Euro-Zone in der Rezession
Die Angst vor dem Absturz erfasst Südeuropa

17 Quartale hintereinander schrumpft die Wirtschaft Griechenlands - eine traurige Bilanz. Doch nicht nur Athen ächzt unter Sparmaßnahmen und Rezession. Den anderen Ländern im Süden Europas geht es nicht viel besser.
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Athen/Madrid/Mailand/ParisGriechenlands Wirtschaft stürzt immer tiefer ab. Seit 17 Quartalen in Folge schrumpft die Wirtschaftsleistung bereits, das Land befindet sich im fünften Jahr der Rezession. Wie die staatliche Statistikbehörde Elstat am Mittwoch meldete, ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal 2012 gegenüber dem Vorjahr um 7,2 Prozent zurückgegangen. Damit beschleunigte sich die Talfahrt. Aber auch in den anderen Krisenstaaten Südeuropas schrumpft die Wirtschaft - die Angst vor einem Teufelskreis von Sparwut und Rezession setzt sich fest.

In Griechenland betrug der Rückgang im zweiten Quartal 6,3 Prozent. Die EU-Kommission hatte erst kürzlich ihre Konjunkturprognose für Griechenland deutlich zurückgenommen: Nachdem sie den Rückgang der Wirtschaftsleistung für 2012 ursprünglich bei 4,7 Prozent ansetzte, geht sie nun von minus sechs Prozent aus. Nach den jüngsten Quartalszahlen dürfte aber auch diese Annahme zu optimistisch sein. Unabhängige Volkswirte rechnen damit, dass Griechenlands BIP im laufenden Jahr um rund sieben Prozent schrumpfen wird.

Griechenland hat seit 2008 bereits ein Fünftel seiner Wirtschaftskraft eingebüßt. Das ist die längste und tiefste Rezession eines westeuropäischen Landes seit dem Zweiten Weltkrieg. Und auch die Aussichten für die folgenden Jahre sind düster. Die Troika geht in ihrem jüngst vorgelegten Fortschrittsbericht davon aus, dass Griechenlands Wirtschaft 2013 um 4,2 Prozent schrumpfen wird. Erst 2014 wird das Land mit einem Plus von 0,6 Prozent zum Wachstum zurückkehren, so die Troika. 2015 und 2016 soll es dann aber mit Zuwachsraten von 2,9 und 3,7 Prozent wieder deutlich nach oben gehen.

Die Vorhersagen der Troika sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Denn die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF), die seit dem Frühjahr 2010 Hilfskredite von 149 Milliarden Euro nach Athen überwiesen haben, um das von der Pleite bedrohte Land über Wasser zu halten, lagen mit ihren Konjunkturprognosen in den vergangenen Jahren krass daneben. So erwartete der IWF für 2010 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um zwei Prozent – tatsächlich waren es 4,9 Prozent. Für 2011 rechnete der Fonds ursprünglich mit einem Minus von 1,1 Prozent – in Wirklichkeit schrumpfte die griechische Wirtschaft um 7,1 Prozent.

Viele Experten sind skeptischer als die Troika. Das vergangene Woche beschlossene Sparpaket wird nach Schätzung von Experten dem griechischen Wirtschaftskreislauf in den beiden kommenden Jahren fast 17 Milliarden Euro entziehen. Das könnte die Wirtschaftsleistung um rund neun Prozent schrumpfen lassen. Griechenlands Rezession würde damit sogar noch die Dimensionen der „Great Depression“ übertreffen, die in den Jahren 1929 bis 1933 die Wirtschaftsleistung der USA um 27 Prozent schrumpfen ließ.

Die Athener Regierung hofft jetzt auf eine rasche Auszahlung der für dieses Jahr vorgesehenen Hilfskredite von insgesamt 44,6 Milliarden Euro. Ein Teil des Geldes soll in die Banken-Rekapitalisierung fließen. Mit einem weiteren Teil der Kredite will der Staat unbezahlte Rechnungen begleichen. Davon verspricht sich die Regierung positive Impulse für die Konjunktur.

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  • Der Irak ist seit der Besatzung wieder im Zahlungsverkehr des US-Dollars. Nichts anders wollten die USA damit erreichen. Der US-Dollar muss als Weltleitwährung funktionieren, sonst haben die USA ein großes Problem. Der Iran lässt neuerdings sein Öl mit Gold bezahlen, deswegen plant man irgendwie einen politischen Wechsel ... nur wie ... ohne Krieg? Denn der ist teuer und Geld haben die Amis kaum noch.

  • @hafnersp
    @AS1

    Tja, so ist es und so könnte es kommen. Immer das gleiche Strickmuster....

    Hören wir eignetlich noch etwas davon, wie es dem "demokratisierten Irak", d.h. seiner Bevölkerung und dem Wiederaufbau geht?
    Man hört aber sehr viel von der enormen Steiugerug der Ölproduktion. Cui bono ?



  • Zeit-Fragen > 2012 > Nr.48 vom 13.11.2012 > Verelendung an der Peripherie: Europas Zukunft wird einer Wahnidee geopfert


    Verelendung an der Peripherie: Europas Zukunft wird einer Wahnidee geopfert

    Unterdessen hat der Euro weite Teile der Währungsunion mit der Wucht einer mittelalterlichen Pestilenz ins Elend gestürzt. In Griechenland und Spanien ist über die Hälfte der Jugendlichen ohne Arbeit. Selbst die Euro-Retter in Berlin rechnen damit, dass Athen noch zehn Jahre lang am Tropf hängen wird. Irland ist dabei, eine ganze Generation gut ausgebildeter Arbeitskräfte zu verlieren. In den vergangenen vier Jahren sind über 300 000, vor allem junge Iren ausgewandert. Das sind sieben Prozent der Bevölkerung – ein Aderlass, der an die Hungersnot des 19. Jahrhunderts erinnert. In der gesamten Euro-Zone sind 18,2 Millionen Menschen arbeitslos, mehr als je zuvor seit Einführung der Einheitswährung im Januar 1999.
    Die herrschenden Eliten in Berlin, Paris und Brüssel befürchten nichts mehr als den Präzedenzfall eines Austritts und den nachfolgenden Dominoeffekt. Würden die Griechen zur Drachme zurückkehren, ginge es ihnen spätestens in zwei oder drei Jahren besser. Sicher ist nur, dass sich der Konstruktionsfehler des Euro durch noch mehr Schulden nicht korrigieren lässt, dass Aufschuldung und Gelddrucken böse Konsequenzen haben werden. Europas Zukunft wird einer Wahnidee geopfert. Den Bundesbürgern wird die Rechnung erst noch präsentiert. •


    Quelle: Auszüge aus Deutschland Brief von Bruno Banduelt erschienen in: Eigentümlich frei vom November 2012

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