Eurokrise

Allianz-Chefvolkswirt fordert Sanierungssteuer

Die Euro-Krisenstaaten sind arm, ihre Bewohner reich, rechnet die Allianz vor. Das bringt den Chefökonom des Finanzkonzerns auf eine Idee, wie die Eurokrise gelöst werden könnte - ohne deutsche Steuerzahler zu belasten.
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Silvio Berlusconi, Italiens Regierungschef und reichster Bürger seines Landes. Quelle: Reuters

Silvio Berlusconi, Italiens Regierungschef und reichster Bürger seines Landes.

(Foto: Reuters)

FrankfurtZur Konsolidierung ihrer Staatshaushalte sollten die Euro-Problemstaaten nach Ansicht von Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise eine zeitlich begrenzte Sanierungssteuer erheben. Zugleich wandte sich Heise entschieden gegen Forderungen vor allem aus FDP und CSU, Griechenland in die Pleite gegen zu lassen. Das sei nicht nötig und würde zudem die deutschen Steuerzahler massiv belasten, sagte der Ökonom am Mittwoch in Frankfurt am Main.

Die Privatvermögen in vielen Problemstaaten reichten an die Höhe der Staatsschulden heran, erläuterte Heise. „Es handelt sich um reiche Länder in Europa, die schon in der Lage wären, das Geld herbeizuschaffen“, sagte er und schlug eine zeitlich begrenzte Vermögensabgabe vor.

In mehreren betroffenen Euro-Ländern hatte es zuletzt Initiativen für eine stärkere Besteuerung der obersten Einkommensschichten gegeben. In Italien beschloss die Regierung als Teil ihrer Sanierungsbemühungen eine Steuer für Reiche. Ursprünglich sollte die Abgabe Besserverdiener ab einem Jahreseinkommen über 90.000 Euro treffen - dann wurde die Grenze nach Protesten jedoch auf 500.000 Euro angehoben. Auch Spanien und Portugal haben jüngst die Einführung von Steuern für Reiche beschlossen. In Spanien soll sie ab einem Vermögen von einer Million Euro greifen. Ein Problem dürfte allerdings die schwache Steuermoral vieler Super-Reicher sein. In Griechenland zahlen zum Beispiel viele Spitzenverdiener kaum Steuern, obwohl sie dazu verpflichtet wären.

Zur Euro-Rettung schlägt Allianz-Chefvolkswirt Heise außerdem vor, dass die Mittel aus dem europäischen Rettungsschirm EFSF kreativ verwendet werden sollten. Dann sei auch eine Rettung Griechenlands vor der Staatspleite „noch nicht unmöglich“, sagte Heise. Eine Möglichkeit sei beispielsweise der Rückkauf zweijähriger griechischer Anleihen.

Die seien zurzeit zum Spottpreis zu bekommen. Es gebe noch andere Möglichkeiten, die jedenfalls viel schneller einzuführen wären als Euro-Bonds als gemeinsame Schuldverschreibungen der Euro-Staaten. Wichtig wäre, die schon gefassten Beschlüsse der Euro-Staaten jetzt endlich umzusetzen. Das könnte Ruhe in das Griechenland-Problem bringen.

„Wenn wir jetzt sagen, das Projekt ist gescheitert“, und es komme zu einer Umschuldung mit deutlichen Abschlägen zulasten der Gläubiger, dann würden auch die deutschen Steuerzahler „in ganz erheblichem Maße zur Kasse gebeten“, sagte Heise. Zudem sei zu befürchten, dass eine Insolvenz Griechenlands andere Länder mitziehen würde.

  • dapd
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36 Kommentare zu "Eurokrise: Allianz-Chefvolkswirt fordert Sanierungssteuer"

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  • Hammerhartes Video auch mit S. Berlusconi:

    http://www.youtube.com/user/Beobachter1927?feature=mhee

  • @mondahu
    So sei es.

    Schaun mer mal, wie weit déren Demokratieverständnis ausgebildet wurde: Fingerspitzengefühl weiter zu verfeinern.

  • @leser: Mondahu verläßt sich nicht auf den lieben Gott. Aber die Schulden in den Griff zu bekommen, das ist schon dringend angesagt. Man könnte dazu auch sagen, daß Fachleute, zumal akademisch ausgebildete, dazu da sind, Probleme zu lösen, für die es noch kein Rezept gibt.

  • Mein Gott richtet nicht (absolut Rilkefrei formuliert: man gewinnt Stolz ob seiner Leistungen...).

    Sie schreiben von "Schulden in den Griff bekommen".

    Ihre Sorge bleibt durchaus verständlich: gleichwohl scheinen Sie zu übersehen, wie die gegenwärtigen Schulden enstanden sind und daß es dafür kein "Rezept" geben kann.

    Ich lobe mir hier meinen Rilke (wth) und werd mir weiter durchlesen, was Menschen so meinen zu ihren selbst produzierten Problemen.

    Gleichwohl werde ich mich weiterhin hüten damit Karriere machen zu wollen!

  • @geneigter leser: dies hier ist eine Schulden-Debatte, und keine Schuld-Debatte. Dies wird leider zu oft verwechselt. Diejenigen, die in GR den Staat in nicht mehr beherrschbare Schulden gestürzt haben und sich dann aus dem Staub gemacht haben, fühlen sich keineswegs "schuldig", weder im moralischen noch im wirtschaftlichen Sinne. Vorrangig ist es jetzt, die Schulden in den Griff zu bekommen, über Schuld wird dann anschließend debattiert und so Gott will auch gerichtet werden

  • imao giebt es (entschuldigen bitte, aber Rilke quatscht mir hier beständig in die Diktion - überaus langweilig btw) in der gegenwärtigen Schuldendebatte keine klar auszumachenden Adressaten.

    Verteile Verantwortung und und bleib verantwortungslos.

    Aucgh wieder irgendwie eigenartig.

  • @leser
    Habe ich mich nicht klar ausgedrückt. Das dem GR-Staat geliehene Geld muß von dort zurückgeholt werden, wo es jetzt zu finden ist, nicht vom EU-(überwiegend deutschen) Steuerzahler.

  • @ Petra

    Guter Vorschlag - aber die, die Steuerverschwendung betreiben sitzen doch vornehmlich grade an den Stellen der öffentlichen Hand, die auch das Sagen haben. Keiner dieser Vögel sägt ja den Ast ab, auf dem er sitzt oder bezichtigt sich selbst der Steuerverschwendung.

    Nachdem ich in der freien Wirtschaft, mit eigener Firma selbstständig und jetzt im öD beschäftigt bin kann ich sagen, wenn jeder selbstständige Unternehmer so mit Geld und Ressourcen und Mitteln wirtschaften würde wie die öffentliche Hand mit dem Geld der Steuerzahler, so würde er früher oder später pleite gehen. Nach mir die Sintflut oder aber auch "komm ich heute nicht, komm ich morgen" ist hier die vorherrschende Denke. Und viele der mittleren und oberen Staatsdiener schöpfen zum eigenen Vorteil die Möglichkeiten und Freiheiten, die ihnen der öD bietet, in vollem Umfang aus. Das kann sich kein selbstständiger Unternehmer leisten - hier müsste mal mit eisernem Besen durchgefegt werden.

    Wenn ich alleine schon höre, dass der grüne Politker Kretschmann es für legitim hält, dass zum Schutze des Papstes bei seinem angedachten Besuch/Rede im deutschen Bundestag Steuergelder zur Verfügung gestellt werden sollen. WEM nützt dieser Besuch? Es soll ja eine einmalige Veranstaltung sein - jedoch könnte man mit diesen Geldern einige Schulen sanieren, wovon dann zahlreiche Schüler über einen langen Zeitraum Nutzen davon hätten. 5 Mio. sind ja für unsere Minister heutzutage kein geld mehr, wir denken in anderen Größenordnungen. Solange diese Meinung vorherrscht gehören Politiker flächendeckend abgestraft, z. Bsp. durch Wahlboykott.

  • @alibaba: falsch, bei denen ist nichts zu holen.

  • @Philosoph

    fein: so rechnet sich das doch alles... - sogar bis zur Milchmädchenrechnung: Philosophum esse et tacere^^

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