Europas Presse zu Anschlagserien
„Moslems zu defensiv im Kampf gegen Terror“

In Europa herrscht nach den jüngsten Terroranschlägen auf Pendler in London und Touristen in Ägypten Ratlosigkeit. Vielen Kommentatoren schwant, dass Hass und Gewalt den Kontinent in eine neue Krise stürzen könnten. Einige üben angesichts der scheinbaren Ohmacht heftige Kritik an der Politik. Andere sehen die hier lebenden Moslems in der Pflicht. Eine Übersicht über die unterschiedlichen Standpunkte:

Die niederländische Zeitung „de Volkskrant“:

„Es bedarf einer internationalen Anstrengung, um die Antwort auf den islamischen Terrorismus zu finden. Das ist nicht nur die Aufgabe des Westens, sondern auch der muslimischen Länder und der muslimischen Gemeinschaft in den westlichen Ländern. Gegenüber der terroristischen Gewalt schweigen Muslime noch zu häufig oder sie stellen sich nur defensiv entgegen. Und das, obwohl sie viele Probleme bekommen durch die Polarisierung, die die Terrortaten in die Gesellschaft tragen. Das lässt Zweifel an ihrer Loyalität aufkommen.“

Die französische katholische Tageszeitung „La Croix“:

„Radikalität bis in den Tod kann sich als Daseinsform nur speisen aus einem Hass auf den anderen und der Verachtung derer, die keine Probleme mit sich selbst haben (oder zu haben scheinen). So findet der Terrorismus zwar keine Legitimität, aber doch Ausführende, die auf der Suche nach sich selbst sind und dies durch den Tod anderer zu erreichen glauben. Keine Politik wird ausreichen, den doppelten Hass auf sich selbst und auf die anderen versiegen zu lassen. Wir müssen vielmehr all jene Energien bündeln, die uns menschlich machen und uns gemein sind. Damit niemand versucht sei, der Wolf des Menschen zu werden.“

Der Wiener „Kurier“:

„Die politisch Verantwortlichen sind im Dilemma: Man muss etwas tun, damit die Unsicherheit der Bürger von London oder der Touristen in Ägypten, der Türkei nicht steigt. Man muss sichtbar etwas tun, aber mit Augenmaß, um nicht noch selbst an der Spirale der Gewalt zu drehen. Die Sicherheitsbehörden in der Demokratie Großbritannien können auf Dauer wegen der Eskalationsgefahr nicht dem Kriegsprinzip folgen: First shoot, then ask (Schieß erst, frag später). Auch die Errichtung von Polizeistaaten muss der Westen ausschließen, sie entsprechen nicht den Prinzipien der Demokratie. Mühselige Polizeiarbeit ist die vernünftige Antwort auf diese Geißel der heutigen Zeit. Denn Verhandlungen mit der Terror-Hydra, die den kompletten Rückzug des Westens aus der islamischen Welt und die Etablierung eines Gottesstaates will, kommen - bei aller Kritik etwa am Irak-Krieg - nicht in Frage."

Die römische Zeitung „La Repubblica“:

„Darf man eine „Lizenz zum Töten“ ausstellen? Mit der Frage sind wir an einem extremen Aspekt der Diskussionen angelangt, die durch die jüngsten Attentate ausgelöst wurden. Es handelt sich in diesem Fall nicht nur darum, sich zu fragen, in welcher Weise die Sicherheit für die Bürger eine Beschränkung der individuellen Freiheiten rechtfertigt, eine Beschränkung der Persönlichkeitsrechte oder eine Beschränkung des Verkehrs und der Kommunikation. Was hier zur Diskussion gestellt wird, ist das höchste Gut, der Respekt vor dem menschlichen Leben. (...) Es ist so viel über die Kultur des Lebens gesprochen worden, als unüberschreitbare Grenze, dafür und dagegen, behalten wir dies auch in diesen Situation in unserem Gedächtnis. Der Terrorismus stellt eine radikale Negation des Lebens dar, der Attentäter und Opfer gleicherweise vernichtet.“

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