Europäische Weltraummacht
EU will Netz von Beobachtungssatelliten knüpfen

Die EU mausert sich zur Weltraummacht und will damit den USA und Russland Paroli bieten. Gemeinsam mit der Europäischen Weltraumbehörde ESA will die EU ein globales Netz von Beobachtungssatelliten zur zivilen und militärischen Nutzung aufbauen. Das sieht ein Vorschlag vor, den EU-Industriekommissar Günter Verheugen jetzt vorlegte.

ebo BRÜSSEL. „Ich bin überzeugt, dass Europa im Weltraum präsent bleiben muss und dass wir unsere Anstrengungen deutlich verstärken müssen, wenn wir in diesem wichtigen Feld nicht irrelevant werden wollen“, sagte EU-Industriekommissar Günter Verheugen. Ziel sei es, im Wettbewerb mit aufstrebenden Mächten wie China zu bestehen und von Know-How und Daten aus den USA unabhängiger zu werden.

Überschattet werden die Pläne jedoch durch anhaltende Probleme beim Satellitennavigationssystem Galileo. Wie das Handelsblatt aus Brüsseler EU-Kreisen erfuhr, hat die Europäische Kommission einen Mahnbrief an das Konsortium geschickt, das das System aufbauen soll. Die privaten Betreiber – darunter der Luftfahrtkonzern EADS und die Telekom-Tochter T-Systems – müssten ihre Bemühungen um den Aufbau einer funktionsfähigen Betreibergesellschaft entschiedener als bisher vorantreiben, hieß es. Andernfalls werde die EU-Kommission am 10. Mai Alternativen vorlegen.

Die Kommission kommt damit einem Auftrag des Verkehrsministerrat nach, der ein Ultimatum an die Betreiber gerichtet hatte. Eine neue Ausschreibung für das geplante Galileo-Gemeinschaftsunternehmen sei eine mögliche Option, sagte EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot beim Ratstreffen im März. Denkbar sei auch, Drittstaaten zu beteiligen.

Mit dem Galileo-System will die EU dem amerikanischen Satellitennavigationssystem GPS Konkurrenz machen. Nach dem bisherigen Zeitplan soll Galileo spätestens 2010 in Betrieb gehen. 32 Satelliten soll das System umfassen, derzeit kreist ein Test-Satellit um die Erde. Angesichts von Streitigkeiten im Betreiberkonsortium gilt der Starttermin 2010 heute jedoch als illusorisch. Demgegenüber steht im Mittelpunkt des neuen Weltraum-Programms das Satellitengestützte Erdbeobachtungsprogramm „Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung“ (GMES), dessen Aufbau bis 2014 2,4 Mrd. Euro kosten soll.

Die Industrie kritisierte den Vorschlag. Das Ziel sei zwar richtig, man habe sich aber „mehr Engagement“ gewünscht, hieß es beim Branchenverband ASD-Eurospace. Für die Umsetzung der Ambitionen sei nicht genug Geld vorhanden.

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