Europäische Zusammenarbeit

Hollande warnt vor deutsch-französischem Direktorium

Kurz vor dem Freundschaftstreffen in Reims warnt Frankreichs Präsident Holland in einer französischen Tageszeitung vor einer deutsch-französischen Vorherrschaft in Europa.
16 Kommentare
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Francoise Hollande im Elysee-Palast vergangenen Juni. Quelle: dapd

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Francoise Hollande im Elysee-Palast vergangenen Juni.

(Foto: dapd)

ReimsFrankreichs Präsident François Hollande hat vor einem deutsch-französischen "Direktorium" in Europa gewarnt. "Wir dürfen unsere Beziehung nicht wie ein Direktorium verstehen, in dem Frankreich und Deutschland alleine für Europa entscheiden", sagte Hollande der französischen Tageszeitung "L'Union" in der Samstagsausgabe. "Zusammen mit Frau Merkel haben wir die Pflicht dafür zu sorgen, dass unsere gemeinsamen Interessen eine Kraft für das gesamte Europa darstellen können", sagte der sozialistische Staatschef.

Die Bundeskanzlerin und er seien sich einig darin, dass die übrigen Staaten eingebunden werden müssten. "Manchmal konnten sich bestimmte Länder ausgeschlossen oder gezwungen fühlen, einen Kompromiss zu akzeptieren, der bereits von unseren beiden Ländern ausgehandelt wurde", sagte Hollande. Sicherlich könne es nicht vorangehen, wenn sich Frankreich und Deutschland nicht einig seien. "Aber wir müssen bei jedem Schritt darauf achten, dass Europa stärker werden kann."

Hollande und Merkel werden am Sonntag mit einem Treffen in Reims die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags einleiten. In der Kathedrale von Reims hatten am 8. Juli 1962 der französische Präsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) an einer "Messe für den Frieden" teilgenommen. Wenige Monate später unterzeichneten sie den Elysée-Vertrag, der die Aussöhnung Deutschlands und Frankreichs besiegelte.

Hollande hatte Anfang Mai die Präsidentenwahl in Frankreich gewonnen und seinen konservativen Amtsvorgänger Nicolas Sarkozy abgelöst. Berichte über ein angespanntes Verhältnis zu Merkel wegen unterschiedlicher Auffassungen in der Europapolitik hatte er am Freitag zurückgewiesen. "Im Gegensatz zu dem, was gesagt wird, haben wir kein schlechtes Verhältnis", sagte er dem Magazin "Marianne".

Auf dem EU-Gipfel Ende Juni hatte Hollande die Position Italiens und Spaniens unterstützt, die der Kanzlerin Zugeständnisse bei der Verwendung der Gelder aus den Euro-Rettungsfonds abtrotzten.

  • afp
Startseite

16 Kommentare zu "Europäische Zusammenarbeit: Hollande warnt vor deutsch-französischem Direktorium"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die fransozosiche Elite isst die Deutsche weit uberlegen. Sie tut sich vor als Freund und Verbundete, weil D im Transferunion eingebunden wird unter Druck von Gr, It, Sp etc.
    Delors war genial, Mitterand, Sarkozy und Hollande sein Lehrlinge.
    Sun Szu hat es gesagt: " Die grosste Leistung besteht darin den Wiederstand des Feindes ohne einen Kampf zu brechen.

  • Man sollte sich mit dem, was François Hollande tut, sachlich auseinandersetzen, anstatt ihn ohne Argumente abzuwerten.

    Tatsache ist, dass die neoliberal-kapitalistische Politik, obwohl ihre Vertreter doch immer schreien: "Wir brauchen Wachstum, wir brauchen Wachstum!" Produktionfaktoren in zunehmendem Maße brach liegen lässt:

    1. Die Arbeitslosigkeit nimmt seit Beginn der neoliberal-kapitalistischen Ära permanent zu, es das Arbeitspotential liegt in Europa in einem Gesamtumfang brach, mit dem man ein Land wie Großbritannien betreiben könnte.

    2. Der Faktor Kapital liegt ebenfalls zunehmend brach, ablesbar an einem enormen Kursanstieg an allen Börsen über die letzten Jahre - kein einziges Unternehmen wird noch nach Substanzwert notiert. Ablesbar auch daran, dass die Renditen für als sicher eingeschätzte Staatsanleihen (Deutschland, Frankreich) extrem niedrig sind, bei kurzen Restlaufzeiten sogar negativ! Das heißt, es ist sehr viel Geld im Umlauf, das nicht mehr weiß, wohin! Es wird nur noch im Bereich der Finanzanlagen hin- und hergeschoben, fällt als Produktionsfaktor im realwirtschaftlichen Bereich aus.

    Verbunden ist das alles mit einer völlig unerträglichen Verschärfung sozialer Probleme, Armut, Lohndumping usw. auf breiter Front.

    Doch was hat François Hollande vor? Er will dort Geld eintreiben, wo es nicht für realwirtschaftliche Zwecke gebraucht wird, und will es dann realwirtschaftlich einsetzen! Damit greift er das Problem brach liegener Produktionsfaktoren doppelt an: Erstens aktiviert er brach liegendes Geld, zweitens kann er damit brach liegende Arbeitskraft aktivieren.

    Was soll daran falsch sein? Es müsste jeder verstehen, dass dieses Vorgehen äußerst klug ist.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

  • Das Geschwätz Hollandes sollte man nicht ernst nehmen.

    Wir schauen uns in den nächsten zwei Jahren mal an, wie er seinen Haushalt ausgleichen will.

    Seine europäischen Schnapsideen braucht man ja nicht verwirklichen.

  • @LKB: Volle Zustimmung! Schon vor der Eurokrise war die gesamte EU-Architektur und Subventionspolitik an Frankreich orientiert. Jetzt dominiert die französische Wunschwährung Euro und bezahlen tut Deutschland. Passt doch, oder?

  • Ach was, was macht die Bank mit seinen Schuldnern? Etwa eine Transferunion? Ohne Gnade wird gepfaendet. Meinen sie etwa, dass es in Griechenland, Spanien oder İtalien nichts zu pfaenden gibt, oder gibts in den jeweiligen Laendern denn überhaupt nichts zu privatisieren? Warum in aller Welt sollen denn die Nordlaender für die Sünden der Südlaender geradestehen? Und was machen die Franzosen im Gegenzug? Rente auf 60 runterziehen, anstatt es mit den Nordlaendern gleichzusetzen.

  • Na,solange die Griechen nicht dran sind....

    Aber, es rächt sich schon seit einiger Zeit, dass D nie die besten Leute zur EU schickte ,sondern mehr Personal das hier unbequem geworden war, oder man los haben wollte.
    Ganz anders die andern Länder !

  • Ich denke Hollande ist der Ansicht dass es reicht wenn Frankreich fuehrt und Deutschland zahlt.

  • Es tut mir wirklich leid wegen der Soldatengraeber nahe Reims - eine Schande.

    Nichtsdestoweniger muss man nicht alles immer so Ernst nehmen wenn es um Staatsverhaelnisse geht.


    Schauplatz:

    Morgen frueh an der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich richtung Ottmarsheim. Eine staerkere Dame taucht aus dem Nebel.

    Franzoesischer Grenzsoldat: Nom?

    Staekerer Dame: Merkel

    F.G : Prénom?

    S.D. : Angela

    F.G. : Occupation?

    S.D. : Ne , ne. Nur ein Tagesausflug

    Der bloede Englaender von Pievebovigliana

  • Es gibt noch mehr Möglichkeiten zwischen den Polen, als die die sie aufführen.
    Natürlich lehne ich eine Transferunion, die uns einseitg zum Zahlmeister macht ebenfalls ab.
    Andererseits gibt es wirklich erhebliche Sparanstrengungen der betroffenen EURO Staaten, die aber nicht ausreichen. Mehr aber würde sie politisch überfordern, das heisst destabilisieren.
    Wenn eine Glaubwürdigkeit hergestellt werden kann, das die Anstrengungen nicht nachlassen, dann könnte ich mich mit einer Tranferunion für eine Überbrückungszeit von vielen Jahren abfinden. Vor allem wenn die Alternative noch viel weniger erfreulich erscheint.
    Aber genau darauf kommt es an, Deutschland muss darauf vertrauen können, dass es seinen Partnern wirklich ernst ist. Ansonsten scheiternrwir alle am bereits leichtfertig verspielten Vertrauen.

    H.

  • Holland hat wohl öfter den Geschichtsunterricht geschwänzt, der Versuch ein "Versailles light" zu etablieren wird Europa als Staatenbund sprengen.

    Ich habe immer Europa als Staatenbund und den Euro unterstützt aber ein Europa das dazu dient Frankreich und anderen Ländern auf Kosten Deutschlands ein Lotterleben zu ermöglichen lehne ich auf das entschiedenste ab.

    Deutschland braucht weder den Euro noch die EU, es sind "nice to haves", aber nicht in dieser Form.

    Jede Partei die Hollands Politik entgegen tritt bekommt meine Stimme bei der nächsten Wahl, JEDE !

    Versailles-2 Nein Danke !!!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%