Eurobonds
Weidmann lehnt Hollandes Vorschläge ab

Jens Weidmann lehnt die Vorschläge des neuen französischen Präsidenten Francois Hollande größtenteils ab. Eurobonds könnten die aktuelle Finanzkrise in Europa nicht lösen, sagte der Bundesbankchef in einem Interview.
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BerlinIn einem zunächst im Internet veröffentlichten Interview der Pariser Zeitung "Le Monde" vom Freitag reagierte der deutsche Notenbanker erwartungsgemäß unterkühlt auf die französische Idee, mit gemeinschaftlichen Anleihen im Euroraum zur Beruhigung der Krise beizutragen. "Der Glaube, dass Euro-Bonds die aktuelle Krise lösen könnten, ist eine Illusion."

Eine Vergemeinschaftung der Refinanzierungskosten der Euro-Länder könne erst am Ende eines langen Prozesses stehen, zu dem Vertrags- und Verfassungsänderungen gehörten. Schließlich gehe es dabei am Ende um eine Haushaltsunion. "Man vertraut anderen doch seine Kreditkarte nicht an, wenn man nicht die Möglichkeit hat, deren Ausgaben zu kontrollieren." Hollande sieht in gemeinsamen Anleihen ein wichtiges Instrument zur Stabilisierung der Euro-Zone. Schon sein Vorgänger Nicolas Sarkozy war damit bei den Deutschen abgeblitzt.

Weidmann erklärte in dem Interview, sollte es jemals zu einer Art Haushaltsunion kommen, müssten die beteiligten Staaten einen Teil ihrer Souveränitätsrechte abtreten. Allerdings fehle dafür die demokratische Legitimation. "Selbst in Staaten wie Frankreich, wo sich Regierungen für Euro-Bonds stark machen, kann ich weder eine dafür notwendige öffentliche Debatte noch eine Unterstützung der Bevölkerung für eine Übertragung von Souveränität erkennen."

Auch auf den Vorschlag des französischen Präsidenten, die Europäische Zentralbank (EZB) solle mehr für das Wachstum tun, reagierte Weidmann ablehnend: "Wir sind bereits an die Grenzen unseres Mandats gestoßen, insbesondere mit den unkonventionellen Maßnahmen. Letztlich sind das Risiken, die die Steuerzahler tragen - namentlich in Frankreich und Deutschland." Frankreich wünscht sich traditionell eine aktivere EZB, während sich in der deutschen Tradition die Zentralbank darauf konzentrieren soll, stabile Preise zu gewährleisten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Eurobonds: Weidmann lehnt Hollandes Vorschläge ab"

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  • Ich stimme Ihnen zu. Weidmann hat eine klare Position, die er noch hält. Ich betone "noch".

    Das Verhalten von Hollande ist auch klar. Solange er aus Deutschland Signale erhält, dass auch außerhalb von Rechtslagen noch etwas geht, probiert er's.

    Es beschreibt eigentlich unser Erscheinungsbild im Ausland vollends. Ob es jetzt die Kritik an der SPD ist oder das eigene Taktieren von Schäuble, wenn er auf einen scheinbar lukrativen Posten nach seiner ablaufenden Amtszeit schielt.

    Ich denke, dass "Praktikantentruppe" zu zart formuliert ist.

  • Endlich mal ein Artikel zu diesem Thema, der auch Informationen enthält. Die Politiker auf der Welt können ja alle Wünsche äußern, aber wenn man diese momentan gar nicht umsetzen kann, dann sind es wohl eher Wahlkampfparolen.

    Ich möchte nicht, dass man in Deutschland sinnvolle Sparmaßnahmen macht und am Ende des Tages hilft des Deutschland nicht, weil man für andere Länder die neue Schulden bezahlt. Ich frage mich wo da die Gerechtigkeit bleibt. Es ist wie im Sozialismus, einige wenige Fleißigen finanzieren die Faulen und es geht niemanden wirklich gut.

  • Bravo Herr Weidmann ! Bleiben Sie standhaft und geben Sie der Kanzlerin bitte Argumentationshilfe und Rückendeckung. Hollande will sich als Billigzins-Schmarotzer durch seine Krise lavieren. Da kann man nur die rote Karte zeigen! Jedes Land soll den Bond haben, den es sich verdient hat. Basta. Alles andere dient der Ausheblung von Marktkräften, die vollkommen zurecht die desolate Finanz-und Wirtschaftspolitik des letzten Jahrzehntes abstrafen müssen. Den Spruch: "Mein Name ist Bond, James Bond äähh Hollande Bond", darf es nicht geben.

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