Eurokrise
Merkel richtet Fokus auf Portugals Risiko-Aufschläge

Kurz vor der Entscheidung über den Schuldenschnitt für Griechenland sorgt sich die Kanzlerin um Portugal. Eigentlich ist Lissabons Staatsverschuldung relativ gering - aber das Land ist noch lange nicht immun.
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BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel hat sich besorgt über die Bewertung Portugals an den Finanzmärkten geäußert. „Die Risikoaufschläge für portugiesische Staatsanleihen sind besorgniserregend“, sagte Merkel am Dienstag in der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am Dienstag nach Teilnehmerangaben. Die Lage für Italien und Spanien habe sich dagegen erheblich entspannt. Derzeit wird diskutiert, ob Portugal noch ein zweites Rettungspaket aus dem Euro-Rettungsschirm EFSF braucht. Die Finanzierungshilfen aus dem bisherigen Paket enden 2013.

Auch der CDU-Haushaltspolitiker Norbert Barthle verwies auf die hohen Risikoaufschläge für Portugal, sieht darin aber vor allem einen Effekt des laufenden Schuldenerlasses für Athen. „Ist der Schuldenschnitt für Griechenland erfolgreich, wird sich auch die Bewertung Portugals erheblich verbessern“, sagte Barthle.

Das Problem des Landes sei keineswegs eine übermäßige Verschuldung, diese liege bei rund 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukt. Vielmehr leide Portugal an strukturellen Problemen wie etwa dem überregulierten Arbeitsmarkt, die nun angepackt würden.

Zugleich äußerte der CDU-Politiker Verständnis für die spanische Regierung, die in diesem Jahr ihr Defizitziel für den Haushalt von 4,4 Prozent nicht erreichen wird und nun einen Wert von 5,8 Prozent ansteuern will. Barthle bezeichnete dies als normal, weil alle Länder auf ihrem Reformweg ein „Tal der Tränen“ zu durchschreiten hätten, in dem das Wachstum zurückgehe. „Spanien ist kein Programmland und auf dem richtigen Weg. Ich würde deshalb abraten, ein Strafverfahren wegen des Bruch des Stabilitätspaketes einzuleiten“, sagte Barthle. Die EU-Kommission muss beurteilen, ob sie gegen das Land wegen des aufgeweichten Defizitziels ein Verfahren einleitet.

Basisdaten Portugal

Quelle: International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, September 2011
* Schätzung,
** 0 % BIP-Wachstum 2008
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Eurokrise: Merkel richtet Fokus auf Portugals Risiko-Aufschläge"

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  • ..soso, Portugal hat Industrie und ist nicht am Boden!

    Daher gehen ja viele Portugiesen sogar aktuell nach Angola arbeiten (hierzu kam vor ca. 2 Wochen ein Bericht in der ARD!), weil es in Ihrem Land keine Arbeit mehr gibt. Aber Portugal ist ja nicht so.

    Wie kann man sich die Wahrheit über die EU-Pleite noch so zurecht lügen? Die Dominostein-EU fällt nun Stein für Stein auseinander. Grüße an die "Blender" in Brüssel und Berlin

  • Soweit ich weiß ist ca. 100% richtig. Aber Portugal hat eine gewisse Industrie und nicht nur Kork, Wein und Oliven. VW baut dort Bosch produziert auch etc.Aber man kann mehr anpflanzen, was die vernichtende Politik durch Brachprämien
    mit verursacht hat. Portugal wird es schaffen braucht aber Zeit und u.U.nochmals Geld aber nie wie GR.

  • "Das Problem des Landes sei keineswegs eine übermäßige Verschuldung, diese liege bei rund 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukt. Vielmehr leide Portugal an strukturellen Problemen wie etwa dem überregulierten Arbeitsmarkt, die nun angepackt würden."

    Wieder mal ein Artikel von vorzüglicher Qualität. Der Schuldenstand Portugals lag 2010 lt. Eurostat bei 93,3% des BIP, dank der großen "Fortschritte" Portugals dürfte er 2011 bei etwa 100% des BIP liegen. Wenn Herr Barthle wirklich von 60% spricht, wäre es die Aufgabe eines Journalisten, diesen Fehler zu benennen. Vermutlich hat der "Journalist" aber lediglich falsch zitiert und Herr Barthle sprach von Spanien. Dort lag der Schuldenstand 2010 bei 61% und 2011 vermutlich (dank vergleichbarer "Fortschritte") bei knapp 70%.

    Wenn Artikel von Praktikanten ohne jegliche Sachkenntnis geschrieben werden, fallen solche Unstimmigkeiten natürlich nicht auf.

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