Euro-Sorgenkind
Irlands Wirtschaft steht weiter auf wackligen Beinen

Das erste Land, das unter den EU-Rettungsschirm flüchten musste, schlüpft nun als erstes wieder darunter hervor. Bis die irische Volkswirtschaft wieder zu alter ökonomischer Stärke zurückfindet, wird es aber noch dauern.
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Dublin/DüsseldorfErfolgsgeschichten in der Euro-Rettung sind rar und spärlich gesät. Umso größer ist die Freude, dass Irland ankündigt, als erstes Land den EU-Rettungsschirm verlassen zu wollen. Vom 15. Dezember an sei es soweit, kündigte Ministerpräsident Enda Kenny an. Irland nimmt wieder selber Schulden an den Kapitalmärkten auf. Neue Hilfskredite soll es nicht geben. Die „wirtschaftliche Notstandssituation“ in seinem Land sei vorbei, sagte Kenny.

Doch täuschen lassen darf man sich davon nicht. Die irische Volkswirtschaft, die vor Ausbruch der Eurokrise aufgrund eines Wirtschaftsaufschwungs als keltischer Tiger galt, steht immer noch auf wackligen Beinen. Eine Rückkehr zur einstigen ökonomischen Stärke scheint bis auf weiteres nicht in Sicht.

EU-Kommissar Olli Rehn erinnerte die Regierung am Montag allerdings daran, dass Irland vor seinem endgültigen Abschied aus dem Hilfsprogramm Auflagen erfüllen muss. Besonders wichtig seien die noch laufenden Stresstests für Irlands Banken, sagte Rehn am Rande des Treffens der Euro-Finanzminister in Luxemburg.
Selbst Kenny musste bei allem Stolz zugeben, dass dem Land weiter unsichere Zeiten bevorstehen: „Wir haben noch einen langen Weg vor uns.“ Er lobte das „große Opfer“ seiner Landsleute, stimmte sie damit aber gleichzeitig darauf ein, noch ein bisschen durchzuhalten.

Der Grund: Im Haushalt für das kommende Jahr, den Finanzminister Michael Noonan morgen vorstellt, geht es ein weiteres Mal zur Sache. Kürzungen und Steuererhöhungen im Umfang von 2,5 Milliarden Euro stehen an. Erwartet wird, dass das Geld vor allem aus Änderungen bei der Besteuerung von Wohneigentum, aber auch bei der Sozialversicherung und der Sozialhilfe kommen wird. Es sei der letzte „wirklich harte“ Sparhaushalt, erklärte die Regierung, doch die Wut und Sorgen der Iren beruhigt das nicht. Sie finden, Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen seien in den vergangenen Jahren unverhältnismäßig stark getroffen worden.

Nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsfirma Grant Thornton zufolge hat eine irische Familie im im Monat durchschnittlich 300 Euro weniger auf dem Konto als im Jahr 2008. Konkret bedeutet das: Eine Familie, in der beide Partner 40.000 Euro im Jahr verdienen, muss ein monatliches Minus von 511 Euro hinnehmen. Alleinerziehende mit einem Jahreseinkommen von 40.000 Euro haben seit 2008 Steuererhöhungen von 125 Prozent erlebt.

Die Finanzkrise 2008 hatte Irland ökonomisch ins Wanken gebracht. Im November 2010 war es als erstes Land mit Finanzhilfen in Höhe von 67,5 Milliarden Euro aus dem offiziellen Rettungsschirm von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF) gerettet worden. Insgesamt beläuft sich das Volumen auf 85 Milliarden Euro, von denen Irland 17,5 Milliarden Euro selber aufbringen musste. Seitdem folgte ein Sparhaushalt auf den nächsten. Im September hatte Irland die Rezession verlassen. Es geht aufwärts – aber nur langsam.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • O-Ton Handelsblatt-Überschriften-Troll
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    Das erste Land, das unter den EU-Rettungsschirm flüchten musste, schlüpft nun als erstes wieder darunter hervor.
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    Griechenland ist im April 2010 unter den Rettungsschirm geschlüpft, Irland im Dezember 2010.

    ...

    Es ist einfach nicht zu fassen.

    Selbst einfache zeitliche Abläufe richtig darzustellen ist offensichtlich zuviel verlangt von dieser Redaktion.

    Stattdessen ein Artikel voller Belanglosigkeiten:

    "Eine Familie, in der beide Partner 40.000 Euro im Jahr verdienen, muss ein monatliches Minus von 511 Euro hinnehmen."

    Mir kommen die Tränen.

    Wenigstens müssen sich diese armen Leute nicht vor Lampedusa ins Mittelmeer stürzen.

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