Europäische Union
„Piraten gehen eher spontan vor“

Die Europäische Union kämpft gegen Piraten am Horn von Afrika. Jetzt zieht sie eine erste Bilanz - und die fällt gemischt aus. Derweil diskutieren Experten, ob die Überfälle zentral gesteuert sind. Über die Unsicherheiten einer europäischen Mission.

LONDON. Die erste europäische Marinemission gegen Piraten zieht nach einem halben Jahr eine gemischte Bilanz. Der britische Kommandeur Philip Jones räumte ein, zum Schutz des riesigen Seegebiets vor der somalischen Küste seien "hunderte Kriegsschiffe" nötig und nicht nur die sechs bis sieben EU-Fregatten, die seit Dezember am Horn von Afrika als Mission "Atalanta" patrouillieren. Die erfolgreichen Angriffe der Piraten seien zwar zurückgegangen; dies liege aber auch an der Monsun-Saison. In den vergangenen sechs Monaten zählte "Atalanta" 102 Angriffe. In 31 Fällen gelang es den Seeräubern, Schiffe zu kapern. 52 Piraten wurden festgenommen.

Die Nato erwägt im Kampf gegen Piraten erwägt die Nato eine Verlängerung ihrer Mission im Golf von Aden und im Indischen Ozean. Die Botschafter der 28 Mitgliedstaaten seien dabei, letzte Formulierungen für die Einsatzbedingungen zu finden, sagte Nato-Sprecher James Appathurai in Brüssel. Schifffahrtsexperten wiesen Berichte zurück, nach denen viele Piratenüberfälle zentral von London aus gesteuert würden.

Der Golf von Aden am Horn von Afrika ist mit jährlich 20 000 Schiffen eine der wichtigsten Handelsrouten weltweit. Seit Mitte 2008 ist die Zahl der Überfälle auf der Passage, die Europa mit Asien verbindet, rasant angestiegen. Derzeit kreuzen fünf Fregatten aus den USA, den Niederlanden, Kanada, Portugal und Spanien vor Somalia. Dieser Nato-Einsatz endet Ende Juni. Nun gehe es darum, eine längerfristige Mission auf die Beine zu stellen, sagte der Nato-Sprecher.

Zurzeit haben Piraten mindestens 19 Schiffe in ihrer Gewalt, darunter auch drei deutsche. Oft fließt Lösegeld, bevor die Schiffe samt Besatzung freikommen. Insgesamt wurden Schätzungen zufolge bisher rund 100 Mio. Dollar gezahlt. Bei militärischen Befreiungsaktionen gab es auch Tote.

Der spanische Radiosender "Cadena Ser" hatte unter Berufung auf einen "europäischen militärischen Geheimdienstbericht" gemeldet, dass mindestens eine der Piratengruppen von einem "gut platzierten" Team in London geleitet werde. Der Bericht, den das Londoner Außenministerium zurückwies, scheint sich auf Informationen der türkischen Reederei Yardimci zu berufen, nach denen Piraten während der Entführung des Chemietankers Karagöl ständigen Kontakt mit London hatten. Sie seien im Besitz genauer Informationen über Herkunft, Ziel, Fracht und sogar die Besatzung des Schiffes gewesen.

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