Eurokrise
Peking dämpft Hoffnung auf Rettung des Euros

China und andere BRIC-Staaten wollen Anleihen hochverschuldeter Euroländer kaufen. Dafür stellen die neuen starken Wirtschaftsmächte jedoch Bedingungen. Für eine Eurorettung aber würden selbst Chinas Mittel kaum reichen.
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DalianDie chinesische Regierung ist bereit, Europa und auch den USA in der Krise zur Hilfe zu kommen. Zum Auftakt des „Sommer-Davos“ genannten Treffens des Weltwirtschaftsforums in der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian forderte Chinas Premier Wen Jiabao Entgegenkommen der Europäer und Amerikaner - und dämpfte Erwartungen an Pekings finanzielle Allmacht.

„Wir haben viele Male unsere Bereitschaft betont, eine helfende Hand auszustrecken“, sagte Wen. Die EU sei ein strategischer Partner, der die volle Unterstützung Chinas verdiene. Doch er hoffe, dass Europa auch auf China zugehe. China verfügt über Devisenreserven in Höhe von 3,2 Billionen Dollar, die es praktisch nach Belieben investieren kann. Mindestens ein Drittel davon steckt derzeit in US-Staatsanleihen, rund ein Viertel in Euro.

Konkret wünschte sich Wen die Anerkennung Chinas als Marktwirtschaft. Dieser formale Schritt würde den Handel Chinas mit der EU vereinfachen. Von den USA forderte Wen Jiabao vor den 1700 Teilnehmern des Treffens mehr Offenheit gegenüber Investitionen chinesischer Firmen und eine Aufhebung von Exportbeschränkungen.

Auch Brasilien, Russland und Indien denken nach Informationen der brasilianischen Regierung über den verstärkten Ankauf von Anleihen aus Euro-Ländern nach. Der brasilianische Finanzminister Guido Mantega kündigte an, dass sich die BRIC-Gruppe in der kommenden Woche in Washington treffen und dort beraten werde, wie sie der EU bei der Bewältigung der Schuldenkrise helfen könne.

Die Gespräche über Schritte zur Linderung der Schuldenkrise in der Euro-Zone seien in der Anfangsphase, sagte ein brasilianischer Regierungsvertreter. Er schränkte jedoch ein, die vier Schwellenländer der BRIC-Gruppe, zu der auch China gehört, wollten zur Ausweitung ihres finanziellen Engagements nicht den Löwenanteil ihrer Finanzreserven angreifen.

Zu Beginn der Woche war bekannt geworden, das Italiens Finanzminister Tremonti vor kurzem in Peking bei der Regierung und bei den großen staatlichen Investmentfonds dafür geworben hatte, italienische Anleihen aufzukaufen und so den Druck auf das verschuldete Euroland zu senken. Zuvor hatten auch Spanien und Portugal Emissäre in dieser Sache nach China geschickt. Die Aussagen von Wen deuten daraufhin, dass die Anfragen nicht auf taube Ohren stoßen.

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  • Realistische Einschätzung
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    Durch die Insolvenzverschleppung mit Griechenland und wenn
    Italien weiterhin auf den finanziellen Kollaps zusteuert,
    wird die EU mit schätzungsweise 2.000 Milliarden Euro
    ''too big to save''
    China kann rechnen und ist bestimmt nicht finanziell le-
    bensmüde in dieses finanziell marode Eurosystem noch zu
    investieren.
    Da wartet man lieber die Generalpleite ab, um mit einem
    ''asset stripping'' das Ganze auszuschlachten!!

  • Sich bei anderen Staaten zu verschulden ist ein riesen Fehler! So gut das auch gemeint ist, die dadurch entstehende Abhängigkeit ist fatal!

    Kommt es nämlich doch irgendwann zur Zahlungsunfähigkeit, muss auf politischer Ebene umgeschuldet werden. Das ist ein ganz anderer Prozess als die Umschuldung mit privaten Gläubigern.

  • Wer zahlt, schafft an - die Kommentatoren vergessen wohl, daß Italien angefragt hat, nicht irgendein anderes europä-isches Land, nur, um Zeit zu gewinnen - wofür eigentlich? Soviel ich weiß, sind ja keinerlei Strukturreformen ge-plant oder irgendetwas Substantielles, das das Wachstums-potential Italiens heben könnte. Mit den Chinesen als Finanziers käme Italien vom Regen in die Traufe: sie schaffen grundsätzlich keine Arbeitsplätze im Ausland für Ausländer. Und für das bißchen Zeitgewinn den Kampf um das Geistige Eigentum aufgeben???

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