Euro-Schuldenkrise
Wann springt das Griechenland-Virus über?

Gebannt schauen Portugal, Irland, Italien und Spanien auf das Chaos in Griechenland. Scheitert die Rettungsaktion für Athen, dann wackelt die Refinanzierung aller angeschlagenen Staaten - und die Kettenreaktion beginnt.
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Madrid/Mailand/LondonDer erste Kandidat für eine Ansteckung aus Griechenland ist Portugal - denn wenn Athen umschuldet, dann wird es für Lissabon sehr schwierig, in zwei Jahren mit Auslaufen des gerade vereinbarten, 78 Milliarden Euro starken Rettungspakets wieder an die Finanzmärkte zurückzukehren. Dann müsste vielleicht auch Portugal umschulden.

Soweit die Logik der Anleger, die aus Angst vor diesem Ansteckungseffekt das kleine iberische Land derzeit genauso abstrafen wie die Griechen: Als Portugal gestern drei- und sechsmonatige Schatzpapiere über insgesamt rund eine Milliarde Euro auf dem Markt aufnahm, musste es dafür praktisch den gleichen Zinsaufschlag zahlen wie Griechenland einen Tag zuvor. Die Kosten für Portugals Kreditausfallversicherungen liegen zwar noch deutlich hinter denen Griechenlands, sind in den vergangenen Tagen aber kräftig angezogen.

Laufen die Dinge in Griechenland schief, so „würde das die Glaubwürdigkeit des Europäischen Stabilitätsmechanismus aufs Spiel setzen und die Logik der Hilfsprogramme in Frage stellen, nicht nur für Griechenland, sondern auch für Irland und Portugal“, argumentiert die Ratingagentur Fitch. Entsprechend seien „Portugal und Irland natürlich daran interessiert, dass ein kurzfristiger griechischer Default vermieden wird“, meint Antonio García Pascual von Barclays Capital.

Abgesehen von der mittel- bis langfristigen Sorge, wann Portugal wieder die Finanzmärkte zu tragbaren Zinsen wird anzapfen können, ist eine Ansteckung auf direkterem Wege im Fall Portugal aber praktisch nicht möglich: Portugiesische Finanzinstitute halten griechische Schuldtitel im Wert von nur 3,6 Milliarden Euro, gerade ein Prozent aller weltweit umlaufenden griechischen Schuldpapiere.

Dennoch fielen die Aktienkurse der drei großen Banken BCP, BPI und BES gestern in den Keller, nachdem die europäischen Finanzminister sich nicht auf eine Lösung für Griechenland hatten einigen können. Auch die Finanzmärkte sind weiterhin geschlossen für die Banken und die Unternehmen des Landes. Immerhin sind im Rahmen des Rettungspakets zusätzliche Liquiditätshilfen für die Banken vorgesehen. Zudem können die Geldhäuser auf die Finanzierung der EZB zurückgreifen.

Der konservative Politiker Pedro Passos Coelho, dessen Partei aus den Wahlen Anfang Juni als Sieger hervorging, wurde indes gestern offiziell vom Staatspräsidenten Anibal Cavaco Silva zum neuen portugiesischen Regierungschef ernannt. Heute soll der Koalitionsvertrag mit der christdemokratischen Partei CDS unterzeichnet werden. Die neue Regierung will die Amtsgeschäfte noch vor dem 23. Juni übernehmen, wo Passos Coelho Portugal bereits beim EU-Gipfel in Brüssel vertreten soll. Schon Ende Juli kommt die Troika aus EU, EZB und IWF-Vertretern erstmals nach Lissabon, um die Einhaltung der ersten Umsetzungsphase des Rettungspakets zu überprüfen.

Kommentare zu " Euro-Schuldenkrise: Wann springt das Griechenland-Virus über?"

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  • Politisch vereint kann nur funktionieren, wenn es von den Menschen, den europäischen Völkern gewollt ist. Das Zusammenpressen im Zwang von einigen Europa-Europa-Europa-Politikern funktioniert nicht. Volksabstimmung in allen Eu-ländern. Vielleicht gibt es ja ein paar Staaten, die trotz unterschiedlicher Sprache, Kultur, Mentalität meinen, zusammenkommen zu müssen, und freiwillig ihre Souveränität aufgeben, und sich so tollen mit ökonomischen Sachverstand ausgestatteten greisen Europa-Politikern wie Juncker, Trichet, Olli Rehn,... führen zu lassen. Dann soll es so sein, und dann hat das EU-Konstrukt eine Chance. Ansonsten sieht man was aus Jugoslawien und der UDSSR wurde.
    Ansonsten denk ich, ist die Zwangswährung euro die Ursache allen Übels ist. Ohne Euro würde die Pleite von GR lokal sein. Würde z.B. Moldavien (nur ein Beispiel) Pleite gehen, gäbe es keine Krisensitzungen in D oder F. Wahrscheinlich würde der IWF Kredite geben und ev. noch bilateral andere Staaten. Mit dem euro und der Verflechtung (Trichet hat letzes Jahr durch seine EZB-Politik die Schulden der PIIGS auf den Steuerzahler umgelagert) werden die Steuerzahler und die kommenden Generationen für die politischen Überzeugungen der alten Garde zahlen müssen.

  • Unterschwellig kann man sagen, es tobt ein Krieg weltweit
    um Macht,Geld, Manipulierung von Staaten. Das kleine Griechenland soll in Insolvenz gehen weil es Pleite ist? Was für ein Unsinn, seit der Antike lebt dieses Land in Wohlstand und auch sicherlich unsicheren Zeiten. Aber hier wird suggeriert das ein paar Rentenzahlungen an Toten Beamten und die Korruption Griechenland in die Pleite getrieben haben. Dann muss auch Deutschland anfangen sich zu fürchten. Die Wahrheit ist, dass Griechenland sein Silberbesteck verkaufen muss um EU Geld zu bekommen und der Preis für das Silberbesteck geht für wenig Euro über den Tisch. Sommerschluss-Verkauf in Griechenland. Nach Griechenland folgen weitere Staaten in die Pleite und selbst wenn Deutschland seine ganzen Steuern zu verfügung stellt, diesen Krieg muss man anders begegnen. Das konnten die Euro Väter und die Vaterlandsverräter nicht vorraus sehen. Nur ein poltisch vereintes Europa hätte eine Chance
    mit der Einwilligung der Bürger. So wird jedes Land der EU
    weiterhin ausgetrocknet. Bürger rettet eure Werte bis sie
    Zwangsgepfändet werden

  • @Margrit-ausgezeichneter Bericht. Stimme Ihnen vollkommen zu.

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