Europawahl 2009
EU-Profiler: Virtueller Helfer bei der Qual der Wahl

Am 7. Juni wählen 120 Millionen Europäer ihre Vertreter im EU-Parlament. Wer noch nicht sicher ist, wem er seine Stimme geben soll, hat ab sofort neue interaktive Unterstützung: Der „EU-Profiler“ des European University Institute soll dabei helfen zu ergründen, wo sich ein Wähler in der Parteienlandschaft zu Hause fühlen kann. Es ist nicht die einzige Anlaufstelle für Unentschlossene im Netz.

DÜSSELDORF/BRÜSSEL. In einigen Ländern hat es so etwas bereits vor Regional- oder Parlamentswahlen gegeben, EU-weit ist es ein Novum - und ein Mammut-Projekt: Knapp 300 Parteien aus 30 Nationen haben die Wissenschaftler des Florenzer European University Institute (EUI) analysiert, in einen Test gegossen und in 24 Sprachen übersetzt. Am Donnerstag wurde das Ergebnis in Brüssel vorgestellt. Für das ehrgeizige Vorhaben fließen keine EU-Gelder; finanziert wird es vor allem von wissenschaftlichen Einrichtungen.

Wie groß der Bedarf an Informationen zur Europawahl tatsächlich ist, lassen Umfrageergebnisse erahnen: Laut Eurobarometer Frühjahr 2009 wussten im Januar und Februar gerade einmal 16 Prozent der befragten Europäer, in welchem Monat die Europawahl stattfindet. Nur 34 Prozent der Bürgerinnen und Bürger beabsichtigten zu diesem Zeitpunkt "mit hoher Wahrscheinlichkeit" ihre Stimme abzugeben.

Die virtuelle Reise durch Europas Parteienlandschaft ist bei oberflächlicher Nutzung in zehn Minuten geschafft. Und so funktioniert es: Auf der eher nüchtern gestalteten Website www.euprofiler.eu wählt man zunächst das Land und die Sprache aus. Per Mausklick positioniert sich der Nutzer zu 30 politischen Statements aus dem Wahlkampf: Soll die Türkei der EU beitreten? Ist die Legalisierung von Homo-Ehen eine gute Sache? Sollte Brüssel eigene Steuern erheben? Außerdem geht es um die Rolle religiöser Werte in der Politik, die Rettung von Banken durch Steuergelder und Subventionen in der Landwirtschaft. Etwas überraschend für den Nutzer: Neben den 27 Mitgliedstaaten der EU können auch die Türkei, Schweiz und Kroatien ausgewählt werden.

Übersichtliches Ergebnis

Sind alle Entscheidungen gefällt, müssen die Themegebiete nach den individuellen Präferenzen gewichtet werden: Liegt dem Wähler die Steuerhoheit der EU sehr am Herzen, vergibt er ein "plus", interessiert ihn der EU-Beitritt der Türkei nicht sonderlich, klickt er auf "minus". Wem das zu lange dauert, der bedient sich des "Überspringen"-Buttons, um auf den letzten Teil des Test zu gelangen. Hier gibt er losgelöst von politischen Aussagen an, mit welcher Wahrscheinlichkeit er grundsätzlich welche Partei wählen würde.

Dann ist es geschafft: Am Ende ermittelt der Computer, welche Parteien im Inland dem eigenen Standpunkt am nächsten sind - anschaulich dargestellt als bunte Punkte auf einer politischen Landkarte mit den Polen "links/rechts" und "pro/contra EU". Weitere Anzeigeoptionen sind prozentuale Übereinstimmungen mit einzelnen Parteien oder auch die eigene Position in der Parteienlandschaft Europas. Die Ergebnisse sind dabei übersichtlich dargestellt und lassen sich gut nachvollziehen. Beim Vergleich "Sie und die Partei" werden zum Beispiel alle Aussagen noch einmal aufgeführt, die eigene Position und die der Partei gegenübergestellt und Links zu diesem Politikbereich auf Wahlprogramme, öffentlichen Parteidokumente oder Aussagen von Repräsentanten der Partei angeboten.

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