Europas Geldpolitik
EZB steigt noch nicht aus lockerer Geldpolitik aus

Die US-Notenbank will vom Gas gehen, die EZB hingegen drückt weiter drauf: EZB-Direktor Coeure will die schwache Konjunktur in Europa noch mit einem niedrigen Leitzins stützen – und erwägt weitere Maßnahmen.
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LondonDie Europäische Zentralbank (EZB) will ihrem US-Pendant noch nicht folgen und wegen der hartnäckigen Wirtschaftsflaute auf absehbare Zeit bei der Politik des billigen Geldes bleiben. "Es sollte keine Zweifel geben, dass unser Exit noch weit entfernt ist", sagte das französische EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure am Dienstag in London.

Die Notenbank werde auch mit ungewöhnlichen Mitteln gegen die Rezession in vielen Ländern der Euro-Zone kämpfen.

Weil die Wirtschaft in den USA schon wieder stärker wächst und auch die Arbeitslosenquote langsam fällt, hatte die Federal Reserve (Fed) zuletzt als erste große Notenbank betont, ihren extrem lockeren Kurs noch dieses Jahr verlassen und die monatlichen Anleihekäufe in Milliarden-Höhe bis Mitte kommenden Jahres beenden zu können. Seitdem ist die Nervosität an den globalen Märkten groß.

Der Leitzins der EZB liegt momentan bei rekordniedrigen 0,5 Prozent. Der Kurs müsse noch nicht geändert werden, weil die Konjunktur auch 2013 schwach bleiben werde und die Inflation klar unterhalb der wichtigen Marke von zwei Prozent liege, so Coeure.

Die Notenbank könne zudem ihre unkonventionellen Maßnahmen beibehalten und bei Bedarf neue anwenden. Unter anderem erwägt die EZB, erstmals Geschäftsbanken mit einem Strafzins zu belegen, wenn diese über Nacht Geld bei der EZB parken - anstatt es in Form von Krediten in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen. "Wir haben uns technisch darauf vorbereitet, auch mit den Marktteilnehmern diskutiert, jetzt sind wir bereit", sagte Coeure.

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  • Die EZB verfehlt das Inflationsziel seit Jahren

    Seit 2005 hat der Verbraucherpreisindex in der €-Zone um 15,7% zugelegt. Das sind 2,1% im Schnitt, 2012 um 2,5% und 2011 gar um 2,7%. Die Teuerung in den USA betrug dagegen nur 11,7% seit 2005 und in Japan gab es eine Deflation von insgesamt 0,4%.

    http://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui/show.do?dataset=prc_hicp_aind&lang=de

    Würde sich die EZB an die Regeln halten, so müsste sie sofort die Zinsen erhöhen.

  • Kein TÜV würde ein Auto auf die Straße lassen, dessen Räder unterschiedliche Größen aufweisen. Deshalb halte ich die Arbeitsweise der EZB für fahrlässig. Andere werden sie als kriminell bezeichnen wollen.

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