Europäisches Vorbild
Asean treibt eigenen Binnenmarkt voran

Der südostasiatische Staatenbund Asean versucht gegenüber China und Indien Boden gut zu machen. Die Wirtschafts- und Handelsminister der „Association of South East Asian Nations“ beschlossen auf ihrer Jahrestagung in Kuala Lumpur, die Bildung eines asiatischen Binnenmarktes um fünf Jahre von 2020 auf 2015 vorzuziehen.

DÜSSELDORF. Damit wollen die zehn Asean-Mitglieder ihre Attraktivität für Auslandsinvestoren steigern. „Wir müssen uns als wirtschaftliche Einheit präsentieren“, sagte die langjährige Handelsministerin Malaysias, Rafidah Aziz. „Die Entwicklungen in der Weltwirtschaft machen eine tiefere Integration der Asean zwingend erforderlich.“ Mit „mehr Effizienz und mehr Effektivität“ will das Staatenbündnis dem Wettbewerbsdruck aus China und Indien Paroli bieten. „Wir haben alle zugestimmt, dass wir uns in diese Richtung bewegen müssen“, sagte Asean-Generalsekretär Ong Keng Yong zum Auftakt der Tagung.

Vor allem die Volksrepublik China hatte es in den letzten Jahren verstanden, der Asean-Gruppe Investoren abzujagen. Nach der Finanzkrise 1997/98 durchlebte die Region eine Schwächeperiode, von der sie sich nur langsam erholte. Allerdings kann inzwischen auch die Asean wieder steigende Kapital-Zuflüsse verzeichnen. Mit 38 Mrd. Dollar überstieg das Investitionsvolumen 2005 erstmals wieder das Niveau vor Ausbruch der Finanzkrise. Zum Vergleich: China erhielt 2005 Auslandsinvestitionen von mehr als 50 Mrd. Dollar.

Die Asean war im August 1967 als politisches Forum aus der Taufe gehoben worden, um die Stabilität in Asien zu fördern. Seit Beginn der neunziger Jahre entwickelt sich die inzwischen auf zehn Mitglieder angewachsene Gruppe zunehmend zu einem Wirtschaftsbündnis, das wie die Europäische Union zu einem Binnenmarkt (Asean Economic Community) zusammenwachsen will. „Wenn wir uns dabei nicht beeilen, riskieren wir unsere Position als wichtigen Standort für Investoren zu verlieren“, warnte Malaysias Ministerpräsident Abdullah Ahmad Badawi.

Die Deutsche Bank Research sieht in der Kernregion der Asean-5 „vielversprechendes Potenzial“. „Arbeitskosten sind vor allem in Indonesien und auf den Philippinen sehr attraktiv“, schreibt sie. Malaysia und Thailand zeichneten sich durch Wettbewerbsfähigkeit in der Elektronik- und Automobilindustrie aus. Singapur empfehle sich als regionales Finanzzentrum. Das Bruttoinlandsprodukt aller zehn Länder übersteigt inzwischen 800 Mrd. Dollar, der Handel erreicht eine Bill. Dollar. Mit 560 Mill. Einwohnern ist die Asean-Region größer als die EU.

Doch zwischen den Wirtschaftsleistungen der Gründungsmitglieder wie Singapur oder Thailand und später hinzugestoßenen Ländern wie Vietnam, Kambodscha oder Laos klafft noch eine große Lücke. „Das Ziel ist klar“, sagt die indonesische Handelsminister Mari Pangestu. „Die Frage ist nur wie wir es erreichen.“ Die Harmonisierung von Handelgesetzen ist dabei nur ein erster Schritt. Die wirtschaftliche Heterogenität und politische Differenzen wie über die Zusammenarbeit mit dem Militärregime in Myanmar erschweren die Verständigung auf gemeinsame Ziele.

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