Europa in der Schuldenkrise
Warum Sparen allein nicht hilft

Für Griechenland, Portugal, Spanien und auch Italien geht es nicht nur um die schnelle Reduzierung der Haushaltsdefizite. Strukturreformen sind für eine neue wirtschaftliche Dynamik bitter nötig.
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Düsseldorf/Madrid/AthenDer Reformstau in Südeuropa ist enorm. Aufgeblähte Bürokratien, fehlende Grundbücher, zunftartig abgeschottete Berufsgruppen, ein investitionsfeindliches Mietrecht – die Liste ist lang. Die Südeuropäer bräuchten eine radikale Wende – wie Großbritannien unter Maggie Thatcher. Das Problem ist nur: Selbst wenn die Regierungen Reformgesetze durch das Parlament bringen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch umgesetzt werden. In der öffentlichen Verwaltung bleiben die neuen Vorschriften oft stecken. Das zeigte sich zum Beispiel an den Privatisierungen, die Griechenland zwar beschlossen, aber bis vor kurzem noch nicht angegangen hatte.

„Die Haushaltsprobleme sind letztlich nur ein Reflex tiefergehender Probleme“,  sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.  „Diese Länder haben keine offenen, wettbewerblich organisierten Volkswirtschaften und dazu einen ineffizienten Staat.“ Wenn es kein Grundbuch gebe, Justiz und Verwaltung nicht ordentlich funktionierten und große Teile der Wirtschaft von Interessengruppen abgeschottet seien, dann entmutige das Unternehmer und schaffe den Nährboden für Korruption und Mafia.

Wo die Probleme wirklich liegen, zeigt laut Krämer der „Ease of Doing Business“-Index der Weltbank. Er gibt an, wie leicht es Unternehmer in einem Land haben. Griechenland bekleidet in der Rangliste Platz 109, Italien liegt auf Rang 80 zwischen China und Jamaica. „Griechenland hat eine Standortqualität wie ein Schwellenland“, sagt Krämer.

Die OECD erwartet, dass die Wirtschaft in Portugal im laufenden Jahr um 2,1 Prozent und in Griechenland um 2,9 Prozent schrumpft. In Spanien erwartet sie ein mageres Wachstum von 0,9 Prozent, in Italien 1,1 Prozent und in Irland Stagnation. Und je länger die Krisenländer in der Rezession bleiben, desto schwerer fällt die Sanierung der Staatshaushalte.

Kommentare zu " Europa in der Schuldenkrise : Warum Sparen allein nicht hilft"

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  • Wenn sich Fleiß lohnt und ein Staat ein gerechter Staat ist, der die Angelegenheiten seiner Bürger schützt, unterstützt, dann werden die Leute von selbst Fleiß und Initiativen entwickeln, wo der Staat selsbt die größte Verbrecherorganisation ist und mit sonstigen konkurriert, werden die Menschen sich in diesen "einrichten" und dort ihre "Kreativität" entwickeln. Ohne Preis kein Fleiß - ein Grundgesetz des Kapitalismus, ebenso der sozialen Marktwirtschaft, auf die wir einstmal stolz waren!

  • Geld für Strukturreformen bekommt Südeuropa doch schon seit Jahrzehnte! Und was hat es gebracht? Nichts! Oder sogar weniger als nichts. Durch das Geld hat man ein schlechtes System aufrecht erhalten und hatte es gar nicht nötig zu reformieren. Reformen setzen einen Leidensdruck vorraus. Dieser Leidensdruck wird durch EU-Geld gesenkt und damit erreicht man genau das Gegenteil von dem was dieses Geld bewirken soll.

    Auch diese "koste es was es wolle"-Aussagen sind nicht sinnvoll. Wenn der Professor sagt, dass die Studenten die Prüfung auf jeden Fall bestehen werden, wird wohl die Motivation zu lernen bei einigen nicht sehr hoch sein. Nein, es muß immer auch ein "nicht bestehen" geben. So ist das Leben!

  • ein Artikel voller Worthülsen, substanzlosen Stammtischparolen und Beratersprech.

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