Europäische Flüchtlingspolitik Lampedusa-Unglück löst Flüchtlingsdebatte aus

Das Schiffunglück vor Lampedusa erschüttert Europa – und löst eine Debatte über die Flüchtlingspolitik aus. Während Italien mehr Unterstützung von der EU fordert, drängen andere Länder auf tiefgreifende Reformen.
10 Kommentare
Soldaten bergen ein Opfer des Schiffunglücks vor Lampedusa. Die Katastrophe hat in Europa eine Flüchtlingsdebatte ausgelöst. Quelle: Reuters

Soldaten bergen ein Opfer des Schiffunglücks vor Lampedusa. Die Katastrophe hat in Europa eine Flüchtlingsdebatte ausgelöst.

(Foto: Reuters)

RomWenige Tage nach dem verheerenden Flüchtlingsdrama von Lampedusa mit Hunderten Toten mehren sich in Europa die Stimmen für eine grundlegende Reform der Flüchtlingspolitik. Am Unglücksort wurden weitere Leichen geborgen und neue Flüchtlingsboote mit Hunderten Menschen an Bord erreichten die italienischen Küsten.

„Wir brauchen einen europäischen Flüchtlingsgipfel – das Drehen an einzelnen Schrauben allein hilft jetzt nicht weiter“, sagte die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner der „Welt am Sonntag“. Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault forderte die EU-Staaten zur Diskussion über die Kontrolle der Seegrenzen auf. Italien verlangte erneut mehr Unterstützung aus Europa und erwägt Gesetzesänderungen.

Vor der italienischen Insel Lampedusa wurden am Sonntag 32 weitere Leichen geborgen, nachdem die Taucher ihre Arbeit wieder aufnehmen konnten. Die Zahl der geborgenen Opfer stieg damit auf 143. Es wurde mit Hunderten weiteren Todesopfern gerechnet.

Gegen die 155 Überlebenden soll wegen illegaler Einwanderung ermittelt werden. Ihnen drohen Geldstrafen bis 5000 Euro.

Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano verlangte neue Gesetze zum Umgang mit Flüchtlingen und Asylbewerbern. Ähnlich äußerte sich die aus dem Kongo stammende Integrationsministerin Cecile Kyenge, die am Sonntag Lampedusa besuchte. „Das, was passiert ist, darf nicht noch einmal geschehen“, sagte sie. Auch Senatspräsident Pietro Grasso forderte eine Überprüfung der Gesetze „im Lichte dieser Tragödie“. Der Innenminister Angelino Alfano von Silvio Berlusconis Partei PdL schloss eine Änderung des Einwanderungsgesetzes jedoch aus. „Leider ist die Frage sehr viel komplizierter“, sagte er.

Forderungen nach einem Kurswechsel werden auch auf europäischer Ebene laut. „Eine neue europäische Flüchtlingspolitik gehört mittelfristig auf die Agenda“, sagte CDU-Vize Thomas Strobl. Man dürfe die Italiener nicht mit dem Problem alleine lassen. Der italienische Regierungschef Enrico Letta sagte: „Italien muss es schaffen, in Europa Gehör und Verbündete zu finden.“

„Nicht nur Geldbeutel offenhalten, sondern auch unsere Grenzen“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Europäische Flüchtlingspolitik - Lampedusa-Unglück löst Flüchtlingsdebatte aus

10 Kommentare zu "Europäische Flüchtlingspolitik: Lampedusa-Unglück löst Flüchtlingsdebatte aus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • 100% richtig!!!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Wer in unserer Regierung, wer aus der EU-Kommission,
    wer in der UN hat sich in den letzten 20 Jahren um die
    Zustände in Nord-, West- und Ostafrika gekümmert???
    Warum gibt es keine vernünftige Entwicklungs- und Be-
    völkerungspolitik in diesen Ländern? Wofür werden diese
    "Fachleute" bezahlt?

    [...]

    Übrigens gibt es heute einen Artikel im Focus über den
    SPD-Bezirksbürgermeister v. Berlin, Herrn Buschkowsky.

    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "Innenminister Friedrich plädierte für eine Verbesserung der Lage der Migranten in den Herkunftsländern. „Die Menschen brauchen stabile politische Verhältnisse und wirtschaftliche Perspektiven in ihrer Heimat.“ Dabei mussse Europa helfen, sagte er der „Welt am Sonntag“. "

    Die meisten Flüchtlinge kamen aus Eritrea, wenn ich das richtig wahr genommen habe.
    Eritrea ist eine Diktatur, Christen werden verfolgt, verschwinden und ist auf der Liste, Reporter ohne Grenzen, bei der Pressefreiheit auf dem letzten Platz.
    Es war ehemals italienisch besetzt, dann kamen die Briten und dann war die UN dort, bis sich nach den Wahlen mal wieder (mal) eine Diktatur etablieren konnte.

    Diese Flüchtlinge scheinen mir daher nicht nur Wirtschaftsflüchtlinge zu sein.
    Terrorbekämpfung gut und schön, liebe UN, aber hier ist Handlungsbedarf, und nicht nur von der EU. Diese könnte sich aus ihrem bequemen Sessel allerdings ebenfalls erheben und nicht so tun als würde Frontex das Allheilmittel sein.
    Terror kann immer sehr gut auf dem Boden von Armut entstehen. Halt du sie arm ...
    Das einzige was wirklich hilft, ist Wohlstand zu exportieren, statt Elend zu importieren.
    Das hat haben Terrornetzwerke schon lange erkannt, deshalb "helfen" diese ja auch gerne in Paktistan.

  • „Wir Europäer müssen nicht nur die Herzen und die Geldbeutel offenhalten, sondern auch unsere Grenzen“
    ----------------------------------------------------
    [...]

    Und nebenbei: Warum stürmen sie alle nach Europa (Deutschland), wenn doch die Arabischen Emirate viel näher liegen, viel reicher sind - und das Wetter ist dort auch viel besser?! [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Wenn wir den Moloch "EU" abschütteln würden,dann könnten wir vielen Wirtschaftsflüchtlingen helfen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%