Europawahl
Promis schlagen Politiker

Europa wählt ein Parlament, doch den Wahlkampf machen nationale Parteien - mit unbekannten Politikern und unbeliebten Themen. Gerade den deutschen Parteien fehlen für einen personalisierten Europawahlkampf die bekannten Gesichter. Andere Länder zeigen, wie es geht.

BRÜSSEL/BERLIN. Was haben Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn, Tatort-Kommissar Dietmar Bär und Comedian Elton gemeinsam? Sie werben für die Europawahl am 7. Juni. Und was haben Hans-Gert Pöttering, Markus Ferber und Martin Schulz gemeinsam? Sie kandidieren bei der Europawahl am 7. Juni. Doch obwohl die Spitzenkandidaten von CDU, CSU und SPD landein, landaus auf Wahlplakaten posieren, sind sie längst nicht so bekannt und beliebt wie Kahn & Co.

Die Promis schlagen die Politiker - nur mit Nachhilfe aus der Welt des Sports und des Showbusiness, so scheint es, lassen sich Wähler für Europa begeistern. Personen und Programme hingegen gehen im Wahlkampf fast völlig unter. "Die Leute interessieren sich höchstens noch für Aufregerthemen wie das Salz im Brot oder die Krümmung der Salatgurke", ärgert sich der Europaabgeordnete Elmar Brok (CDU). Wer für welche Ziele in Brüssel eintritt, werde jedoch kaum registriert. "Wir haben es nicht geschafft, die Wahlen zu personalisieren", bedauert Brok.

Während man bei der Bundestagswahl zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier (SPD) wählen kann, fehlt in Europa die Alternative. Kommissionspräsident José Manuel Barroso steht nur indirekt - über die konservative Parteifamilie EVP - zur Wiederwahl. Einen Gegenkandidaten gibt es ebenso wenig wie einen Oppositionsführer im Europaparlament. Selbst die Parteien haben sich nicht auf gemeinsame Spitzenkandidaten einigen können. Der Wahlkampf wird national geführt - mit unbekannten Politikern und unbeliebten Themen.

Dass Personalisierung dennoch möglich ist, zeigt ein Blick nach Frankreich. Dort treten landesweit bekannte "Promis" wie Justizministerin Rachida Dati, die frühere Ermittlungsrichterin Eva Joly oder der ehemalige Studentenführer Daniel Cohn-Bendit zur Europawahl an. Auch in Irland, Finnland und Schweden setzen die Parteien auf bekannte Gesichter. In Belgien stürzt sich sogar ein ehemaliger Premierminister - der flämische Liberale Guy Verhofstadt - ins Getümmel; mit vehementer Kritik an EU-Kommissionschef Barroso sorgtVerhofstadt für Furore.

Nur in Deutschland ticken die Uhren anders. Zwar gab es schon einige prominente deutsche Europaabgeordnete. Friedrich Merz zum Beispiel, der CDU-Wirtschaftsexperte, hat seine politische Karriere in Straßburg begonnen. Von 1989 bis 1994 beackerte er die oft spröden EU-Themen, bevor er in den Bundestag einzog. Auch die Grünen-Politikerin Claudia Roth sammelte in Brüssel erste parlamentarische Erfahrungen. Ihr Parteikollege Cem Özdemir nutzte den Umweg über Europa, um eine Lobbyisten-Affäre vergessen zu machen - und letztlich als Parteichef nach Deutschland zurückzukehren.

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