Europäische Wirtschaftsregierung
"Willkommen im Vierten Reich"

Die geplante EU-Wirtschaftsregierung schürt antideutsche Ressentiments. Mancher Kommentator schießt übers Ziel hinaus: Was Hitler nicht schaffte, gelinge Merkel mit der Euro-Rettung - die Herrschaft über den Kontinent.
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DüsseldorfDer zweite Weltkrieg ist inzwischen 66 Jahre her, doch Europas Angst vor den Deutschen ist älter. Schon die Wiedervereinigung Deutschlands sahen vor allem die Briten skeptisch: "Zweimal haben wir die Deutschen geschlagen, jetzt sind sie wieder da", fürchtete Margaret Thatcher nach dem Mauerfall - zu groß war die Unsicherheit darüber, wie sich ein vereinigtes Deutschland seinen Nachbarn gegenüber verhalten würde.

An Wendepunkten der europäischen Geschichte flammt die Furcht Europas vor dem scheinbar übermächtigen Volk in seiner Mitte immer wieder auf. So ist es auch in der Euro-Krise: Sie beflügelt die Phantasie rechter Kommentatoren in Europa.

Während die renommierteren Blätter in Italien sachlich die Zwänge und Debatten zur Eurokrise ausbreiten, fiel der Mailänder Rechtsausleger „Libero“ bereits mit einer als Adolf Hitler in SS-Uniform gezeichneten Angela Merkel aus dem Rahmen: „Deutschland setzt die Euro-Zone unter Druck, um sie beherrschen zu können“, hieß es in der rechtskonservativen Tageszeitung. Über der Karikatur stand zu lesen: "Heil Merkel".

Deutschland ist der Zahlmeister der Euro-Krise und nutzt seine finanzielle Macht, um gegen den Willen der Bevölkerungen in den Schuldenstaaten Reformen in seinem Sinne zu erzwingen, lautet die Angst, die in solchen extremen Parolen mitschwingt. Mit der Ankündigung einer europäischen Wirtschaftsregierung durch Merkel und Sarkozy bekommt die Furcht neue Nahrung.

Die zweitgrößte englische Boulevardzeitung "Daily Mail" gießt neues Öl ins Feuer: "Obwohl sie es noch nicht zugibt, ist damit der erste Schritt in Richtung einer Fiskalunion gemacht, mit der Deutschland dem Rest Europas die finanziellen Bedingungen diktiert", kommentiert das Blatt die Unterstützung von Kanzlerin Merkel für eine Wirtschaftsregierung.

Wenn der Euro und mit ihm das europäische Projekt überleben solle, müssten die anderen 16 Länder der Währungsunion mehr wie die Deutschen werden. Das würde eine Fiskalunion bedeuten, in der Deutschland als größte Wirtschaftsmacht der EU und Europas Zahlmeister die Regeln bestimmt: Eine Wirtschaftspolitik, ein Steuer- und Sozialsystem, einen Finanzminister, nach deutschem Gusto - ein Souveränitätsverlust, wie ihn Europas Länder seit der Nazizeit nicht mehr erlebt hätten, meint die Daily Mail. "Hitler scheiterte daran Europa mit militärischen Mitteln zu erobern, die modernen Deutschen schaffen es mit Handel und finanzieller Disziplin. Willkommen im Vierten Reich".

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"Europa muss deutscher werden"

Kommentare zu " Europäische Wirtschaftsregierung: "Willkommen im Vierten Reich""

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  • "Da, wo Hitler militärisch scheiterte, Europa zu erobern, erzielen moderne Deutsche Erfolge durch Disziplin in Handel und Finanzen. Willkommen im Vierten Reich." übersetzt aus MailOnline vom 17. August 2011.

    Wir brauchen keine staatlichen Monopolwährungen. All die Probleme sind hausgemacht. Die Wirtschaftstheorien sind die Lügen, die die Ausbeutung der Völker durch Zinseszins verschleiern.
    Der Zins ist ein Preis. Der Zinseszins kann nicht erwirtschaftet werden. Er führt zur Enteignung der Ausgebeuteten.
    Existieren konkurrierende Währungen innerhalb von Staaten, dann regelt der Markt die Geldflüsse. Wir brauchen keine sozialistische Planwirtschaft auf Kosten der Steuerzahler.

    Die oben zitierte britische Propaganda ist hochgradig irreführend. War es doch Hitler, der sich durch das Wechselgesetz den Lasten der Reparationszahlungen entzog, um die deutsche Wirtschaft in Schwung zu bringen. Das ist gelungen, bevor es überhaupt eine Rüstungswirtschaft in Deutschland gab. Aber es wird hemmungslos weitergelogen.

    Warten wir ab, mit welchen Tricks es Angela Merkel gelingt, sich der gegenwärtigen Transferunion und den gigantischen Summen als Nettozahler der EU zu entziehen. Das Eis wird immer dünner. Der Sommer ist heiß.

  • Lewis go home!!!
    Wen interessiert dieser Amerikaner? Was kümmert ihn, wie in Europa der zugegebene Einigungsprozess in Wirtschaftsfragen vonstatten geht? Herr Lewis: lesen Sie Ihrer Regierung die Leviten; in Europa sind Statements wie die Ihren falsch, nicht erwünscht und schlichtweg Blödsinn!
    Wen interessiert schon Vanity Vair?
    Ich bin deutscher Staatsbürger und wenn u.a. Deutschland anderen Mitgliedsländern unter die Arme greift, sollen diese gefälligst auch kontrolliert werden, dass künftig vernünftig mit dem Geld im Haushalt umgegangen wird.
    Wer es noch nicht begriffen hat: die Zukunft von Staaten liegt in der Kooperation und im gegenseitigen Austausch von Waren und Dienstleistungen. Hier ist Europa in den vergangenen 60 Jahren beispielhaft.
    Das ruft Neider+Besserwisser auf den Plan; diesen sage ich: wenn es euch nicht passt wisst ihr hoffentlich wo die Tür ist. Kocht euer eigenes Süppchen und wurschtelt vor euch her. Dieses demagogische Geschwätz geht mir auf die Nerven; solche Leute haben nichts in Europa verloren.

  • die regeln und der glaube...
    nachts um 2:00 - rote ampel stattmitte - kein verkehr - der deutsche michel bleibt stehen und wartet. rote ampel mittags in rom - der italiener fährt und hupt - bleibt aber bei grün stehen - es könnte ja doch jemand kommen ...
    europa ohne einheitliche regeln funktioniert n i e. solange der deutsche michel weiterhin nickt und zahlt sollten wir alle diskussionen einstellen. politiker sind und bleiben beamte - meistens sind sie ausgebildete lehrer oder anwälte ... haben sie noch fragen???

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