Eurokrise
Allianz-Chefvolkswirt fordert Sanierungssteuer

Die Euro-Krisenstaaten sind arm, ihre Bewohner reich, rechnet die Allianz vor. Das bringt den Chefökonom des Finanzkonzerns auf eine Idee, wie die Eurokrise gelöst werden könnte - ohne deutsche Steuerzahler zu belasten.
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FrankfurtZur Konsolidierung ihrer Staatshaushalte sollten die Euro-Problemstaaten nach Ansicht von Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise eine zeitlich begrenzte Sanierungssteuer erheben. Zugleich wandte sich Heise entschieden gegen Forderungen vor allem aus FDP und CSU, Griechenland in die Pleite gegen zu lassen. Das sei nicht nötig und würde zudem die deutschen Steuerzahler massiv belasten, sagte der Ökonom am Mittwoch in Frankfurt am Main.

Die Privatvermögen in vielen Problemstaaten reichten an die Höhe der Staatsschulden heran, erläuterte Heise. „Es handelt sich um reiche Länder in Europa, die schon in der Lage wären, das Geld herbeizuschaffen“, sagte er und schlug eine zeitlich begrenzte Vermögensabgabe vor.

In mehreren betroffenen Euro-Ländern hatte es zuletzt Initiativen für eine stärkere Besteuerung der obersten Einkommensschichten gegeben. In Italien beschloss die Regierung als Teil ihrer Sanierungsbemühungen eine Steuer für Reiche. Ursprünglich sollte die Abgabe Besserverdiener ab einem Jahreseinkommen über 90.000 Euro treffen - dann wurde die Grenze nach Protesten jedoch auf 500.000 Euro angehoben. Auch Spanien und Portugal haben jüngst die Einführung von Steuern für Reiche beschlossen. In Spanien soll sie ab einem Vermögen von einer Million Euro greifen. Ein Problem dürfte allerdings die schwache Steuermoral vieler Super-Reicher sein. In Griechenland zahlen zum Beispiel viele Spitzenverdiener kaum Steuern, obwohl sie dazu verpflichtet wären.

Zur Euro-Rettung schlägt Allianz-Chefvolkswirt Heise außerdem vor, dass die Mittel aus dem europäischen Rettungsschirm EFSF kreativ verwendet werden sollten. Dann sei auch eine Rettung Griechenlands vor der Staatspleite „noch nicht unmöglich“, sagte Heise. Eine Möglichkeit sei beispielsweise der Rückkauf zweijähriger griechischer Anleihen.

Die seien zurzeit zum Spottpreis zu bekommen. Es gebe noch andere Möglichkeiten, die jedenfalls viel schneller einzuführen wären als Euro-Bonds als gemeinsame Schuldverschreibungen der Euro-Staaten. Wichtig wäre, die schon gefassten Beschlüsse der Euro-Staaten jetzt endlich umzusetzen. Das könnte Ruhe in das Griechenland-Problem bringen.

„Wenn wir jetzt sagen, das Projekt ist gescheitert“, und es komme zu einer Umschuldung mit deutlichen Abschlägen zulasten der Gläubiger, dann würden auch die deutschen Steuerzahler „in ganz erheblichem Maße zur Kasse gebeten“, sagte Heise. Zudem sei zu befürchten, dass eine Insolvenz Griechenlands andere Länder mitziehen würde.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Eurokrise: Allianz-Chefvolkswirt fordert Sanierungssteuer"

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  • Hammerhartes Video auch mit S. Berlusconi:

    http://www.youtube.com/user/Beobachter1927?feature=mhee

  • @mondahu
    So sei es.

    Schaun mer mal, wie weit déren Demokratieverständnis ausgebildet wurde: Fingerspitzengefühl weiter zu verfeinern.

  • @leser: Mondahu verläßt sich nicht auf den lieben Gott. Aber die Schulden in den Griff zu bekommen, das ist schon dringend angesagt. Man könnte dazu auch sagen, daß Fachleute, zumal akademisch ausgebildete, dazu da sind, Probleme zu lösen, für die es noch kein Rezept gibt.

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