Eurokrise Athens Zahlungsausfall kommt - doch wer zahlt?

Die Ökonomen sagen es offen, die Politiker geben es nur implizit zu verstehen: Griechenland ist ohne einen Zahlungsausfall nicht zu retten. Der Kampf, wer die Lasten schultern muss, ist voll entbrannt.
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huGO-BildID: 23696813 Greece's Prime Minister George Papandreou briefs the media after a meeting with European Council President Herman Van Rompuy in Brussels October 13, 2011. REUTERS/Thierry Roge (BELGIUM - Tags: POLITICS BUSINESS) Quelle: Reuters

huGO-BildID: 23696813 Greece's Prime Minister George Papandreou briefs the media after a meeting with European Council President Herman Van Rompuy in Brussels October 13, 2011. REUTERS/Thierry Roge (BELGIUM - Tags: POLITICS BUSINESS)

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDie Ökonomen sind sich weitgehend einig: Das überschuldete Krisenland Griechenland benötigt einen markanten Schuldenschnitt. „Das ist nur noch eine Frage der Zeit. Spätestens Februar 2012 wird es soweit sein, möglicherweise sogar schon im November“, sagte Analyst Timo Klein von IHS Global Insight in einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Märkte hätten eine umfassende Restrukturierung der Schulden bereits „eingepreist“, ergänzt Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Zuletzt hatte auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann eine Zahlungsunfähigkeit Athens nicht mehr ausgeschlossen. Und die Wirtschaftsweisen um den Mannheimer Forscher Wolfgang Franz befürworten bereits seit längerem einen Schuldenschnitt auf die ausstehenden Anleihen Griechenlands von etwa 50 Prozent. Nur ein solcher Schritt würde Griechenland erlauben, wieder auf die Beine zu kommen - würde von den Rating-Agenturen aber als Zahlungsausfall gewertet.

Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou stemmt sich zwar nach wie vor gegen das Unvermeidbare. Er verhandelte am Donnerstag erneut in Brüssel über einen neuen Rettungsplan. Nach Angaben von Diplomaten traf er bei seinem unangekündigten Besuch EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy. Wie Diplomaten berichteten, muss das im Juli vereinbarte zweite Hilfspaket für Athen in Höhe von 109 Milliarden Euro teilweise neu verhandelt werden, da sich die Bedingungen in den vergangenen Monaten verschlechtert hätten. So kommen die Privatisierung von Staatseigentum im Wert von 50 Milliarden Euro nur schleppend voran.

Doch Papandreou scheint diesen Kampf bereits verloren zu haben. In der Politik räumt es noch niemand offen ein, aber auch die Spitzenpolitiker der Eurozone inzwischen davon aus, dass Griechenland seine Schulden bald nicht mehr bedienen kann und ein Schuldenschnitt unvermeidlich ist. Nur so lässt sich erklären, mit welchem Nachdruck die Regierungschefs auf eine Rekapitalisierung der Banken drängen. Um zu verhindern, dass sie von einer Griechenland-Pleite mitgerissen werden.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann legt den Finger in diese offene Wunde: „Die aktuelle Rekapitalisierungsdebatte ist kontraproduktiv“, kritisierte er am Donnerstag in Berlin. Denn sie signalisiere den Märkten, dass ein Schuldenschnitt in Griechenland wahrscheinlicher werde.

"Kein Bankenproblem, sondern eine Vertrauenskrise"
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59 Kommentare zu "Eurokrise: Athens Zahlungsausfall kommt - wer zahlt die Rechnung?"

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  • @ deutscher,
    Nomen est omen,
    Da hast Du Dir den richtigen Namen ausgesucht, wenn es um Bestrafen geht sind die deutsche immer vorne weg!
    Ein Herrschervolk wie im Bilderbuch!

  • Hier kann man sich den Wortlaut des ESM in deutscher Übersetzung runterladen. http://www.peter-bleser.de/upload/PDF-Listen/E-Mail-Info_Eurostabilisierung/Entwurf_Vertrag_ESM.pdf. Und hier ein kurzer Textauszug: :(Art. 27 und 30) „Der ESM, sein Eigentum, seine Finanzmittel und Vermögenswerte genießen unabhängig von ihrem Standort und Besitzer umfassende gerichtliche Immunität“.“Das Eigentum, die Finanzmittel und Vermögenswerte des ESM sind unabhängig davon, wo und in wessen Besitz sie sich befinden, von Zugriff durch Durchsuchung, Beschlagnahme, Einziehung, Enteignung und jede andere Form der Inbesitznahme, Wegnahme oder Zwangsvollstreckung durch Regierungshandeln oder auf dem Gerichts-, Verwaltungs- oder Gesetzesweg befreit.” “Die Archive des ESM und alle ihm gehörenden oder in seinem Besitz befindlichen<br/>Dokumente im Allgemeinen sind unverletzlich.” “Die Räumlichkeiten des ESM sind unverletzlich.” “Die Gouverneursratsmitglieder, stellvertretenden Gouverneursratsmitglieder, Direktoren, stellvertretenden Direktoren, der Geschäftsführende Direktor und das Personal genießen Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich der in ihrer amtlichen Eigenschaft vorgenommenen Handlungen und Unverletzlichkeit in Bezug auf ihre amtlichen Schriftstücke…”.

  • Da weder die USA noch die EU jemals ihre Schulden werden zurückzahlen können, wird die EZB alles richten.
    Denn die EZB ist eine Bank, die selbst Geld drucken darf, was sie auch schon reichlich tut. Nun wird es noch schlimmer. Die EZB wird die Notenpresse laufen lassen bis daß das Lagerfett ausgeht und das kann dauern.
    Rate mal, wenn das Fett alle ist, was eine Scheibe Brot dann kostet.

    Schönen Tag noch?

  • Falsch, im Mittelalter hätten die Politik-Verbrecher (gab ja damals nur Feudalherren) die Leibeigenen mit immer höheren Abgaben ausgepresst und ihre Gläubiger um die Ecke gebracht, um sich zu entschulden.

    Steuererhöhungen und neue Abgaben wird es sicher geben und eine Geldenteignung der Bürger wird es durch einen Schuldenschnitt in der kompletten Euro-Zone sicher auch noch geben. Es hat sich also bis auf das Töten der Gläubiger nicht viel verändert seit dem Mittelalter :-)

  • auf allen Kanälen stündlich neue Meldungen, da hat man kaum noch den Durchblick was nun eigentlich los ist.
    das letzte Pulver war doch schon einem halben Jahr ver-
    schossen worden, Euroland ist noch immer nicht gerettet ?

  • Warum soll man Griechenland die Schulden erlassen. Das zahlt ohnehin der nordeuropäische Steuerzahler, der dann die Banken finanziert. Warum viel und auf einmal wenn wenig und lange auch geht - zusätzlich mit dem unermesslichen Vorteil, dass der Reformdruck nicht schlagartig wegbricht. Erst mal sollen die 100.000 Beamte rauswerfen und ihr Tafelsilber verkaufen. In 2 Jahren schauma vielleicht nochmal - alles andere ist Wahnsinn hoch zehn. Klar wollen die Spekulanten "klare Verhältnisse", die wollen dass die Party von vorne losgeht. Der Depp ist der nordeuropäische Steuerzahlen der sich täglich den Arsch aufreißen darf um das Geld, für das seine Enkelkinder noch zahlen dürfen, nach Süden zu senden, um den Lifestyle vom Club Med und die perverse Gier der Banker und ihre Boni zu finanzieren

  • Natürlich bezahlt der deutsche Steuerzahler das Retungstheater der deutschen und französischen Banken die sich verspekuliert haben. Im Gegensatz zum Autokäufer, der einen Kredit haben will und dessen Bonität genaustens geprüft wird, ist man ein Geschäftsrisiko eingegangengen welches nun in absehbarer Zeit der Gesellschaft sozialisiert wird. Höhere Allgemeinsteuern (Mwst.), Kürzungen sozialer Ausgaben u.ä. stehen bevor.
    Bin gespannt, wie lange der deutsche abgezockte AN noch arbeiten geht, wenns Geld auch für Zocken gibt.
    Lafo hatte schon zur Wiedervereinigung recht und ist bis heute unwiederlegt.
    Am besten Lebensmittel für 6 Monate bunkern und dann Beine hoch und die EU-Banken-Demokratur macht ohne deutsches Rammelvieh "Blubb" - Aus die Maus, Neuanfang.

  • Sie meinten sicherlich nicht 'Teilprivatisierung', sondern Teilverstaatlichung.

  • Das HB ist auf dem besten Wege, seine Kernleserschaft zu verlieren. Ich bin jedenfalls nicht mehr lange dabei. Ich werde mein Abonnement bei nächster Gelegenheit kündigen. Ich werde mir am Abend in der Vorab-Print-Ausgabe ansehen, ob dieser reißerische Unsinn dort ebenfalls erscheint und mir vielleicht noch ein paar solcher alarmistischer Ausreißer ansehen - aber spätestens, wenn die Lektüre des HB durchwegs ähnlich ärgerlich wie die Lektüre des Spiegel einstmals wird, werde ich mir diesen Ärger nicht mehr zumuten.

  • Danke für diese Neuigkeit. Wir sollten dem nachgehen, denn hier sind deutsche Beamte zuständig, die man rechtlich fassen kann! Findet sich hier ein Rechtsanwalt, der dem nachgeht oder Hinweise geben kann, wer hier Klagerecht hat?

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