APO gegen APO
FDP liefert sich heftigen Schlagabtausch mit AfD

Der FDP-Politiker Theurer beschimpft AfD-Chef Lucke als „verkappten Salonfaschisten“. Der findet das „bösartig“. Den Chef der Südwest-Liberalen beeindruckt das wenig. Er legt nach – mit einer eindringlichen Warnung.
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BerlinDie Alternative in Deutschland (AfD) hat es nicht leicht in diesen Tagen des Europawahlkampfs. Sie fühlt sich von allen Seiten diskriminiert oder attackiert. Mit der FDP liefert sich die Partei derzeit einen heftigen Schlagabtausch.

Auslöser ist eine Äußerung des baden-württembergischen FDP-Vorsitzenden Michael Theurer. Dieser hatte der „Stuttgarter Zeitung“ kürzlich gesagt, das Gerede des AfD-Chefs Bernd Lucke von den „Entartungen der Demokratie“ erwecke den Eindruck, er sei „ein verkappter Salonfaschist“. Lucke sagte daraufhin, diese Äußerung zeige, dass Fairness im Umgang mit dem politischen Gegner für die FDP ein „Fremdwort“ sei.

Der Sprecher der AfD, Christian Lüth, wurde noch deutlicher. Die verbalen Entgleisungen Theurers zeugten „nicht nur von Verzweiflung in einem Wahlkampf, in dem die großen Verlierer der letzten Bundestagswahl, nicht über drei Prozent in den Umfragen zu kommen scheinen, sie sind vor allem verleumderisch und legal grenzwertig“. Lucke als „Salonfaschisten“ zu bezeichnen sei „nicht nur geschmacklos, sondern schlichtweg bösartig“, so Lüth.

Theurer hielt Lucke daraufhin vor, die wesentlichsten demokratischen Grundsätze, darunter die freie Meinungsäußerung, nicht verstanden zu haben. „Aber ich lasse mir den Mund nicht verbieten“, sagte Theurer, der auch Vorsitzender des Haushaltskontrollausschusses des Europäischen Parlaments ist.

Theurer nannte es einen schweren strategischen Fehler von CDU/CSU, die AfD nicht härter anzugehen. „Das Schweigen des wirklichen bürgerlichen Lagers gegenüber denen, die sich lediglich so kleiden, hat es der AfD erlaubt, salonfähig zu werden“, ist er überzeugt. Es sei daher an der Zeit, das Kind beim Namen zu nennen und den Konflikt mit den Gegnern der liberalen Demokratie aufzunehmen. Dabei dürfe man auch keine verbalen Zuspitzungen scheuen. „Das hat mit unfair nichts zu tun, sondern mit der Notwendigkeit, so laut wie möglich auf eine massive Gefahr für unser Wertesystem zu deuten, die am rechten Rand wächst“, betonte Theurer.

Theurer zufolge lassen Luckes „10 Thesen zum Islam“ auf eine „subtile Islamophobie“ schließen. Er nimmt dabei Bezug auf eine Passage, in der es heißt: „Wenn der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ nur die faktische Existenz des Islam in Deutschland feststellen sollte, ist er überflüssig. Wenn er aber als eine implizite Bejahung des Islams in Deutschland gemeint ist, ist er falsch und töricht, weil er sich pauschal und undifferenziert zu einem komplexen Phänomen äußert, das viele unterschiedliche Strömungen und Aspekte umfasst.“

Kommentare zu " APO gegen APO: FDP liefert sich heftigen Schlagabtausch mit AfD"

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  • Eine Partei, welche in Deutschland den Mittelstand verraten hat,ist nicht mehr wählbar. Durch Polemik wie sie Herr Theurer betreibt offenbart er nur seine Hilflosigkeit, ein zweiter Erich Honeker.
    Ich habe mich noch nie so sehr auf die Europawahlen gefreut

  • Der FDP muss das Wasser am Hals stehen. Man kann mit intellektuellen Wortspielen jede Partei, jede Richtung, jede Ideolgie hochreden oder in den Dreck ziehen, das was die FDP mit ihren Gegnern gerne tut aus Mangel an Profil.
    Es ist überhaupt nicht zu verstehen, warum die FDP mit den üblichen Worthülsen des "braunen Sumpfes" herum schiesst, wenn Kubicki sagt: „Unmittelbar nach der Europawahl geht die AfD unter“, Dann ist das zentrale Thema der Euro-Feindlichkeit weg.“
    Also warum die AfD mit ihrer gelben "Eitersosse" beschmutzen, wenn sie sowieso in kurzer Zeit weg sein sollte?

  • die FDP ist die "überflüssigste" Partei in Deutschland und Europa

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