Euro-Stabilisierungsfonds Die irische Misere alarmiert die Notenbanker

Die Hiobsbotschaften aus Irland reißen nicht ab. Moody's hat das Rating der staatlich gestützten Anglo Irish Bank jetzt erneut gesenkt, die Risikoprämien für irische Staatsanleihen steigen weiter. Nun werden auch die Notenbanker nervös. Hinter den Kulissen fordern sie, dass der Rettungsfonds für angeschlagene Staaten nicht auslaufen darf.
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Irische Fahne vor der EU-Kommission in Brüssel: Gefahr einer Staatspleite ist sehr real geworden. Quelle: Reuters

Irische Fahne vor der EU-Kommission in Brüssel: Gefahr einer Staatspleite ist sehr real geworden.

(Foto: Reuters)

LONDON/FRANKFURT/BERLIN. Die Ratingagentur Moody's hat jetzt ihren Daumen über der schwer angeschlagenen Bank Anglo Irish gesenkt. Obwohl die irischer Regierung die Bank unter ihre Fittiche genommen hat, rechnen die Experten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit damit, dass das Institut einem Teil seiner Anleiheschulden nicht nachkommen kann. Das Rating senkte die Agentur daher um drei Stufen auf "Baa3", die Einstufung für nachgeordnete Schulden nahm sie um sechs Stufen auf Caa1 zurück. Zugleich schloss sie weitere Herabstufungen nicht aus.

Irlands Finanzminister Brian Lenihan betonte zwar, Staat und Banken würden ihren Verpflichtungen nachkommen. Ansonsten wäre die langfristige Finanzierung des Landes gefährdet. Den Kapitalmarkt konnte er damit aber kaum beruhigen: Die Rendite zehnjähriger irischer Staatsanleihen stieg gegen den Trend am Bondmarkt um zwölf Basispunkte auf 6,45 Prozent. Die Risikoprämie für zehnjährige irische Staatsanleihen trieb das weiter in die Höhe. Aktuell bekommen Investoren rund 4,3 Prozentpunkte mehr als für deutsche Bonds mit der gleichen Laufzeit – und damit 1,12 Prozentpunkte mehr als noch vor einem Monat.

Im Anleihegeschäft sind das Welten. Der rasante Anstieg der Risikoprämien zeigt, wie groß mittlerweile die Angst an den Märkten ist, dass die Sanierung der maroden irischen Banken die Finanzkraft der Inselrepublik am Ende überfordern könnte. Schon vor der Ratingherabstufung durch Moody's hielten sich am Bondmarkt hartnäckig Gerüchte, die verstaatlichte Anglo Irish Bank könnte einen Teil ihrer nachrangigen Anleihen nicht mehr bedienen.

Die Folgen dieser Zuspitzung für das Land sind fatal: Zahlreiche Volkswirte gehen inzwischen davon aus, dass die Regierung ihren drastischen Sparkurs noch einmal verschärfen muss. Eine Herkulesaufgabe angesichts der Tatsache, dass Irlands Wirtschaft zuletzt wieder geschrumpft ist. In der vergangenen Woche meldeten die Statistiker völlig überraschend ein Minus der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal von 1,2 Prozent. Nach drei Jahren Krise, in der das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um zwölf Prozent eingebrochen war, hatte Irland erst im ersten Quartal 2010 wieder aus der Rezession gefunden.

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5 Kommentare zu "Euro-Stabilisierungsfonds: Die irische Misere alarmiert die Notenbanker"

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  • schießt die banker und juristen alle gen mars und mond. dafür zahle ich gerne meine steuern, wenn es an mitteln zur mars- und monderoberung fehlen sollte.

  • Geradezu pervers und absurd finde ich die derzeitige Werbung des irischen Staates in diversen Wirtschafts-Fernsehsendern wie z.b. in "bloomberg", indem die "excellenten bedingungen" für Finanzinvestoren in irland beworben werden, und zwar mit dem Slogan: "Wir verstehen Sie!" ... "Und Deutschland zahlt", möchte man hinzufügen!

  • @Dr. Osswaldt:
    Natürlich haben die ein Konkursrecht. bei verstaatlichten Unternehmen, wie der Aib nutzt das nichts, es sei denn, man veranstaltet einen Staatsbankrott. Mitten in der EU ist das nicht so einfach. Außerdem zöge derselbe letztlich auch Deutschland in die Misere, welches den größten Teil am Schaden zu tragen hätte c/o die eigenen Steuerzahler, also uns alle - nicht zu vergessen die lieben banken, die kumulativ ordentlich Abschreibungsbedarf auf sich zukommen sähen. Gemäß ihrer unvorsichtigen Garantie für deutsche banken müßten wir schließlich auch noch Frau Merkel persönlich pfänden lassen. Das aber wäre nun wirklich zuviel des Guten.

  • @Dr.Levi Osswaldt
    Sie liefern jetzt das klassisch neoliberale beispiel für die Forderung nach Preissenkungen über Gehaltsstrukturen. Sie wisses genau, wie fragli die Staatskonstruktion wird, wenn die Steuereinnahmen wegbrechen. Deswegen argumentieren Sie auch gegen bestehende Lohnhöhen. Anstatt den beitrag zu leisten, die Löhne anzuheben, denn hierüber wird in erster Linie jede Steuerquelle urbar, fordern sie nun auch noch die banker und Finanzdienstleister heraus. Nur hierdurch wird es ihnen gelingen, die binnenwirtschaft und damit Europa zu schwächen.

    Die Löhne in den unteren und untersten bereichen der Einkommensschichten müssen steigen. Nur so wird es ausreichend Steuereinnahmen geben. Mit der Strategie die Sie Vorschlagen, Herr Dr. Osswaldt, wird die Volkswirtschaft zerbrechen.

    Die Überlegungen und Anstrengungen, die Steuern einfach nur anzuheben um die Staatsfinanzen zu rehabilitieren ist nur bedingt richtig. besser in der gegenwärtigen Situation ist eine Anhebung der Löhne, und zwar europaweit. Es ist doch nur zu ersichtlich, dass die neoliberale Doktrin irgendwie gegen höhere Löhne wirkt. Dadurch bleibt allerdings nur die Steuererhöhung, die in die irre führt. Also würgt sich die ganze Sache ab.

    Was ist falsch an einer repiden Anhebung der Löhne ? - Es wurde zementiert, dass die Löhne zu sinken hätten. Falsch ist eine Anhebung der Löhne europaweit doch nur dann, wenn Europa scheitern soll. Und darauf will hier irgend jemand hinaus. Wir sollen ausgehölt und entmachtet werden.

    Die Organisation der europäischen und damit insbesondere der Deutschen Volkswirtschaft sollte nach sachlichen, und damit strategisch bedeutenden (bedeutung geben) blickpunkten ausgewertet und restrukturiert werden. Wird dies nicht getan, dann sind wir alle im Arsch.

    Herr Osswaldt versucht überdies in der letzten Zeile den ingenieur gegen den banker auszuspielen. Soll ihm das gelingen ?

    Wir werden angegriffen !!!

  • Haben denn die iren kein insolvenzrecht?
    Mich widert es inzwischen nur noch an, wie die bankenlobbyisten gegenseitig versuchen, ihre millionenschweren Arbeitsverträge vor der Kündigung durch den insolvenzverwalter gegenseitig zu retten. Die Anglo irish bank ist jedenfalls nicht systemrelevant, so wie es überhaupt keine systemrelevanten Geschäftsbanken gibt. Das Hirngespinst der Systemrelevanz hat die bankenlobby der bevölkerung offensichtlich ins Unterbewusstsein eingebrannt.
    Fakt ist: Nichts ist einfacher als die Gründung einer neuen bank. Durch massenhafte bankenpleiten würden sich lediglich die Eigentümerstrukturen ändern. Wer als Kunde Geld verliert, ist selbst Schuld; so sollte es schließlich zur Allgemeinbildung gehören, wie man sein Geld vor zweifelhaften banken schützt.
    Fakt ist auch: Die bankenbranche hat MASSiVE Überkapazitäten, die dringend abgebaut werden müssen.
    Ferner müssen die Gehaltsstrukturen bei den banken massiv gesenkt werden. Gehälter über 150T€ unterhalb der Vorstandsebene sind in keiner bank zu rechtfertigen. Alles andere wäre eine Fortsetzung des andauernden betrugs an den Aktionären. Die Komplexität des bankgeschäfts ist deutlich geringer, als man dem bürger zu vermitteln versucht. Jeder ingenieur in der Entwicklung leistet intelektuell ein Vielfaches von dem, was ein überbezahlter banker im Arbeitsalltag vollbringt.

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