Europäische Union
Wähler würden Brüssel ändern

Die Europäische Union steckt in der Krise: Das Vertrauen in die politischen Institutionen hat, nicht zuletzt aufgrund der Wirtschaftskrise, auffällig abgenommen, für die in sechs Wochen stattfindende Europawahl bedeutet dies eine absehbare niedrige Wahlbeteiligung. Wie sich die Bürger die EU wünschen - Einblicke in eine Vision.

BONN. Es mag Zufall sein - allerdings voller Symbolik. Als sich 350 Frauen und Männer aus ganz Deutschland an diesem Sonntag im Plenarsaal des alten Bundestags in Bonn treffen, um ein Bürgerprogramm für Europa zu verabschieden, kämpfen Tausende anderer Menschen ein paar Straßenecken weiter gegen den inneren Schweinehund, der sie zur Aufgabe zwingen will - ein Marathonlauf findet dort statt. Auch zur europäischen Einigung war es ein langer und mühsamer Weg - und ist es bis heute. "Die Vereinigten Staaten von Europa werde ich wohl nicht mehr erleben", sagt Friedrich-Wilhelm Müller, Manager aus Düsseldorf. "Vielleicht mein Sohn?"

Tatsächlich stecken nicht nur Wirtschaft und Finanzmärkte in der Krise. Auch die Europäische Union hat schon bessere Zeiten gesehen. In sechs Wochen sind Wahlen. Deutschland als bevölkerungsreichstes Mitgliedsland stellt 99 der 736 Abgeordneten, der Stimmzettel ist fast einen Meter lang.

Doch gerade mal ein Drittel der Bürger will sich an der Europawahl beteiligen - ein Negativrekord. "Kommissionsdiktatur, Demokratiedefizit, Selbstbedienungsladen - fragen Sie die Menschen auf der Straße, was ihnen zu Europa einfällt, kommen solche Begriffe", bemerkt Harald Zobel in der Plenardebatte der Bürger. "Ohne Transparenz haben wir keine Chance, beim Bürger anzukommen, dann lehnt er Europa einfach ab."

Tatsächlich ist die Realität ernüchternd. Das zeigt auch die jüngste Eurobarometer-Umfrage. Das Vertrauen in die politischen Institutionen hat - auch wegen der Wirtschaftskrise - auffällig abgenommen, beim EU-Parlament von 51 auf 45 Prozent. Noch weniger Befragte vertrauen der Kommission (42 Prozent) und der Europäischen Zentralbank (39 Prozent).

Diesem Misstrauen versucht das von der Bertelsmann Stiftung und der Heinz Nixdorf vorangetriebene Bürgerforum Europa entgegenzuwirken. Ein Vierteljahr lang haben sich 350 Menschen vor allem online ausgetauscht, haben die EU-Politik unter die Lupe genommen und ihre Vision von Europa entworfen.

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