Europäische Zentralbank

Kandidat für Europas Bankenaufsicht gefunden

Die künftige Struktur der europäischen Bankenaufsicht ist noch nicht geklärt, da sickert bereits durch, wer künftig die Super-Behörde innerhalb der Europäischen Zentralbank leiten könnte: ein Portugiese.
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Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Vítor Constâncio ist als Chef der neuen EZB-Bankenaufsicht im Gespräch. Quelle: AFP

Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Vítor Constâncio ist als Chef der neuen EZB-Bankenaufsicht im Gespräch.

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BrüsselDer Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Vítor Constâncio ist als Chef der neuen EZB-Bankenaufsicht für die Euro-Zone im Gespräch, wie das Handelsblatt aus EU-Kommissionskreisen erfuhr. Constancio könne Chef der Bankenaufsicht werden, sofern er sich dieser Aufgabe vollständig widme und ganz aus der Geldpolitik zurückziehe, hieß es in den Kreisen.

Innerhalb der EZB soll die neue Bankenaufsicht einen eigenen Aufsichtsrat erhalten, der getrennt vom EZB-Direktorium arbeitet. So solle sichergestellt werden, dass es nicht zu Interessenskonflikten zwischen Geldpolitik und Bankenaufsicht komme, hieß es in Brüssel. Der Chef der neuen EZB-Bankenaufsicht solle regelmäßig vor dem Europäischen Parlament erscheinen, um dort Bericht zu erstatten. Die EU-Volksvertreter sollten die EZB-Bankenaufsicht genauso überwachen wie die EU-Behörden für Bankenaufsicht (Eba), für Versicherungsaufsicht (Eiopa) und Wertpapieraufsicht (Esma). So werde die demokratische Legitimation der neuen EZB-Bankenaufsicht sicher gestellt.

Vítor Constâncio ist ehemaliger Chef der portugiesischen Notenbank und Wirtschaftsprofessor. In den 1970er-Jahren war er kurz Finanzminister Portugals. Seit 2010 ist er Vize-Präsident der Europäischen Zentralbank.

In Deutschland ist vor allem umstritten, welche Kompetenzen die künftige Bankenaufsicht erhalten soll. Die EU-Kommission strebt an, alle 6000 Banken in Europa von der EZB überwachen zu lassen. Dagegen wehren sich vor allem Sparkassen und Volksbanken. Aber auch in anderen Bereichen bleibt die Entwicklung der von den europäischen Staats- und Regierungschefs angestrebten Bankenunion und die verschärfte Regulierung des Finanzsektors umstritten.

So sei eine Aufspaltung von Großbanken zum Schutz der Sparer vor den Eskapaden der Investmentbanker für EU und Experten vorerst kein Thema. Auf die Schnelle wäre das gar nicht möglich, erklärten hochrangige EU-Mitarbeiter am Montag. „Das wäre ein sehr schmerzhafter Weg“, sagte einer von ihnen. Die EU setzt stattdessen auf höhere Eigenkapitalquoten und eine schärfere Aufsicht, die Investmentbankern das Zocken verleiden sollen. „Die richtige Frage ist doch: Wie hält eine Bank genug Kapital vor, dass es nicht auf einen Verlust für den Steuerzahler hinausläuft, egal was passiert“, sagt EU-Politikberater Graham Bishop. „Die erste Anlaufstation ist das Kapital.“ Die Struktur der Banken werde die EU erst später angehen.

Die EU-Finanzminister beraten am Freitag auf Zypern über die Arbeit einer Expertenkommission unter dem Vorsitz des finnischen Notenbank-Chefs Erkki Liikanen, die sich seit November 2011 mit einer Reform des europäischen Bankensektors befasst. Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge will die Kommission vorschlagen, den riskanten Eigenhandel zu verbieten und einen Schutzschirm um die Einlagen der Sparer zu legen, um sie vom Investmentbanking abzuschotten. Sieben der elf Mitglieder hätten sich vergangene Woche bei einem Treffen in Brüssel dafür ausgesprochen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf zwei Insider. Doch nach Reuters-Informationen ist das Gremium gespalten. „Noch ist nichts finalisiert“, sagte eines der Mitglieder, das ungenannt bleiben wollte. Der Bericht der Liikanen-Kommission soll Anfang Oktober vorliegen.

Mit Material von Reuters.

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38 Kommentare zu "Europäische Zentralbank: Top-Kandidat für europaweite Bankenaufsicht gefunden"

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  • Wieder mal typisch Deutschland - man will zwar die spanischen Sparkassen an die Kandare nehmen, aber die deutschen Sparkassen außen vor lassen .... so wird es nicht funktionieren.

  • Schon wieder ein Südeuropäer...
    Haben die eine bessere Lobby, oder wie kommt das?

  • Langsam verstehe ich was sich um 1930 in Deutschland ereignet hat. Parallelen sind unverkennbar. Fehlt nur noch jemand, der die Massen mobilisieren kann.

  • Ich meine zwischen all den Spaniern, Portugiesen, Italienern sind die Griechen schlichtweg unterrepräsentiert

  • Draghi darf das Geld seines eigenes Landes ausgeben, aber das Geld anderer: Finger weg!

    Frau Merkel und die SPD etc sowieso haben total versagt, als sie zuliessen, dass der EZB von Schuldenländern statt Geberländern kontrolliert wird:

    Zusammenstellung der Mitglieder des EZB

    Präsident Mario Draghi (ehemals Wetbank und Goldman Sucks, ITALIEN, bankrott)

    Vize-Präsident Vitor Constâncio (PORTUGAL, bankrott)

    EZB Mitglied Benoît Cœuré (FRANKREICH, bankrott)

    EZB Mitglied Peter Praet (BELGIEN, bankrott)


    EZB Mitglied Junior Jörg Asmussen (DEUTSCHLAND wegen Hilfe bankrott)

    plus die Präsidenten/Gouverneure der EZB Zentralbanken (Griechenland, Zypern, Portugal, Spanien,...)

    Deutschland hat sich reinlegen lassen bei der Vergabe des Präsidentenposten: Draghi sei geldpolitisch disziplinierter als die Deutschen, so hiess es, als Weber abmontiert und weggelockt wurde. Nein, nicht der Ort (Frankfurt), sondern der Kopf der EZB (mehrheitlich Empfängerländer) entscheidet!

    Wenn es jetzt nicht gelingt, Draghi et al an die Reissleine zu bekommen, dann zerstoert die EZB die Zukunft Europas.

    Wenn der ESM nicht gestoppt wird, treiben die Goldman Sucks und Konsorten das Spiel noch dreister!

    Helft, den Ewigen Schulden Mechanismus EWS zu stoppen und klickt auf

    http://www.abgeordneten-check.de/email/unentschieden/69.html

    http://www.stop-esm.org/home

  • Ich verfolge gespannt Eure Schlagabtausche. Echt gut. Selten eine solche Dynamik in einem Forum erlebt. Da sind die Piraten altmodische Stammtischlspiesser dadegen. Aber señor Brasil: das Problem ist nicht, dass die, die es schnallen den Allerwertesten nicht hochkriegen. Das Problem ist ein Mangel an Bewusstsein bei der allergrössten Mehrheit unserer Mitbürger. Die wollen nicht einsehen, dass dass, was sich im Grossen abspielt (auf der politischen Weltbühne), jeden Tag im eigenen Leben praktisch genauso abläuft. Solange jemand freiwillig ARBEITET, STEUERN ZAHLT, etc. und das obendrein sagt, dass er es gerne macht, solange habe ich mit dieser Person keine gleichen Ziele, für die es sich lohnen würde, zu demonstrieren. WEIL: das Problem ist nicht, dass keiner was dagegen macht, sondern, dass es kein schnallt. Der Grossteil zumindest nicht. Und was am Schlimmsten ist: ich kann beim besten Willen keine positive Tendenz erkennen.
    Aber Euch zu lesen, ist ein Genuss, ihr seid durchweg gut drauf; besonders herausstellen möchte ich Brasil/Spitzenleute/Derrik/VerySeriousSam und all die anderen. Es ist ene Wohltat, intelligente und gleichzeitig witzige Kommentare zu lesen.

  • Machtergreifung einer mafiaähnlichen Seilschaft.

  • Jaja - ein EZB-Vizepräsident, sicher der "richtige" unabhängige Kassenprüfer und Rechtsaufsichtsführende...

  • Mit der Bankenunion haften deutsche Sparer mit ihren Einlagen für spanische Banken.
    Die ganze Euroretterei wird immer grotesker.
    Die, die am meisten haften und zahlen haben am wenigsten zu sagen. Deutschland ist auf dem Weg in die Leibeigenschaft. Arbeiten, Altersarmut oder Arbeiten bis zum Tod.
    Der Euro steht für Vertragsbruch, Rechtsbeugung, Enteignung, Veramung, Demokratieverlust, Transfers, Inflation, Korruption.
    Die Völker Europas müssen endlich abstimmen über EU und Euro, sonst endet das Abenteuer wie Jugoslawien.
    Merkel hat 2010 ihren größten fehler begangen, die französischen Banken zu retten.

  • Am Geisteszustand liegt es nicht. Da dürften schon ganz andere Faktoren eine Rolle spielen. Wie war das mit der UN Resolution und dass man im Bundestag nicht genau wusste, was Korruption bedeutet. Irgendwelche Anstalten der Ratifizierung?

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