Europas Krisenstaaten: La dolce vita? War gestern!

Europas Krisenstaaten
La dolce vita? War gestern!

In der Sommerzeit regiert im europäischen Süden das süße Leben. Doch die Krise verändert den Alltag der Menschen. Von Lebensmittelknappheit, Jobsorgen und Rabatten in Strandbars – unsere Korrespondenten berichten.
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Athen/Mailand/MadridIn Zeiten der Krise haben Zahlen Hochkonjunktur. Da wird mit Millionen, Milliarden und manchmal sogar Billionen jongliert, dass einen erst Schwindel und dann Gleichmut packen. Irgendwann verlieren die Ziffern mit ihren vielen Nullen an Bedeutung. Wie viel Euro steckten noch mal in der Finanzspritze für Mittelständler in Griechenland? 100 Millionen, 500 Millionen oder eine Milliarde? Ist nun die Staatsverschuldung von Italien auf zwei Billionen Euro gestiegen oder war das die Summe für den EU-Haushalt bis 2020? In solchen Größenordnungen verschwimmt vieles.

Es kann auch ein gutes Schutzschild sein, sich hinter Zahlen zu verstecken. 15.000 Stellen muss Griechenland im öffentlichen Dienst streichen. Klar, zwingend notwendig, bei den Schulden. Und vielleicht sieht es auch Christos so, der bei der Stadtverwaltung von Thessaloniki beschäftigt ist. Doch er macht sich Sorgen. Denn die Krise holt ihn ein. Seine Frau Nansi hat es schon getroffen, der Keks-Produzenten Allatini konnte sie nicht mehr bezahlen.

„Die Krise begegnet einem vor allem in den Gesichtern der Menschen“, schreibt unser Korrespondent in Athen. „Als ich vor drei Jahrzehnten nach Athen kam, lernte ich die Griechen als ein optimistisches, lebensfrohes Volk kennen. Jetzt sind sie verzagt und verunsichert.“

Auch in Spanien und Italien verändert die Krise den Alltag. Auf unterschiedlichste Weise – wie unsere Korrespondenten zu berichten wissen. Geschäfte öffnen auch während der Sommerhitze, Versorgungsengpässe in den Städten – eigentlich üblich im Hochsommer – bleiben deshalb aus. Strandlokale locken mit Sonderangeboten, denn sie wissen, das Urlaubsgeld ist knapp bemessen. Trotzdem fahren die Madrilenen raus aus ihrer Stadt, für ein paar Tage Meerluft schnuppern, das muss sein, trotz Krise.

Kommentare zu " Europas Krisenstaaten: La dolce vita? War gestern!"

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  • Wir wissen jetzt: Die politische Rechnung, mit einer gemeinsamen Währung die politische Union, das heisst gleichgerichtetes Handeln zumindest in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht in Europa zu erzwingen, ging, wie vorauszusehen war, komplett "in die Hose". Insbesondere die ClubMed-Länder haben zumindest nach der Eingewöhnungsphase seit 2006 die politische Union als Haftungsunion für eigene politische Versäumnisse gesehen. Während Deutschland mit Sorge um seine Wettbewerbsfähigkeit gleich 2003 durch die Umsetzung der Agenda 2010 Löhne und Sozialleistung kürzte, haben die ClubMed-Länder zunächst einmal einen großen Schluck aus der Pulle genommen: Die Löhne und Sozialleistungen stiegen dort von 2000 bis 2013 um 30-40%, während sie in Deutschland in der gleichen Zeit mit 10% sogar real verfielen. Im Ergebnis musste das verheerend wirken: Exportweltmeisterschaft hier mit einer Verarmung insbesondere des leistungsfähigen Mittelstandes, Importweltmeisterschaft auf Pump und Abbau des eigenen Leistungspotentials in den Mittelmeerländern. In beiden Fällen sind die externen Schulden von 2005 von etwa 50% des BIP auf fast 90% des BIP gestiegen. Aber das Volk büßt immer, was die Könige tun, schrieb vor 2000 Jahren der Römer Horaz: Die jetzt dringend notwendigen Konsolidierungen büßen die Menschen in den ClubMed-Ländern jetzt mit Arbeitslosigkeit von rd. 60%, verfallenen Renten und höheren Steuern, was Deutschland schon durch die Agenda 2010 vorgemacht hat, was sie aber zur Zeit wieder erneuern müssten: Dem Gedanken Europa haben so die Politiker einen Bärendienst erwiesen; aber der Wille zur Umkehr ist schwach, zum großen Teil fehlt sogar noch die Einsicht: Wie sich in Deutschland Kräfte der Vernunft in der AfD bündeln, wachsen solche Kräfte in den am stärksten betroffenen Ländern des ClubMed leider nur sehr verhalten, weil es dort bereits zu spät ist. Deutschland hat im September noch eine reelle Chance,
    Schöne Grüße von der AfD
    Klaus Peter Kraa

  • Manche Journalisten sollten tatsächlich mal die "Dolce Vita" ausprobieren, bevor diese so süße Worte aus der Tastatur hauen.
    Die gabs auch vor dem Euro nicht wirklich, jedenfalls nicht für stinknormale Arbeitnehmer die gefälligst auch dem Konsumrausch verfallen sollen, damits brummt.
    Schade, das auch immer mehr sich dem teile und herrsche offensichtlich verpflichtet fühlen. Zumindest bekommt man bei solchen Schlagzeilen den Eindruck.
    Wem solls helfen? Den deutschen Leiharbeitern damit diese denken, ach so schlecht gehts uns ja nicht?

  • Ich bin Grieche, in Deutschland aufgewachsen. Was ich häufig bedauere ist die Stimmung, die hautsächlich von den Medien gegen die Mittelmeerstaaten gemacht wird. Es beruhigt mich aber zu sehen, dass es doch einige auch hier in Deutschland gibt die sehen, dass das Problem nicht die "faulen Griechen" gegen die Deutschen ist, sondern die abdriftende Mittel- und die Unterschicht gegen die Oligarchen, Politiker und viele Reichen sowie die Wirtschaftsleute. Aber auch hier in Deutschland haben es immer mehr Menschen schwerer vom Erarbeiteten zu überlebenen. Dies geschieht z.Z. im krassen Ausmaß in Griechenland, Spanien etc. Die Reichen, Oigarchen, Großunternehmen werden durch Maßnahmen, die z.B. in Griechenland durch die Troika durchgesetzt werden nicht getroffen, sondern die hauptsächlich die Mittelschicht, die hart arbeitet, nicht weniger als in Deutschland (ja auch die Beamten hier haben viele Vorteile, zugegeben in Griechenland herrscht das Problem der Vetternwirtschaft). Ein Hoeneß, der astronomische Unsummen nicht versteuert hat, wird nicht an den Pranger genommen, nut weil er "gut für den FC Bayern ist". Was ist mit den einfachen Leuten, wenn die minimale Summen nicht versteuern? Die werden natürlich strafrechtlich mit aller Härte verfolgt.
    Das Problem ist nicht: die Deutschen die für die Dolce vita der Südländer zahlen, das Problem sind die Wirtschaftselitären gegen die einfachen Leute, welche immer mehr arbeiten, mit immer schlechteren Arbeitsbedingungen (Leiharbeiter etc.), und kaum noch über die Runden kommen.

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