„Europa muss sich entscheiden“
Putin droht Europa mit Scheitern der Ostsee-Pipeline

Wladimir Putin hat mit einem Abbruch des Ostsee-Pipelineprojekts Nord Stream gedroht, sollte Europa die Entscheidung für die Gasleitung weiter aufschieben. Einen Alternativplan hat Russland auch schon - doch der wäre dann teurer für Europa.

HB MOSKAU. Als Alternative würde Russland Anlagen zur Gasverflüssigung bauen und das Erdgas per Tanker auf den Weltmarkt bringen, sagte der russische Ministerpräsident am Mittwoch bei einem Treffen mit dem finnischen Ministerpräsidenten Matti Vanhanen in Moskau. "Europa muss sich entscheiden, ob es die Leitung braucht oder nicht." Sollte Russland das Gas verflüssigt per Tanker transportieren, wäre dies für Europa aber teurer, betonte Putin. Indes kündigte Norwegen an, seine Gaslieferungen an Europa auszuweiten. Europa könne bei der Energieversorgung auf Norwegen zählen, sagte Regierungschef Jens Stoltenberg nach einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso in Brüssel.

Die unter der Ostsee geplante Durchleitung von russischem Gas nach Deutschland ist für die Europäische Union ein Kernprojekt, um die Energieversorgung Europas sicherer zu gestalten. Allerdings haben Abgeordnete des EU-Parlaments eine neue Untersuchung über die Folgen für die Umwelt gefordert. Zudem sind die Anrainer-Staaten Polen, Litauen und Estland verärgert, weil sie befürchten mit dem Projekt von der Gasversorgung aus Russland abgeschnitten zu werden.

Die 1220 Kilometer lange Leitung soll ab 2011 vom russischen Wyborg Gas nach Greifswald transportieren und kostet schätzungsweise 7,4 Mrd. Euro. Das Nord-Stream-Konsortium wird vom russischen Versorger Gazprom geführt. Ihm gehören auch Eon, BASF und die niederländische Gasunie an. Aufsichtsratschef ist Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

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