Eurokrise
IWF will sich am Rettungsschirm beteiligen

Der IWF verlangt ein mutigeres Eingreifen von Eurozone und EZB. Wie ernst die Lage ist, zeigt der Verweis auf Spanien und Italien: geraten sie in den Strudel, wolle der Fonds selbst eingreifen.
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Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat bei der Vorlage seines Regionalberichtes Europa seine Warnung wiederholt, dass der Kontinent in die Rezession abzurutschen droht - und die Weltkonjunktur mitziehen könnte. Neu sind jedoch einige der detaillierten Handlungsanweisungen, die der Fond den europäischen Institutionen an die Hand gibt.

Die Euro-Länder müssten nun alles tun, ihre Schuldenkrise einzudämmen: „Eine dauerhafte Lösung zu finden für die Staatsschuldenkrise in der Eurozone ist mehr als überfällig, sagte IWF-Europadirektor Antonio Borges am Mittwoch in Brüssel.

Borges brachte den Kauf europäischer Staatsanleihen durch den IWF ins Spiel. Der Fonds könnte „an der Seite“ des europäischen Rettungsschirms EFSF investieren, wenn er Anleihen von Italien und Spanien kaufe. Der IWF könnte den zwei Ländern auch spezielle Kreditlinien, sogenannte Precautionary Credit Lines (PLC), gewähren, sagte Borges. „Wir verfügen über eine ganze Reihe von Optionen, die auf den Tisch geholt werden könnten, um das Vertrauen in diese Länder wieder herzustellen.“

Borges sprach sich gegen einen „gigantischen“ Rettungsfonds aus. Eine mögliche Option wäre es, den EFSF zu nutzen, um Investoren einen Schutz vor Verlusten zu bieten, sagte er.

Borges bestätigte, dass die EU-Finanzminister an einem Plan arbeiten, gemeinsam für eine bessere Kapitalausstattung der europäischen Banken zu sorgen - was überfällig sei. Der IWF warnt bereits seit Wochen vor einer gefährlichen Unterkapitalisierung der europäischen Banken, war damit bislang aber auf taube Ohren gestoßen. Erst nachdem die belgisch-französische Bank Dexia in ernste Probleme geriert, ist das Thema auf der Prioritätenliste der EU nach oben gerutscht.

Am Mittwoch legte die EU-Kommission nach: Die Lage der europäischen Banken habe sich seit den Banken-Stresstests im Frühjahr verschlechtert, sagte eine Sprecherin. „Wir sind uns bewusst, was an den Märkten passiert und wie sich das auf die Banken auswirkt“, sagte sie. „Aber die unmittelbaren Probleme drehen sich eher um Liquidität als um Zahlungsfähigkeit“, sagte sie. Die EU-Kommission will sich nicht zum möglichen Umfang einer Banken-Rekapitalisierung äußern. Es gebe noch keine konkreten Pläne auf EU-Ebene, sagten EU-Beamte.

Der Europäischen Zentralbank (EZB) empfiehlt der IWF zudem eine Zinssenkung, solange die Rezessionsgefahren anhalten. Außerdem solle die Notenbank den Interbankenmarkt langfristig mit mehr Liquidität versorgen und eine "ausdrückliche Erklärung" abgeben, Staatsanleihen von Krisenstaaten "solange wie nötig" aufzukaufen. Diese gegenwärtige Praxis der EZB wird vor allem von der Bundesregierung und den deutschen Vertretern im EZB-Direktorium kritisiert.

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  • Die internationale Mafia Federation will sich am Rettungsschirm beteiligen...

  • Das ganze absurde Kartenhaus bricht eh weg, ob wir nun das tun was der IWF verlangt oder ob wir es nicht tun. was sollen diese vorschläge anders sein als miserable flickschusterei ? Staaten, die selbst am Bankrott entlangschrammen, sollen nun banken "rekapitalisieren". Wieder mal ne kleine geldspritze für die finanzindustrie vom Steuerzahler, nicht ? Eine "dauerhafte Lösung" für die Staatsschuldenkrise- ja klar doch, mach doch mal. Wo ist denn der dukatenesel ? es bräuchte ja nur paar billiarden frisches Geldchen, schon wäre alles paletti, was ? Dieses nichtsnutzige Gerede des IWF ist absolut verzichtbar. Diese Institution besteht offensichtlich nur dazu, gutbezahlte Jobchen zur verfügung zu stellen für Leute wie lagarde.

  • jetzt drückt Frau Lagarde uns im Auftrag der französischen Bank und des Herrn Sarkozy noch schlechte Anleihen aufs Auge, die bei französichen Banken geparkt sind

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