Europäische Union
Keine Mehrheit für Abbruch der Türkei-Verhandlungen

Nach dem Verfassungsreferendum sind die Rufe nach einem Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei noch einmal lauter geworden. Doch auf hoher politischer Ebene bleibt man skeptisch.
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VallettaIn der Europäischen Union zeichnet sich weiter keine Mehrheit für einen Abbruch der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei ab. Bei einem Treffen der EU-Außenminister auf Malta sprach sich am Freitag lediglich der Österreicher Sebastian Kurz klar für ein sofortiges Ende der 2005 begonnenen Gespräche aus. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel und Vertreter anderer Staaten vertraten hingegen die Ansicht, dass ein solcher Schritt in der derzeitigen Situation mehr schaden als nützen würde.

„Die deutsche Bundesregierung ist strikt dagegen, dass wir die Gespräche abbrechen“, sagte Gabriel. Man habe kein Interesse daran, die Türkei „in Richtung Russland zu drängen“.

Gabriel schlug stattdessen vor, die Kritiker des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan stärker zu unterstützen. „Warum machen wir nicht Visafreiheit für Intellektuelle, für Künstler, für Leute, die im Journalismus arbeiten“, sagte der SPD-Politiker. Solche Reiseerleichterungen würden für den Teil der Türkei gelten, „der gegen das Referendum gestimmt hat, der sich demokratisch entwickeln will“.

Für den Erdogan dürften Visaerleichterungen für ausgewählte Bevölkerungsgruppen eine Provokation darstellen. Er fordert seit langem, dass alle Türken ohne Visum in EU-Staaten reisen dürfen.

Die EU-Außenminister diskutierten am Freitag zum ersten Mal gemeinsam darüber, ob die Europäische Union aus dem Verfassungsreferendum in der Türkei Konsequenzen ziehen sollte. Die von Ankara geplanten Änderungen könnten nach Einschätzung von Experten die Gewaltenteilung und die Unabhängigkeit der Justiz einschränken.

„Das Referendum (...) war wieder ein Signal in Richtung Europäische Union, dass die Türkei sich weiter entfernt von Europa und unseren Grundwerten“, kommentierte der österreichische Außenminister Kurz. Bereits zuvor habe die Türkei die rote Linie überschritten, indem sie zum Beispiel Journalisten inhaftiert habe. Alternative zu den Beitrittsverhandlungen sei ein Nachbarschaftsabkommen. In diesem könne man regeln, wie und in welchen Bereichen man zusammenarbeite.

Gabriel kritisierte Kurz' Forderungen nach einem sofortigen Abbruch der Beitrittsverhandlungen. „Diejenigen, die zu Hause gerne Beifall bekommen möchten dafür, dass sie nun sagen, wir reden nicht mehr mit der Türkei, die werden am Ende nichts in der Türkei ändern, werden den Menschen dort nicht helfen“, sagte er.

Wie Kurz sprach sich Gabriel allerdings dafür aus, auch neue Gesprächsformate zu suchen. Sie könnten nach Angaben aus Diplomatenkreisen zum Beispiel notwendig sein, weil die eigentlichen EU-Beitrittsgespräche seit Monaten de facto auf Eis liegen und für den Fall vorsorgen, dass die Beitrittsverhandlungen doch abgebrochen werden müssen. Dies würde der Fall sein, wenn die Türkei wieder die Todesstrafe einführt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Europäische Union: Keine Mehrheit für Abbruch der Türkei-Verhandlungen"

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  • Recht hat er, unser verehrter Bundesaußenminister Gabriel. Freundschaftliche Beziehungen zu Erdogan helfen den Menschen und verhindern, dass die Türkei in Richtung Rußland drängt.

    Aber diese zweifellos richtigen Argumente gelten doch sicher nicht nur für die Türkei. Diktatorische Machthaber mit Blut an den Händen gibt es beispielsweise auch in Syrien (Assad) und Nordkorea (Kim). Ich meine, wir sollten sie ebenfalls unterstützen. Kann aber nur Anfang sein. Dutzende blutrünstiger Diktatoren gibt es auch in Afrika.

  • „Diejenigen, die zu Hause gerne Beifall bekommen möchten dafür, dass sie nun sagen, wir reden nicht mehr mit der Türkei, die werden am Ende nichts in der Türkei ändern, werden den Menschen dort nicht helfen“, sagte er.

    Diejenigen, die trotz allem immer noch vor einem Diktator wie Erdogan kuschen/ ihn wegen des Flüchtlingsdeals unterstützen, arbeiten aktiv gegen die Menschen dieses Landes.

    Wie tief müssen unsere Politdarsteller Erdogan denn noch in den Hintern kriechen?

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