Europa in Scherben
Droht Griechenland der „Euro-Tod“?

Die Troika hat ihren Besuch in Griechenland beendet. Fazit der Experten: Die Anstrengungen sind nicht genug. Die CSU schaltet auf Großangriff: An Athen solle ein Exempel statuiert werden, fordert Finanzminister Söder.
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Athen/Berlin/HannoverGriechenland ist nach Einschätzung seiner internationalen Geldgeber bei den Sparbemühungen vorangekommen, muss den eingeschlagenen Kurs aber konsequent fortsetzen. "Die Gespräche liefen gut, wir haben Fortschritte gemacht", sagte der Chef der IWF-Delegation, Poul Thomsen, am Sonntag nach einem Treffen im griechischen Finanzministerium zum Abschluss des Troika-Besuchs. Für ein abschließendes Urteil zur Lage des Landes wollen die Experten im September erneut nach Athen reisen.

Wie aus dem Finanzministerium in Athen verlautete, war die Stimmung bei den Gesprächen "gut". Die griechische Regierung muss nun in den kommenden Tagen Details zu den von der Troika geforderten Maßnahmen erarbeiten und den Vertretern bis Ende kommender Woche einen entsprechenden Bericht schicken. Für Montag und Dienstag ist ein Treffen von Ministerpräsident Antonis Samaras mit seinen Koalitionspartnern vorgesehen.

Griechenlands Finanzminister Stournaras zufolge sind die kommenden Wochen "entscheidend für das Überleben des Landes". Zwar hätten die Griechen schon "große Opfer" gebracht, sagte er der Zeitung "Ethnos". Wenn die zugesagten neuen Kürzungen nicht umgesetzt würden, drohten dem Land aber der Bankrott und der Austritt aus der Eurozone.

Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras plant außerdem, Ende August zu Gesprächen mit den beiden stärksten Euro-Partnern nach Berlin und Paris zu reisen. Dieser Plan wurde der dpa in Athen aus dem Umfeld des Regierungschefs bestätigt. Laut griechischen Medienberichten geht es bei der Samaras-Reise darum, einen „schnellen Euro-Tod“ Griechenlands abzuwenden. Den Verantwortlichen sei bewusst, dass es in Berlin einen „Grexit“-Plan gebe - einen Plan für den Austritt Griechenlands aus der Eurozone.

In Deutschland verschärfte der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) den Ton und forderte einen griechischen Euro-Austritt bis Ende des Jahres. "An Athen muss ein Exempel statuiert werden, dass diese Euro-Zone auch Zähne zeigen kann", sagte er der "Bild am Sonntag". Italiens Regierungschef Mario Monti warnte derweil vor einem Auseinanderdriften der Euro-Zone.

Söder rechnet für den Fall eines Verbleibs Griechenlands im Euro mit einem erheblichen wirtschaftlichen Schaden für Deutschland. Und er verwies auf die Signalwirkung für andere schuldengeplagte Euro-Länder wie Italien und Spanien: Diese müssten sehen, was passiert, wenn man seine Schulden nicht zahlt. Er fügte hinzu: „Irgendwann muss jeder bei Mama ausziehen, und die Griechen sind jetzt so weit.“

Die SPD reagierte empört auf Söders Äußerungen. „Markus Söder ist und bleibt ein gewissenloser Krawallmacher“, sagte Vize-Fraktionschef Joachim Poß. Söders neueste Äußerungen ignorierten die enormen Kosten und Gefahren für die gesamte Eurozone.

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  • @Henry.
    Es wird absichtlich Angst vor den angeblichen schlimmen Folgen für UNS ALLE gemacht. In Wahrheit ist es so, dass GR sehr wohl bei einer Umstellung auf die Drachme auch seine Schulden in Drachme umstellen kann, sofern diese Schulden nach griechischem Recht begeben sind. Und DAVOR haben die Banken und Versicherungen Angst, denn es würde bedeuten, dass sie einen großen Teil Ihrer Forderungen abschreiben müssen - ein zweiter Schuldenschnitt also. Da ist es doch viel praktischer, man läßt die europäischen Steuerzahler einfach weiter für GR bezahlen (also eigentlich für GR's Gläubiger). Also bemüht man die Freunde aus der Politik um Beistand und - voilá - schon ist sie da. Nun auch schon von Herrn Gysi. Entweder ist er übergelaufen oder er ist nicht gut genug informiert. Beides ist schlecht für ihn.

  • @sympliest: immer dieses Schwarz/Weiss. Ich kann es nicht mehr hören.
    Schon mal wahrgenommen, dass Le Pen beinahe 20 % der Stimmen holte. Dass in Gr jetzt Faschisten in der Regierung sitzen. In NL ein Wilders populär ist. In Flandern eine NVA sprunghaft zunimmt usw. usw.

    Es gibt eine allgemeine Radikalisierung und das nicht nur in D.
    Es ist Ausdruck der Völker, dass man an ihnen vorbeiregiert und man deshalb sein Heil bei starken Personen sucht, da man demokratisch, also durch Dialog sehr wenig erreicht.

  • @kit_fisto
    Irland scheint der amerikanischen Großfinanz als "Einfallstor" nach Europa zu wichtig, um es fallen zu lassen. Portugal ist das einzige Land Südeuropas das Reformen bisher konsequent umgesetzt hat. Das Preisgefüge in Portugal ist mit dem EU-Durchschnitt vergleichbar, die Einkommen bewegen sich hingegen auf sehr tiefem Niveau. Der Verwaltungsapparat wurde kräftig abgespeckt, die Immobilienpreise haben sich gesund zurückentwickelt. Ja, Portugal schafft es.

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