Eurokrise
Schäuble feuert Schuldenstaaten an

Optimistisch, aber streng: Wolfgang Schäuble mahnt die verschuldeten Euro-Länder, mit den Reformen nicht nachzulassen. Ein finnischer Minister erinnert daran, dass auch Deutschland einmal als „kranker Mann Europas“ galt.
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BerlinNach der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) für Ankäufe von Staatsanleihen hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Euro-Schuldnerstaaten davor gewarnt, mit ihren Reformanstrengungen nachzulassen. „Wir werden die Vertrauenskrise des Euro nur dann überwinden, wenn wir mit den Reformen nicht nachlassen. Noch sind sich die Märkte nicht sicher, dass die Eurozone hält“, sagte Schäuble der „Bild am Sonntag“.

Das finanziell gut dastehende Finnland stieß ins selbe Horn. „Wir haben uns mit einem Sparprogramm in den 90-er Jahren am eigenen Schopf aus einer tiefen Krise gezogen, und wir fänden es gut, wenn es andere Länder genauso machten“, sagte der finnische Europaminister Alexander Stubb der „Süddeutschen Zeitung“.

Schäuble sagte: „Es wäre ein schwerer Fehler, wenn die EZB-Entscheidung falsch interpretiert werden würde in dem Sinne, dass man jetzt mit den Anstrengungen nachlassen könne. Das Gegenteil ist richtig.“ Die Staaten müssten ihre Haushaltsdefizite verringern und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. „Und wir müssen die notwendigen institutionellen Reformen in der EU und der Eurozone zügig angehen“, sagte Schäuble.

Der finnische Minister Stubb erklärte, er sei ein großer Freund von Europa und helfe gern. „Aber ich will nicht, dass man mich beschuldigt, ich sei zu streng. Nein: Die anderen sind zu lasch, und das muss sich ändern“, forderte der Finne. Zugleich warnte er vor einer „Arroganz des Nordens“ gegenüber den hilfsbedürftigen Ländern im Süden Europas. „Vor 20 Jahren herrschte Bankenkrise in Finnland und Schweden, Dänemark und die Niederlande waren nicht im Mindesten wettbewerbsfähig, und Deutschland galt als kranker Mann Europas. Jetzt ist es eben andersherum, und wir müssen dem Süden helfen, wieder auf die Beine zu kommen.“

Die EZB verteidigte Schäuble gegen Kritik: "Die EZB hat sich in der Vergangenheit immer an ihr Mandat gehalten und ich gehe davon aus, dass sie das auch in der Zukunft machen wird", sagte der Finanzminister, der sich stets gegen den Ankauf von Staatsanleihen verschuldeter Länder durch die EZB ausgesprochen hatte. Eines sei klar: "Zur Staatsfinanzierung darf die Geldpolitik nicht dienen. Diese Grenze darf nicht überschritten werden."

Schäuble hält auch die Ankündigung des "unbegrenzten Umfangs" der Anleihenkäufe für notwendig: Die EZB könne keine Obergrenzen nennen, "ohne die Spekulanten förmlich herauszufordern".

Kommentare zu " Eurokrise: Schäuble feuert Schuldenstaaten an"

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  • Hier werden die Motive Schäubles erläutert:

    http://de.scribd.com/doc/105244602/Der-heimliche-Zweck-des-ESM

    Der Typ betreibt mit dem ESM einen Staatsstreich

  • @Novaris

    Das sind wirklich sehr wahre Gedanken. Habe ich noch nie so gehoert.

  • Marx hat gesagt, der Kapitalismus wird an seiner eigenen Gier zugrunde gehen.

    Nun, es könnte sein, dass er recht behält.

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