Europas Armenhaus
Zweifrontenkrieg in der Republik Moldau

Seit Monaten wird in der Republik Moldau gegen die korrupte Regierung protestiert, nachdem eine Milliarde Euro aus der Nationalbank entwendet wurde. Doch ein Rücktritt der Regierung wird die Demonstranten nicht vereinen.

ChisinauIm Zeltstädtchen vor dem Parlament brach Jubel aus, als das Ergebnis der Abstimmung bekannt wurde. 65 der insgesamt 101 Abgeordneten haben am Donnerstag der Regierung ihr Misstrauen ausgesprochen und damit Premier Wladimir Strelez zum Rücktritt gezwungen.

In seiner letzten Rede ging der Politiker der Liberaldemokraten noch einmal zum Angriff über. „Alle, die heute für den Rücktritt der Regierung gestimmt haben, wollen die Lage konservieren, alles so erhalten, wie es ist. Ihr wollt Euch nicht selbst und den Staat befreien und das System zerbrechen“, sagte Strelez. Der Coup sei ebenso wie die Verhaftung von Ex-Premier Wlad Filat – ein Parteikollege von Strelez – durch den Oligarchen Wladimir Plachotnjuk als Ablenkungs- und Täuschungsmanöver geplant worden, klagte er.

Im Lager vor dem Parlament wurde die Nachricht trotzdem als Sieg gefeiert. Die Demonstranten haben ihre Forderungen „Fort mit den Oligarchen“, „Beenden wir den Terror gegen das Volk“ neben der Landessprache auch in Russisch formuliert. Nun fühlen sie sich bestätigt.

Wenige hundert Meter weiter, vor dem Regierungsgebäude auf dem Platz der Nationalversammlung, ist die Stimmung weniger euphorisch. Auch hier steht ein Zeltlager, auch hier wird protestiert, doch ansonsten gibt es kaum Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Camps.

„Die Demonstranten vor dem Parlament, das sind Moskaus Leute, die sind des Geldes wegen dort“, sagt Georgi. Der 64-jährige Rentner gehört zu den Teilnehmern eines unbefristeten Streiks im Stadtzentrum gegen das gesamte korrupte System im Land.

Organisiert wird die Aktion wie auch mehrere Massendemonstrationen in den vergangenen Wochen, bei denen bis zu 100.000 Menschen auf die Straße gingen, von der prowestlichen Bürgerplattform „DA“; eine Abkürzung für „Würde und Gerechtigkeit“. Dass sich durch den Regierungswechsel etwas ändert, glauben diese Demonstranten nicht.

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„Wir brauchen eine neue Partei“

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