Eurokrise Das nächste Irland heißt Portugal

Keine zwölf Stunden nachdem Irland unter den Schutzschirm der EU geschlüpft ist, suchen sich die Märkte das nächste Opfer: den Zehn-Millionen-Einwohner-Staat Portugal. Viele volkswirtschaftliche Kennziffern sehen düsterer aus als die von Schuldennachbar Irland.
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Portugals Premier Socrates: Ohne Wachstum nutzt der rigideste Sparkurs nichts. Quelle: Reuters

Portugals Premier Socrates: Ohne Wachstum nutzt der rigideste Sparkurs nichts.

(Foto: Reuters)

BERLIN/BRÜSSEL/DUBLIN/LISSABON. Sichtlich stolz trat die Bundeskanzlerin am 10. Mai vor die Kameras. Obwohl sie übermüdet war, fand Angela Merkel kraftvolle Worte: Der Rettungsfonds sei eine "entschlossene und geschlossene Botschaft an diejenigen, die glauben, den Euro schwächen zu können", sagte sie. Es war der Morgen nach jener Nacht, als die EU-Regierungschefs und der Internationale Währungsfonds einen Rettungsschirm von 750 Mrd. Euro gespannt hatten.

Das Signal, das die Bundeskanzlerin aussandte, galt den Spekulanten: Seht her, wir haben mit einer gewaltigen Summe einen Schutzwall errichtet, jegliche Angriffe auf einen Mitgliedstaat der Euro-Zone sind zwecklos, so die Botschaft.

Jetzt, ein halbes Jahr später, ist klar: Die Kanzlerin hat sich - wie all die anderen Architekten des Schutzwalls - geirrt. Nun weiß Europa: Die bloße Existenz des Rettungsschirms allein reicht nicht. Irland musste gerade erst bis zu 90 Mrd. Euro Hilfen beantragen. Und auch das beruhigte die Finanzmärkte nicht. Sie schießen sich seit gestern auf den nächsten Kandidaten ein: Portugal.

"Mit Irland ist der zweite Dominostein gefallen", sagt Commerzbank-Analyst Christoph Weil. "Am Markt besteht Konsens, dass Portugal der nächste Staat ist, der unter den Rettungsschirm schlüpfen muss", sagt Michael Leister, Analyst für europäische Staatsanleihen bei der WestLB. In jedem Fall sind die Märkte schon wieder alarmiert. "Ernüchternd" nennt Kornelius Purps, Experte bei der italienischen Großbank Unicredit, die Lage. Die Renditen der griechischen und portugiesischen Staatsanleihen zogen gestern kräftig an. 6,5 Prozent Rendite muss Portugal jetzt für zehnjährige Staatsanleihen bieten, Griechenland 11,6 Prozent. Auch die Devisenmärkte überzeugte das irische Rettungspaket nicht. Der Euro verlor ein halbes Prozent und notierte bei 1,36 Dollar.

Der Fall Irland sei wegen der dortigen Bankenkrise sehr speziell, versuchte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn zu beschwichtigen. In Portugal sei der Bankensektor dagegen gesund.

Was Rehn verschwieg: Portugal hat andere gravierende Probleme. Während Irland 2010 nur ein Leistungsbilanzdefizit von 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufweist - im kommenden Jahr erwartet der IWF sogar einen Überschuss -, leidet Portugal 2010 unter einem rekordverdächtigen Defizit von über zehn Prozent. Das heißt, das Land lebt weitaus stärker über seine Verhältnisse als Irland. Auch die Wachstumsperspektiven sind in Portugal schlechter: Die Wirtschaftsleistung wird auch im nächsten Jahr noch schrumpfen - um 0,2 Prozent. Irland dagegen soll sogar um 1,5 Prozent wachsen. Zwar ist die Haushaltslage in Portugal derzeit entspannter, da der Staat im Gegensatz zu Irland nicht Milliarden in die Bankensanierung stecken musste. Doch ohne Wachstum nutzt der rigideste Sparkurs nichts. Der Griechenland-Virus hat gestern Irland dahingerafft. Er ist dabei, auch Portugal zu befallen.

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20 Kommentare zu "Eurokrise: Das nächste Irland heißt Portugal"

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  • Krise Krise Krise .
    Kann das sein wenn es die Presse nicht mehr gibt , gibt es auch keine Krise mehr .

  • Es ist ganz einfach, es gibt nur eine Lösung für die Euro-Krise: Einzelne Länder müssen aus dem Euro austreten. Ob der Euro dann überhaupt noch Sinn macht sei dahin gestellt.
    Die Alternativen sind nur Transferunion oder Staatspleiten. Das Kernproblem liegt in der unterschiedlichen Wettbewerbsstärke. Weder eine Transferunion noch Staatspleiten können etwas grundlegend an der Wettbewerbsstärke eines Landes ändern. beides sind daher nur temporäre Pseudo-Lösungen.

  • Zitat 1:
    Mayer Amschel bauer, Gründer der Rothschild-Dynastie:

    „Erlaube mir das Geld einer Nation herauszugeben und zu kontrollieren, dann ist es mir egal wer die Gesetze macht.“

    Zitat 2:
    Ehemaliger Präsident der Deutschen bundesbank, Hans Tietmeyer:

    „ich habe bisweilen den Eindruck, dass sich die meisten Politiker immer noch nicht darüber im Klaren sind, wie sehr sie bereits heute unter der Kontrolle der Finanzmärkte stehen und sogar von ihnen beherrscht werden.“

    Es sollte vielleicht an dieser Stelle mal Klartext gesagt werden, durch wen diese ganzen Finanzeliten, banken und institutionen eigentlich repräsentiert werden und wer das gesamte Finanzsystem in Wirklichkeit kontrolliert.
    Weltweit ist das bank- und Finanzwesen fest in jüdischer Hand, allen voran das iWF und die Weltbank, sowie diverse Großbanken, investmentbanken und die amerikanische FED (u.a. Rothschild, Goldman Sachs, J.P Morgan, Sal. Oppenheim, Lehman brothers).

    bekannte Persönlichkeiten dieser ethnischen elitären Gruppe bzw. Religion sind dabei u.a. Josef Ackermann, ben barnanke, Alan Greenspan, Dominique Strauss-Kahn, Lloyd blankfein, Robert Rubin, Stephen Friedman, bruce Wasserstein, bernard Madoff (um nur einige wenige zu nennen, die Liste könnte noch endlos weitergeführt werden).
    Noch Fragen, wer über wen regiert?

  • [12]Robcritic
    ihrem Kommentar folgend kam ich zu dem Schluß:
    Staatsprozesse sind nicht mehr völkische Prozesse.
    Staatserfolg in Ausmaß und Zeitdauer wechseln die Lokalisation (Schwund an Hegemonie).
    Also gehe ich eher davon aus, daß eine trilaterale Kommission auf Dauer eher dem Restrudel schwer verwundeter Wölfe gleicht, die im bedarfsfall zunehmender Verwundbarkeit den Schlimmstbetroffenen auch aufffressen werden.
    Unter ominösen und dubiösen Kreisen, wie Sie sie nennen, verstehe ich wie selbstverständlich die Waffen-produzierende-Lobby und um ein weiteres beispiel aauszusprechen, die verlogene und an den Hexenwahn erinnernde Problematisierung der Erderwärmung und CO2-Anstiegs.
    Es gibt dafür in gutes deutsches Wort:
    GELDSCHNEiDEREi

  • Hurra, Wir retten Griechenland, irland,Portugal. Warum denn nicht. Wir haben die notleidenden banken gerettet; wir können mehr! Ganze Nationalstaaten hoffen nun auf Rettung und samariterhaft sind wir zur Stelle. Nur ; wer rettet uns wenn wir dann notleidend sind. Vielleicht die deutschfreundlichen Griechen; oder werden sie sagen "Was Costa?". Nein unsere einzige Rettung ist der nächste Wahlzettel. Liebe Politiker. Wir wollen nicht mehr zahlen für die Fehler von bankmanagern und mediteranen Müßiggängern. begreift das oder geht. Fordert die geliehenen MRDen von den banken zurück. Sonst sind wir bald auch irrland...
    Wie sind Samariter!
    Sorry für den Stil. Nur bildzeitungsniveau wird dieser großangelegten Menschenverdummung gerecht. Lest Naomi Klein; Die Schockstrategie. Dann werdet ihr wissen was kommt...

  • @ Ondoron :

    Die S21-Gegner haben schon lange damit begonnen, über neue wählernahe demokratische Willensbildungs- und Entscheidungsformen nachzudenken und den S21-Protest in Formen des kritschen Protestes gegen die herrschende Polit-Diktatur und Staatsmißwirtschaft überzuführen. Politikfilz. Manipulation der Gerichte und die Großkonzerne stehen im Mittelpunkt der Kritik.

    Ausufernde Staatsverschuldung, Mißwirtschaft, Ausklammerung der bankenhaftung für Auslandschulden, Haftung des deutschen Steuerzahlers für Defizite, die außerhalb Deutschlands ohne seine Schuld und ohne seine Zustimmung/konkrete Mitentscheidung entstanden sind - das sind Themen, die schnell und gezielt in die Demonstrationsbewegung und den Protest eingeführt werden können, die Protestplakate "D-Mark statt Euro!" und "Schulden-EU - NEiN DANKE!" sind schon fast gedruckt!

  • Nach den PiiGS kommen dann die anderen €uro-Staaten dran, und dann sind die 750 Milliarden verschossen, und die Spekulation gegen den €uro geht so richtig los.

    Und die an und für sich noch "rettbaren" Staaten gehen mit unter. Danke an alle die daran so eifrig mitgearbeiet haben.

  • Nach Portugal folgt Spanien.....italien ???
    Wenn das dumme Volk das zulässt !!!!
    Wacht endlich auf und tretet den korrupten Politiker Vasallen in den Hintern !!!
    Raus aus diesem künstlichen Euro und EU Konstrukt !!!

  • Hinter allem was passiert steckt System. Die Dinge passieren nicht einfach so willkürlich.
    Es gibt eine ganze Reihe von Leuten bzw. ominösen und dubiosen Gruppierungen, die sehr wohl daran interessiert sind, dass ein völliges Chaos und Panik entsteht.
    Schon David Rockefeller (einer der Gründer der Trilateralen Kommission) hat mal gesagt "Wir stehen am Rande einer weltweiten Umbildung, alles was wir brauchen, ist die richtige allumfassende Krise und die Nationen werden in die neue Weltordnung einwilligen." (Juni 1991)

    Wer sich mit der Trilateralen Kommission bzw. der bilderberg Gruppe noch nicht beschäftigt hat, sollte dem mal ein bisschen nachgehen.

    Abgesehen davon ist es völlig illusorisch, immer nur von einzelnen "Problemstaaten" zu sprechen, wenn es um Hilfsgelder geht. Wir können noch so viel die Augen vor der Wahrheit verschließen oder den Kopf in den Sand stecken, die Realität ändern wir dadurch nicht. Europa als Ganzes ist praktisch insolvent.
    Die jetzigen Rettungsaktionen sind in Wahrheit keine Rettungsaktionen sondern Verschleierungsaktionen. Sie sollen den Mächtigen und Reichen genug Zeit geben, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen und an dem ganzen Debakel sich noch eine goldene Nase zu verdienen.

    Oder anders ausgedrückt, Europa, USA und viele andere Länder dieser Erde sind mittlerweile so tief mit dem Karren in die Scheisse gefahren, dass sie völlig manövrierunfähig sind. Statt den Spaten rauszuholen wird lieber noch mehr Scheisse draufgekippt. Es hilft alles nichts. Es stinkt nur immer mehr.

  • Portugal versucht seit Jahren, genau wie Japan, mit neoliberalen Rezepten aus der Krise zu kommen. Das klappt einfach nicht.

    irgendwo schrieb einmal ein Forist sinngemäß: Der weltweit grassierende Neoliberalismus wird so langsam unbezahlbar.

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