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Zypern gibt Malta eine Lektion mit auf den Weg

Die winzige Insel Malta hat große Banken. So wie Zypern. Daher interessiert die Malteser das Gezerre um die Zypern-Rettung brennend. Ein ähnliches Schicksal wollen sie verhindern, an ihrem Finanzsektor aber festhalten.
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Die Verhandlungen um das Rettungspaket für Zypern wird der maltesische Finanzminister Edward Scicluna so schnell nicht vergessen. „Es gibt nichts unwürdigeres als der Anblick einer bankrotten Person, die um Hilfe bettelt“, schrieb er drei Tage nach dem ersten nächtlichen Verhandlungsmarathon in einem Gastbeitrag für die größte maltesische Tageszeitung „Times of Malta“. Das Einlenken seines zyprischen Amtskollegen erklärt er sich wie folgt. Ihm sei die „Pistole an den Kopf“ gesetzt worden. Nach zehnstündigen Verhandlungen sei er dann körperlich und geistig so erschöpft gewesen, dass er dem Abkommen zugestimmt habe.

Scicluna hat aus dem Gezerre um die Zypern-Rettung einen Schluss gezogen: „Niemals im Leben möchte ich in eine ähnliche Situation kommen.“ Auf dem Papier gibt es jedoch frappierende Parallelen zwischen beiden Mittelmeerinseln: So ist der Bankensektor auf Malta gemessen an der Wirtschaftsleistung noch größer als der auf Zypern. Die Bilanzsumme des Finanzsektors ist 7,9 Mal so groß wie die Wirtschaftsleistung – auf Zypern ist er 7,2 mal so groß.

Im kleinsten Mitgliedsstaat der Europäischen Union, mit einer Einwohnerzahl von rund 420.000 so groß wie etwa Duisburg oder Stettin, wächst daher die Sorge, in den Sog der Zypern-Krise zu geraten. „Zypern ist eine Fallstudie dafür, wie man mit einem kleinen mediterranen EU-Staat umgeht, wenn er jemals in die Lage geraten sollte, von den Nachbarstatten Hilfe zu brauchen,“ schreibt Scicluna.

Zwischen zyprischen und maltesischen Banken gibt es auch Kapitalverflechtungen. Die zweitgrößte zyprische Bank Laiki ist mit 49 Prozent an der maltesischen Lombard Bank beteiligt. Die Abwicklung der Laiki Bank habe jedoch keinerlei Konsequenzen für Malta, erklärt Joseph Said, CEO der maltesischen Lombard Bank. „Ein Aktionär wie jeder andere auch“, sagt Said dazu nur. Die Mehrheit an der Bank halten maltesische Investoren. Ein Verkauf der Anteile müsse von der Finanzaufsicht MFSA genehmigt werden.

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  • Das anfang vom Ende des €uro wurde mit der ersten Griechenlandhilfe eingeläutet. Alles was folgte verzögerte und verschlimmerte nur den unvermeitlichen Crash!

    Was mich am meisten wundert ist die Tatsache, dass niemand die wahren Verursacher dieses Problems, nämlich die Politiker die so viele Staaten in den €uro geschummelt haben, zur Verantwortung ziehen möchte!
    Vor Einfürhung des €uros gab es zweifel ob überhaupt Deutschland fähig sein würde die Konvertierungsbedingungen zum €uro zu erfüllen.
    Wieviel mußte gelogen und betrogen werden damit all die anderen Staaten den €uro bekommen konnten.
    Warum hat Goldmann Sach noch eine Banklizens und muss keine Schadensersatzansprüche begleichen, obwohl es Griechenland in den €uro geschummelt hat. Das hat bereits Hunderte Milliarden gekostet!

  • @DEUFRA2011

    Da haben sie aber ein falsches Bild von einer Volksabstimmung.
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    Sie Schreiben:
    Auch Volksabstimmungen kann man genau so beeinflussen wie Wahlen. Demokratie funktioniert nur im Überfluss, leider.

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    Natürlich kann man die Leute Beeinflussen. Das ist es ja , man muss mit den Leuten sprechen, Argumentieren und Informieren, Überzeugen und viel mal s muss man auch bereit sein zu einem Kompromiss.
    So etwas entsteht nicht von Heute auf Morgen.
    Die Leute müssen auch bereit sein sich mit der Materie auseinander zu setzten. Und so dumm wie sie meine sind die Menschen nicht.
    Es funktioniert bei uns schon manche 100 Jahre. Darum sind wir auch nicht der EU bei beigetreten.
    Wir haben etwas gegen Fremd Bestimmung, bei uns ist das Volk der Chef und nicht die Politiker.

  • Wie die Geldabflüsse trotz geschlossener Banken auf Zypern mal wieder zeigen, ist flüchtiges Kapital warum auch immer nicht einzuholen ..

    ... das wird die nächste Zukunft zeigen ob das stimmt: Was haben denn die Zyprer in Moskau gemacht zwischen erstem und zweitem "Rettungspaket"?
    Herr Putin wird doch sicher angedeutet haben, dass er an den Banken nicht interessiert sei, aber an den "Steuer-CD's" und dann noch dafür gesorgt haben, dass das weisse russische Geld gerettet wird und dass für das schwarze Geld bezahlt wird (So oder so).
    Oder kann sich irgend jemand vorstellen, dass Russland seine Interessen nicht verfolgt?
    Genau das ist wohl die einzige Lektion, die die sonstigen "Steueroasen" jetzt lernen, was das maltesische Gespräch "ja wir wollen ein ehrenhaftes Finanzportal sein etc." auch erklärt.

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