Europa-Rede
Ackermann empfiehlt weiteren Schuldenschnitt für Griechenland

Der Ex-Chef der Deutschen Bank positioniert sich als Fan von Angela Merkels Politik in der europäischen Krise. Es sei richtig auf den Zusammenhang von Hilfen und Eigenverantwortung hinzuweisen, so Ackermann.
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Der Ex-Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seinem Ausscheiden hinter das europäische Krisenmanagement der Bundesregierung gestellt und eine klare Vision für Europa eingefordert. Griechenland benötige indes vermutlich einen weiteren Schuldenschnitt.

„Die EU braucht eine neue Vision. Die alte als Friedensgemeinschaft ist für junge Generation nicht mehr überzeugend“, sagte Ackermann in Zürich auf einem Symposium der Deutsch-Schweizer Handelskammer. Es war sein erster öffentlicher Auftritt nach seinem Ausscheiden bei der Deutschen Bank und Einstieg als Präsident der Zurich Insurance Group.

Ackermann lieferte auch gleich Vorschläge für diese Vision: „Nur wenn wir vereint handeln, können wir auf Augenhöhe mit USA und China bleiben. Sonst bestimmen andere für uns, das kann nicht die Zukunft sein.“ Dazu sei die Währungsunion unbedingt zu erhalten. Deren Rettungskosten stünden in keinem Verhältnis zu dem Kosten ihrer Auflösung. Von einem Auseinanderfallen wäre vor allem Deutschland stark betroffen.

Deutschland habe im Zuge der Wiedervereinigung netto 1,5 Billionen Euro für Hilfen an die neuen Bundesländer gezahlt. „Wenn jetzt Hilfen über 100 Milliarden für Spanien für ganz Europa nicht der Bevölkerung vermittelt werden können, dann haben wir ein Führungsproblem“, so Ackermann.

Die EU müsse handlungsfähiger werden, auch durch eine weitere Übertragung nationaler Kompetenzen. „Die Debatte darüber muss jetzt geführt werden“, sagte Ackermann auf einer anschließenden Podiumsdiskussion mit Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart. So plädierte Ackermann für eine Fiskal- und Bankenunion.

Er stellte sich klar hinter das Krisenmanagement der Regierung von Angela Merkel. Deutschland werde seiner Verantwortung für Europa sehr wohl gerecht. Deutschland sei große finanzielle Risiken eingegangen und weise richtigerweise immer auf den Zusammenhang zwischen Hilfe und Verantwortung hin. „Ich will für Deutschland daher hier eine Lanze brechen“, erklärte Ackermann.

Kritisch bewertete der Ex-Deutsche-Bank-Chef die Lage in Griechenland: „Das Land dürfte wohl einen neuen Schuldenschnitt brauchen, um auf die Zielmarke von 60 Prozent der Schulden zum Bruttoinlandsprodukt“ zu kommen. Der neue Zurich-Präsident kennt sich hierbei aus; hatte er doch als Prädident des Weltbankenverbandes IIF massgeblich die Verhandlungen des ersten Schuldenschnittes im Frühjahr mitgeführt.

Ackermann zeigte sich auch selbstkritisch mit der eigenen Branche. „Ich bin vom zum Saulus zum Paulus geworden. Wir müssen weg von einer Kultur des Geldes und hin zu einer Kultur des Dienens für die Realwirtschaft.“

Kommentare zu " Europa-Rede: Ackermann empfiehlt weiteren Schuldenschnitt für Griechenland"

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  • Wenn mir das einer vor 15 Jahren erzählt hätte, dann hätte ich mich köstlich amüsiert.

    Ich tue es ungern, aber ich gebe Ihnen recht.

    Noch viel schlimmer: Die Finanzverbrecher und ihre Politmarionetten beweisen den Kommunisten, das Karl Marx recht hatte.
    Das tut weh!

  • Ob eine weiterer Schuldenschnitt für Griechenland erforderlich ist oder nicht kann ich nicht beurteilen. Jedoch stelle ich fest dass die neue Regierung in Griechenland nun ernst macht mit Reformen.Griechenland braucht nicht nur eine tragbare Schuldenlast, aber auch einen vielschichtigen "europaeischen Marshallplan". Betreffend Schuldenschnitt muß man unverstaendlicherweise feststellen, daß nur die kleinen Sparer, welche Griechenlandanleihen hielten, oft schon lange Jahre, die grössten Leidtragenden des Schuldenschnittes sind: keine Beruecksichtigung des Schutzes der Privatanleger, kein immunisisierter Betrag (wie in Argentinien, wo dies 40.000 € waren), keine steuerliche Absetzbarkeit (im Gegenzug zu den Banken), kein Zugang zu billigem neuen Geld (im Gegenzug zu den Banken). Falls ein neuer Schuldenschnitt helfen kann, dann sollte die Troika auf jeden Fall die kleinen Anleger (insgesamt 2,3%) schuetzen und den erlittenen Verlust bis zu einem annehmbaren Betrag (z.B. max. 100.000 €) vom Schuldenschnitt ausnehmen. Mindestens sollte den individuellen Anleiheneigner ein "equal treatment"mit den Banken und anderen institutionellen Eigner gewaehrt werden.

  • Hanoi. Das kann man lesen und als "Beutedeutscher" nur bestätigen. A long time ago, da waren Worte, wie Saarfranzosen, der tägliche Wortschatz neidvoller Universitätsmitglieder mit gekauftem Skript für die Arbeit von anderen sich schmücken zu dürfen. Heute kann derjenige, so er noch dort hingefahren werden würde, die blühenden Landschaften besichtigen.

    Eine Bahnfahrt im Westen zeigt das ganze Desaster, wo diese Republik hingeführt wurde. Mehr nicht, aber auch keineswegs weniger.

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