Europäische Zusammenarbeit
Hollande warnt vor deutsch-französischem Direktorium

Kurz vor dem Freundschaftstreffen in Reims warnt Frankreichs Präsident Holland in einer französischen Tageszeitung vor einer deutsch-französischen Vorherrschaft in Europa.
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ReimsFrankreichs Präsident François Hollande hat vor einem deutsch-französischen "Direktorium" in Europa gewarnt. "Wir dürfen unsere Beziehung nicht wie ein Direktorium verstehen, in dem Frankreich und Deutschland alleine für Europa entscheiden", sagte Hollande der französischen Tageszeitung "L'Union" in der Samstagsausgabe. "Zusammen mit Frau Merkel haben wir die Pflicht dafür zu sorgen, dass unsere gemeinsamen Interessen eine Kraft für das gesamte Europa darstellen können", sagte der sozialistische Staatschef.

Die Bundeskanzlerin und er seien sich einig darin, dass die übrigen Staaten eingebunden werden müssten. "Manchmal konnten sich bestimmte Länder ausgeschlossen oder gezwungen fühlen, einen Kompromiss zu akzeptieren, der bereits von unseren beiden Ländern ausgehandelt wurde", sagte Hollande. Sicherlich könne es nicht vorangehen, wenn sich Frankreich und Deutschland nicht einig seien. "Aber wir müssen bei jedem Schritt darauf achten, dass Europa stärker werden kann."

Hollande und Merkel werden am Sonntag mit einem Treffen in Reims die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags einleiten. In der Kathedrale von Reims hatten am 8. Juli 1962 der französische Präsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) an einer "Messe für den Frieden" teilgenommen. Wenige Monate später unterzeichneten sie den Elysée-Vertrag, der die Aussöhnung Deutschlands und Frankreichs besiegelte.

Hollande hatte Anfang Mai die Präsidentenwahl in Frankreich gewonnen und seinen konservativen Amtsvorgänger Nicolas Sarkozy abgelöst. Berichte über ein angespanntes Verhältnis zu Merkel wegen unterschiedlicher Auffassungen in der Europapolitik hatte er am Freitag zurückgewiesen. "Im Gegensatz zu dem, was gesagt wird, haben wir kein schlechtes Verhältnis", sagte er dem Magazin "Marianne".

Auf dem EU-Gipfel Ende Juni hatte Hollande die Position Italiens und Spaniens unterstützt, die der Kanzlerin Zugeständnisse bei der Verwendung der Gelder aus den Euro-Rettungsfonds abtrotzten.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Die fransozosiche Elite isst die Deutsche weit uberlegen. Sie tut sich vor als Freund und Verbundete, weil D im Transferunion eingebunden wird unter Druck von Gr, It, Sp etc.
    Delors war genial, Mitterand, Sarkozy und Hollande sein Lehrlinge.
    Sun Szu hat es gesagt: " Die grosste Leistung besteht darin den Wiederstand des Feindes ohne einen Kampf zu brechen.

  • Man sollte sich mit dem, was François Hollande tut, sachlich auseinandersetzen, anstatt ihn ohne Argumente abzuwerten.

    Tatsache ist, dass die neoliberal-kapitalistische Politik, obwohl ihre Vertreter doch immer schreien: "Wir brauchen Wachstum, wir brauchen Wachstum!" Produktionfaktoren in zunehmendem Maße brach liegen lässt:

    1. Die Arbeitslosigkeit nimmt seit Beginn der neoliberal-kapitalistischen Ära permanent zu, es das Arbeitspotential liegt in Europa in einem Gesamtumfang brach, mit dem man ein Land wie Großbritannien betreiben könnte.

    2. Der Faktor Kapital liegt ebenfalls zunehmend brach, ablesbar an einem enormen Kursanstieg an allen Börsen über die letzten Jahre - kein einziges Unternehmen wird noch nach Substanzwert notiert. Ablesbar auch daran, dass die Renditen für als sicher eingeschätzte Staatsanleihen (Deutschland, Frankreich) extrem niedrig sind, bei kurzen Restlaufzeiten sogar negativ! Das heißt, es ist sehr viel Geld im Umlauf, das nicht mehr weiß, wohin! Es wird nur noch im Bereich der Finanzanlagen hin- und hergeschoben, fällt als Produktionsfaktor im realwirtschaftlichen Bereich aus.

    Verbunden ist das alles mit einer völlig unerträglichen Verschärfung sozialer Probleme, Armut, Lohndumping usw. auf breiter Front.

    Doch was hat François Hollande vor? Er will dort Geld eintreiben, wo es nicht für realwirtschaftliche Zwecke gebraucht wird, und will es dann realwirtschaftlich einsetzen! Damit greift er das Problem brach liegener Produktionsfaktoren doppelt an: Erstens aktiviert er brach liegendes Geld, zweitens kann er damit brach liegende Arbeitskraft aktivieren.

    Was soll daran falsch sein? Es müsste jeder verstehen, dass dieses Vorgehen äußerst klug ist.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

  • Das Geschwätz Hollandes sollte man nicht ernst nehmen.

    Wir schauen uns in den nächsten zwei Jahren mal an, wie er seinen Haushalt ausgleichen will.

    Seine europäischen Schnapsideen braucht man ja nicht verwirklichen.

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