gewesen:
    Irgendwelche "Führer" wollen ihren Aktionsradius erweitern.

    Früher war das Mittel Krieg oder Heirat, jetzt ist es die EURO-Bürokratie.

    Der Antrieb für die politische "Elite" ist aber gleich geblieben: den persönlichen Machtbereich vergrößern, ohne Rücksicht auf Verluste der "kleinen Bürger".

  • Focus ist ein strammes Regierungsblatt.Gehört zum Burda-Verlag. Iast übrigens auch sehr für MultiKulti
    Da werden logischerweise solche Kommentare nicht veröffentlicht.
    Und die Zeit? Gräfin Dönhoff würde sich im Grab umdrehen, wenn sie dieses ultralinke sozialistische Blatt heute erleben müßte unter diesem Chefredakteur Laurenzio, der ebenfalls stramm auf sozialistischem Kurs in Richtung Grüne ist.
    Da lob ich mir tatsächlich das HB, wo man seine Meinung offen sagen kann, auch wenn wir manchmal sehr hart schreiben.

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