Europäische Zentralbank
EZB-Vize dringend gesucht

Lucas Papademos scheidet 2010 aus. Belgien hat gute Chancen, den Nachfolger zu stellen. Im Gespräch sind der belgische Zentralbankdirektor Peter Preat und der belgische Ökonomieprofessor Paul De Grauwe. Doch auch Kandidaten aus Portugal und Luxemburg können sich Hoffnungen auf den Posten machen.

FRANKFURT. Heute in einem Jahr dürfte der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Lucas Papademos, seine Zelte in der Euro-Bank schon fast abgebrochen haben. Wegen der Finanzkrise fast unbemerkt, neigt sich seine achtjährige Amtszeit dem Ende entgegen. Zum 1. Juni 2010 braucht die EZB einen neuen Vizepräsidenten. Inzwischen gibt es die ersten Spekulationen über einen potentiellen Nachfolger. Im Gespräch sind unter anderem der belgische Zentralbankdirektor Peter Praet, der ebenfalls belgische Ökonomieprofessor Paul De Grauwe, der Portugiese Vitor Gaspar, Berater von EU-Ratspräsident Manuel Barroso, und der luxemburgische Notenbankchef Yves Mersch.

Vorrang haben bei der Kandidatur die kleinen Euroländer, die bisher im EZB-Direktorium noch nicht vertreten waren: Belgien, Luxemburg, Irland und Portugal. Sollte Belgien einen geeigneten Kandidaten präsentieren, dürfte es exzellente Chancen haben. Denn schon bei der Wahl des jetzigen Amtsinhabers war der belgische Gegenkandidat, Paul De Grauwe, leer ausgegangen.

Eigentlich dürfte die Nationalität des Kandidaten keine Rolle spielen. Denn die Mitglieder des EZB-Direktoriums werden laut EG-Vertrag von den Staats- und Regierungschefs "aus dem Kreis der in Währungs- und Bankfragen anerkannten und erfahrenen Persönlichkeiten einvernehmlich ausgewählt und ernannt". Ginge man nach diesem Kriterium, wäre der finnische Zentralbankchef Erkki Liikanen der geborene Papademos-Nachfolger. Aber Finnland hat schon einmal ein Direktoriumsmitglied gestellt.

Faktisch sind die Ernennungen politisch motiviert. Der erste EZB-Präsident, Wim Duisenberg, hatte angeregt, den Vizeposten einem kleinen Land zu überlassen, wenn ein großes den Präsidenten stellt. Allerdings muss der Vizepräsident nicht nur ein allgemein anerkannter Fachmann sein, er muss die EZB im Notfall auch leiten und nach außen angemessen vertreten können.

Dass Belgien seinen jetzigen Gouverneur, Guy Quaden, ins Rennen schickt, gilt als unwahrscheinlich. Er hatte schon bei der Wahl des ersten Vizes 2002 abgewunken. Eine Alternative wäre Peter Praet, verlautet aus Finanzkreisen. Er war allerdings auch schon vor acht Jahren für das Amt im Gespräch gewesen.

Praet gehört seit 2000 dem Direktorium der belgischen Zentralbank an und ist dort für "Internationale Kooperation" und "Finanzstabilität" verantwortlich. Seit 2002 ist er zudem in die Leitung der belgischen Finanzmarktaufsicht eingebunden. Er ist Stellvertreter des Gouverneurs bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und in der G10.

"Praet ist einer der bestverdrahteten, hoch angesehenen Fachleute in der europäischen Notenbankwelt", urteilt ein Mitstreiter in Basel. "In der Diskussion ist er selbst in Spezialfragen ein Schwergewicht." Bei der Rettung des Finanzdienstleisters Fortis musste er den Krisenmanager spielen. Praet gilt als menschlich offen und zupackend. "In der EZB würde er die Tradition eines Alexandre Lamfalussy fortsetzen", heißt es. Lamfalussy ist Belgier und war der Präsident des Europäischen Währungsinstitutes (EWI), der Vorläuferin der EZB. Dass Praet im Januar 60 Jahre wurde, dürfte kein Hinderungsgrund sein, heißt es. Er wirke viel jünger. Und ein Höchstalter für den Eintritt von Direktoriumsmitgliedern gibt es nicht.

Seite 1:

EZB-Vize dringend gesucht

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%