
Düsseldorf/BerlinSeit Wochen zeltet ein buntes Protest-Trüppchen im Herzen des Weltfinanzsystems in New York. Der Schlachtruf „Occupy Wall Street“ trieb Anfang Oktober mehrere Zehntausend Menschen auf die Straßen. Hollywood-Schauspieler, Professoren und Star-Ökonomen besuchten die Protestler, George Soros, Ben Bernanke und sogar der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock zeigten Sympathie für deren Motive. Bei einem Marsch über die Brooklyn Bridge wurden viele Hundert zeitweise von der Polizei in Gewahrsam genommen, was den teilweise als „Firmen-Zombies“ verkleideten Demonstranten endgültig weltweite Medien-Aufmerksamkeit bescherte.
In Meldungen war von einem "einzigartigen" US-Phänomen die Rede, ein Politikwissenschaftler brachte gar den Begriff der „linken Tea Party“ ins Spiel. Dabei steckten hinter den Demonstrationen „im Prinzip die selben Nöte und Kritikpunkte, die auch in Europa in den letzten Monaten zu Protesten geführt haben“, sagt der Soziologe und Protestforscher Simon Teune vom Wissenschaftszentrum Berlin im Gespräch mit Handelsblatt Online. Die Leute hätten das Gefühl, dass die Demokratie nicht richtig funktioniere und „große Konzerne oder die Finanzmärkte zunehmend bestimmen, welche Entscheidungen getroffen werden".
Die soziale Schere klafft zwar, wie Protestforscher Teune betont, in den USA weiter auseinander als in Europa. Dennoch gäbe es auch Gründe in Ländern wie Deutschland auf die Straße zu gehen. Warum aber ist es seit Beginn von „Occupy Wall Street“ in Europa so ruhig geblieben?
In Europa habe es durchaus Ansätze für ähnliche Proteste gegeben, sagt Teune. Neben den großen Protesten in Spanien, Griechenland oder Israel gab es auch lokale Ansätze für Platzbesetzungen nach dem Vorbild der „arabischen Revolution“: Ein kleines Camp vor der Frankfurter Börse, die Besetzung zentraler Orte in Berlin oder Köln - allerdings mit wenigen Teilnehmern. In Großbritannien - die Krawalle einmal außen vor gelassen - habe es Proteste unter dem Motto „UK Uncut“ gegeben.
Teune hält es aber durchaus für möglich, dass die mediale Aufmerksamkeit für die US-Proteste die Demonstrationen in Südeuropa wieder befeuern. In Deutschland erwarte er jedoch „keine großen Überraschungen und nichts in der Größenordnung wie etwa in Spanien im Frühsommer“. Viele Deutsche hätten das Gefühl, durch Protest in der Sozial- und Finanzpolitik sowieso nicht viel erreichen zu können; außerdem herrsche die Meinung vor, die Krise sei hier noch nicht angekommen. Immerhin, was die Jugendarbeitslosigkeit angehe, stimme das auch. Da stehe Deutschland im europäischen Vergleich außergewöhnlich gut da.
Ein weiterer Unterschied ist auch die liberale Tradition der USA im Gegensatz zur starken Rolle des Staates in vielen europäischen Ländern. Auch wenn viele der Demonstranten in den USA von der Politik enttäuscht seien, werde anders als beim Vorbild „arabische Revolution“ nicht der Staat als primärer Gegner identifiziert, sagt die Berliner Politikwissenschaftlerin Margit Mayer, die zu Stadtentwicklung und sozialen Bewegungen in den USA forscht. In den USA geben es eine jahrzehntelange Kultur der Kritik an Großkonzernen, ergänzt Teune - in Europa gingen dagegen wegen „gieriger Unternehmen“ allein bisher keine Massen auf die Straßen.
Dass die Wall-Street-Proteste die Europäer ziemlich kalt lassen, dürfte laut Teune auch damit zu tun haben, dass bei den gegenwärtigen Protesten, ähnlich wie in Spanien, Anti-Globalisierungs-Organisationen wie Attac oder Gewerkschaften einen geringen Einfluss haben. Laut Mayer waren an den Aktionen außer den vorwiegend per Internet aktiven Gruppen Adbusters und Anonymous keine bekannten Gruppierungen beteiligt. Attac-Vorstände ließen zwar kürzlich verlauten, sie sähen in Deutschland durchaus Potenzial für eine ähnliche Bewegung. Protestforscher Teune hält das zwar für unwahrscheinlich - will es aber auch nicht ganz ausschließen. „Wir Soziologen haben die friedliche Revolution 1989 genau so wenig kommen sehen, wie den arabischen Frühling.“
ich glaube schon, dass die Experten Recht haben.
Nach Deutschland wird gar nichts üerschwappen, die Deutschen sind viel zu ungebildet geworden in den letzten 30 Jahren.
Politisch sind sie ohnehin so ungebildet dass es weh tut.
Die junge Generation will nur Spaß haben. Außerdem haben sie nur die Dollarzeichen in den Augen, was anderes interssiert sie nicht
Und vor allem sind die Deutschen immer noch enorm
obrigkeits- und staatshörig. "wenn die (die da oben) das sagen, wird es schon stimmen"
Mein Sohn hat Recht mit seiner Aussage "erst wenn die ersten Deutschen sich ihr Fressen in den Mülltonnen suchen müssen, wird sich was ändern"
Es geht doch den Deutschen noch viel zu gut.
Die Sozialhilfe kommt pünktlich, man fährt wie die Weltmeister in Urlaub, der Dispo macht es möglich.Jedes Schulbuch soll gefäligst vom Staat finanziert werden, weil man sein Geld ja für Desingerklamotten und Handy augeben muß usw.
Ein ganzes Volk zu satt und zu zufrieden.
Hier wird gar nichts kommen außer von den Linken und Grünen aufgehetzt macht man ein wenig in Öko und geht wegen eines bekloppten Bahnhofs auf die Straße.
Aber die wirklichen Probleme des Landes sind diesen Leuten völlig egal
Armes Deutschland
Die Themen unmäßige Staatsverschuldung und und unmäßiges Geschäftsgebaren der Banken sind zu komplex für den Normalbürger, als daß er wegen dieser Themen auf die Straße gehen würde. Diese Themen sind z.B. für den Normalbürger nicht so giffig wie z.b. das Thema Stuttgart 21. Wir werden noch sehen , wie wichtig die Verwirklichung von Stuttgart 21 für die von vielen geforderte Stärkung der Inlandsnachfrage in D angesichts der demnächst beginnenden wirtschaftlichen abschwächung sein wird. Wegen der Themen unmäß. Staatsverschuldung und unmäß. Geschäftsgebaren der Banken werden die Normalbürger erst dann auf die Straße gehen, wenn sie die Folgen in ihren Geldbeutel spüren(hohe Inflation, steuererhöhungen). Dann wird es allerdings zu spät sein.
In Deutschland versucht man alles zu vertuschen und
Neutrale Presse in D schon lange Passé.
Die Medien sind gewaltig auf dem Holzweg, - erst der
arabische Frühling, Demos in Spanien,
Griechenland sowiso, Israel, Chile, Frankeich,
in den USA ( http://occupywallst.org/ )
und seit geraumer Zeit auch in Deutschland
http://www.echte-demokratie-jetzt.de/
Die deutschen haben sich in ihrer Geschichte nie befreit, -
sie mussten von Ausländern befreit werden, ist das nicht
Schande genug?
Jetzt ist die Gelegenheit versäumtes nachzuholen!!!
7 Kommentare
Alle Kommentare lesen