Eurokrise
„Unsere Unternehmen haben keine Kraft mehr“

Die Eurokrise macht Italien weiterhin zu schaffen. Deshalb fordert Ministerpräsident Letta die neue deutschen Regierung zu einem Kurswechsel auf – hin zu mehr Wachstum und Stabilität.
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Valletta/RomItalien erhofft sich von der neuen Bundesregierung einen wachstumsfreundlicheren Kurs. „Die Erholung in Europa sollte auch für Deutschland Priorität haben“, sagte Ministerpräsident Enrico Letta am Montag. Das schuldengeplagte südeuropäische Land kämpft nach wie vor gegen die Krise: Die Industrie in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone schrumpfte im dritten Quartal erneut, während die italienischen Banken so viele faule Kredite in ihren Büchern haben wie noch nie.

„Wenn es nur Wachstum und Stabilität in Deutschland gibt und der Rest von Europa außen vor gelassen wird, wird das am Ende auch schlecht für Europa sein“, sagte Letta auf einer Pressekonferenz in Valletta mit seinem maltesischen Amtskollegen Joseph Muscat. „Deutschlands innere Stabilität ist sinnvoll, solange es zu Wachstum und Stabilität in Europa beiträgt.“ Die künftige Bundesregierung müsse das berücksichtigen.

In ihren Koalitionsverhandlungen sind sich Union und SPD weitgehend einig, dass in der Schuldenkrise am Sparkurs festgehalten werden soll. Zugleich sollen die Ausgaben aber verstärkt auf Wachstum, Beschäftigung und Innovation ausgerichtet werden. Am Dienstag kommen die EU-Staats- und Regierungschefs in Paris zusammen, um über Schritte gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa zu beraten.

Italien steckt in der längsten Rezession seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird vorgeworfen, durch ihr Beharren auf einen strengen Sparkurs eine Mitschuld an der Misere zu tragen. „Unsere Unternehmen in Einzelhandel, Tourismus und Dienstleistungssektor haben keine Kraft mehr - vom Norden bis zum Süden“, beklagte Giorgio Sangalli vom Unternehmerverband Confindustria in Rom.

Während Spanien im Sommer die Rezession beendet hat, dürfte Italiens Bruttoinlandsprodukt von Juli bis September das neunte Quartal in Folge geschrumpft sein. Von Reuters befragte Ökonomen rechnen mit einem Minus von 0,1 Prozent. Die Daten werden am Donnerstag veröffentlicht. Vor allem die Industrie steckt in der Krise. Die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes stellten im September zwar 0,2 Prozent mehr her als im Vormonat. Im gesamten dritten Quartal sank sie aber um ein Prozent und damit zum zehnten Mal in Folge. Die Produktion liegt rund ein Viertel unter dem Niveau von 2008. Die EU-Kommission sprach jüngst von einer „Deindustrialisierung“.

Auch die Banken stecken weiter in der Krise. Die Problem-Darlehen italienischer Institute summierten sich im September auf den Rekordwert von 144,5 Milliarden Euro, wie aus Daten der Zentralbank hervorgeht. Das entspricht nahezu einer Verdoppelung des Wertes von 2010. Vor allem kleinen Firmen fällt es schwer, ihre Kredite zu bedienen. Da Banken versuchen, ihre Risiken unter Kontrolle zu halten, sind sie bei der Kreditvergabe vorsichtig, was die Wirtschaft wiederum belastet. Darlehen an Firmen außerhalb des Bankensektors gingen im Jahresvergleich um 4,2 Prozent zurück.

In der Rezession fällt es den Italienern zudem schwer, Geld auf die hohe Kante zu legen. Die Spareinlagen stiegen im September so langsam wie seit 13 Monaten nicht mehr. Sie wuchsen zum Vorjahresmonat lediglich um 3,7 Prozent, nachdem das Plus im August noch 6,6 Prozent betragen hatte. Für die strauchelnden Banken ist das ein Problem, denn die Spareinlagen sind eine Hauptfinanzierungsquelle der Geldhäuser.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Eurokrise: „Unsere Unternehmen haben keine Kraft mehr“"

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  • Die Geschwindigkeit, mit der man die EU-Erweiterung, die Einführung des EURO, grenzenloses (Ost-) EUROPA, mit wenig Sachverstand den meisten EU-Bürgern aufgezwungen/überrumpelt hat, waren nur für wenige Lobbyisten-Gruppen vorteilhaft !

    Die ROT/GRÜNE Lobby-Koalition hat es möglich gemacht und die nachfolgenden Koalitionen haben die Steilvorlagen dankend angenommen, oder "weiterverarbeitet" !

    NUR, wie äußerte sich Herr Junker aus Luxenburg vor einiger Zeit, die Dämonen in Europa schlafen noch.

    Die Politik hat versagt und die fremd bezahlten "Volksvertreter" waren/sind in der "Mehrheit", in D und EU !

    Diese "POLITIK" in D und EU wird uns gruselige Zeiten bereiten, der Rammbock ist in Sichtweite, leider !


  • „Die Erholung in Europa sollte auch für Deutschland Priorität haben“, sagte Ministerpräsident Enrico Letta am Montag.
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    Der Satz an sich ist eine Unverschämtheit, weil er impliziert, dass Deutschland nichts an der wirtschaftlichen Erholung Europa's gelegen ist.

    Er zeigt ausserdem wie wenig Letta Verantwortung übernimmt für die italienischen Zustände und den schwarzen Peter durchschiebt an andere mit der nötigen Schuldinduktion.

    Erinnert an das Verhalten von Draghi und seiner Niedrigzinspolitik, die zwar den Südländern hilft, um verantwortungsloses Verhalten zu irgendetwas hinzubiegen, doch Leute, die verantwortungsvoll gehandelt haben, dafür bestraft.

    Wenn so wenig Eigenverantwortung da ist, dann ist dies kein gutes Zeichen für die weitere Entwicklung im Euroraum.

  • N_K,

    die beiden jakobinerhaft sich gebärdenden "Neureligio-
    nen" werden, der Vernunft sei Dank, lansam entzaubert.

    Die grün gestrichenen Roten um Herrn Trittin sind am
    weitesten entzaubert. Diese Öko-Obrigkeitsstaatler ha-
    ben in der Steuer-Anhebungsdiskussion bei der Wahl ihre
    Volksverachtung gezeigt. Die völlige Überhöhung der "Er-
    neuerbaren Energien" ist technisch-wissenschaftlich
    durch Nichts gerechtfertigt.
    Brennende Themen wie die Verbesserung des Tierschutzes,
    von der Massentierhaltung bis zu den einer Folter gleichenden Tiertransporten quer durch Europa, kamen
    nicht vor. Bei diesem einen wichtigen Thema kann man die
    Kluft sehen, die zwischen Grüner Ideologie und Grüner
    Praxis herrscht!

    Die zweite Neu-Religion ist die mystische Überhöhung
    einer gemeinsamen Währung im EU-Raum, losgelöst von je-
    dem wirtschaftlichen und mentalen Charakter der betei-
    ligten Völker.
    "Glaubensinhalte" werden mit massivem Druck auf die Menschen losgelassen, um deren Wohlverhalten zu erzwingen, obwohl der Verstand, die historischen Erfahrungen und die Lebenserfahrung eindeutig dagegen sprechen.

    Beide Ersatzreligionen werden verschwinden, je schnel-
    ler, je besser! Die Kunst ist jetzt, trotz der weit be-
    schrittenen Irrwege, die Folgen und Einschnitte für die
    Bürger, bei uns und in der EU, klein zu halten.




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