EuropaBio fordert mehr EU-Förderung für Forschung und Entwicklung
Biotechnologie für umweltschonende und preiswertere Produktion

Biotechnologie - dieser Begriff wird heute mit nichtchemischer Arzneimittelherstellung oder genetisch modifizierten Pflanzen in der Landwirtschaft assoziiert. Im ersten Fall ist Biotech anerkannt, die Branche bevölkert die Börsen. Im zweiten Fall ist sie umstritten: in den USA vielfach genutzt, in Europa abgelehnt. Eher unbekannt ist die dritte, die „weiße“ Biotechnologie. Dies ist die industrielle Nutzung von Mikroorganismen, um Produktionsprozesse nachhaltiger und umweltfreundlicher zu machen.

BRÜSSEL. Weiße Biotechnologie hält eher stillschweigend Einzug. Experten sehen in ihr aber einen bedeutenden Wachstumsmarkt. Die europäische Branchenorganisation EuropaBio erwartet, das sie in zehn Jahren bei etwa 10% der gesamten Produktion verwendet wird und einen Mehrwert von 11-22 Mrd. Euro schafft.

Ein Beispiel: Wer erinnert sich nicht an die großen Waschmitteltonnen, aus denen man mehrere Becher in die Waschmaschine geben musste? Heute tun es kleine Kartons und zwei Tabletten. Das machen unter anderem Enzyme möglich. Sie beseitigen Fett-, Obst-, Blut- und sonstigen Schmutz rascher und ohne viel Chemie. Weniger Rohstoffe, weniger Schadstoffe, weniger Verpackung, weniger Kosten – und ein viel schonenderer Umgang mit Ressourcen und Wasser bei der Herstellung als auch bei der Anwendung. Das ist das Prinzip „weißer“ Biotechnologie.

Sie umfasst sowohl die Nutzung erneuerbarer Ressourcen (Biomasse) als auch den Gebrauch von Mikroor-ganismen wie Enzymen, Bakterien und Hefepilzen als Biokatalysatoren. „In vielen Fällen gehen ökonomische und ökologische Vorteile Hand in Hand“, berichtet Feike Sijbesma, Vorstandschef von EuropaBio.

Anders als bei der Gentechnik, bei der Pollenflug alte Getreidesorten „infiltrieren“ kann, besteht bei weißer Biotech kein solches Risiko. Prozesse und Gebrauch genetisch modifizierter Mikroorganismen finden in geschlossenen Behältern statt. Bei der Entnahme werden die Organismen kontrolliert getötet. Das sei nicht schwierig und werde durch die üblichen Inspektionen der Aufsichtsbehörden regelmäßig überprüft, heißt es in der Branche.

Bereits 2001 kam die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD an Hand von 21 Fallstudien zu dem Ergebnis, weiße Biotechnologie senke entweder die Kosten oder die Emissionen oder beides. „Sie führt zu einem nachhaltigeren Prozess, einem kleineren ökologischen Fußabdruck im weitesten Sinne, indem sie die Nutzung von Energie, Wasser und Abwasser sowie die Treibhausgasproduktion ganz oder teilweise senkt“. Die OECD forderte daher konkrete Vorschläge der Branche, um die Entwicklung zu beschleunigen. Die EU-Kommission schloss sich an.



Seite 1:

Biotechnologie für umweltschonende und preiswertere Produktion

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%