Europa in der Krise
Märkte testen Italiens Abwehrkräfte

Nach Spanien richten die Investoren ihren Blick auf Italien. Dort hat die Regierung von Mario Monti ihren Reform-Elan verloren. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen - und jeder Punkt macht das Regieren schwerer.
  • 21

MailandSpanien ist gerettet. Wer ist als nächstes dran? In Zeiten nervöser Märkte müssen die Länder aufpassen. Vor allem das hoch verschuldete Italien ist anfällig. Das Land steckt in der Rezession und die Reformen sind zuletzt ins Stocken geraten. Wenn die Risikoaufschläge (Spreads) an den Märkten steigen, wird es teuer für Italien, sich an den Märkten zu refinanzieren. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Reformen schnell beschlossen werden.

Selbst kurzfristig Geld zu leihen, wird für Italien immer teurer. Erst heute musste Rom den Anlegern eine so hohe Renditen bieten wie seit Dezember nicht mehr. Bei einer Auktion von Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von zwölf Monaten verlangten Investoren Zinsen in Höhe von 3,972 Prozent. Bei der letzten vergleichbaren Versteigerung am 11. Mai waren es noch 2,34 Prozent gewesen. Ein Lichtblick: Das Maximalziel von 6,5 Milliarden Euro wurde erreicht, die Nachfrage war mit einer 1,73-fachen Überzeichnung mehr als ausreichend. Doch die nächste Nagelprobe steht bereits bevor: Am Donnerstag kommen Papiere mit Laufzeiten bis zu acht Jahren unter den Hammer. Das geplante Volumen ist noch nicht bekannt.

„Italiens Problem ist die hohe Staatsverschuldung“, sagt der Chefökonom der Großbank Intesa Sanpaolo Gregorio De Felice. „Italien zahlt selbst bei einem ausgeglichenen Haushalt rund fünf Prozent, um die Schulden zu bedienen. Das bremst die Wirtschaft“, sagt er. Und wenn die Spreads steigen, könnten aus den fünf Prozent schnell mehr werden. „Je höher die Spreads sind, umso mehr zahlt das Land. Deshalb sind die Reformen so dringend“, mahnt der Ökonom. Gestern erreichten die Risikoaufschläge, die Italiens Staat auf seine zehnjährigen Staatsanleihen gegenüber deutschen zahlen muss, 470 Punkte.

Mario Monti war im November die Nachfolge von Silvio Berlusconi angetreten und hat einen Blitzstart hingelegt. Er legte ein Sparpaket über 20 Milliarden Euro vor und verabschiedete eine Rentenreform, die die Gefahr der demografischen Entwicklung für den Staatshaushalt bannt. Außerdem liberalisierte Monti mit seinen Ministern im Frühjahr verschiedene Berufsstände.

Für seine Reformen wird Italiens Premier heute von der European School of Management in Berlin mit dem „Responsible Leadership Award“ ausgezeichnet. Als Laudator hat sich Finanzminister Wolfgang Schäuble angekündigt.

Monti kann den Rückenwind aus der Preisverleihung gut brauchen, denn nach dem hohem Reformtempo der ersten Monate droht seiner Regierung, die Puste auszugehen. Wichtige Reformen wie die des Arbeitsmarkts hängen im Parlament fest. Auch die Justizreform, die neuen Anti-Korruptionsgesetze und das Wachstumspaket lassen auf sich warten. Grund sind oft die Widerstände der Parteien im Parlament. Während die drei Parteien PDL, PD und UDC Monti Anfangs fast bedingungslos unterstützten, stellen sie nun Forderungen.

Seite 1:

Märkte testen Italiens Abwehrkräfte

Seite 2:

Vier Milliarden Euro kürzen

Kommentare zu " Europa in der Krise: Märkte testen Italiens Abwehrkräfte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich lebe seit 5 Jahren am Land in Umbrien am Land.
    Eindruck: Korruption, notorische Steuerhinterziehung, Betrug,wo man kann,Mafien-Unterwanderung, illegales Bauen, voelliges nicht-Funktionieren der sog. "Rechtspflege",Ausbildungsniveau erschreckend, Fremdsprachenkenntnisse mangelhaft, voellig uneffizienter, abenteuerlich kostspieliger Staat, ca. 90 Milliarden Staatsschulden an Baufirmen, erschreckendes Nord-Suedgefaelle 150 Jahre nach Vereinigung, und, und, und. Die Wirtschaft geht seit den 80-ger Jahren zurueck.
    Alles in Statistiken nachzulesen. Italien liegt in fast allem an circa 60. Stelle.
    Berlusconi-Land, eben.
    Wie all diese Verhaltens-spreads zu anderen Laendern umwandeln?






  • L´Italia felice!
    Hierzulande wären es Generäle, die sich entweder bestens in parlamentarischer Arbeit auskennen, oder aus alten DDR-Seilschaften stammten.
    Sie eint indes, keinerlei militärische Aktion traditionell jemals siegreich beendet zu haben.
    Mit wieviel Hundertschaften muß denn Ihr General in bella Napoli geschützt werden?

  • Ich schließe mich an, auch ich habe über ihn gelacht. Schande über mich und ewige Glückseligkeit seiner Seele (wenn's denn eine solche gibt).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%