Griechenland
ESM-Chef warnt Athen vor zu hohen Kapitalmarktkosten

Griechenland will zurück an den Finanzmarkt. Dass das Land die Märkte testen wolle, sei natürlich, sagt ESM-Chef Klaus Regling. Doch er warnt Griechenland davor, den Investoren zu hohe Rendite zu zahlen.
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AthenDer Chef des Euro-Rettungsfonds ESM hat Griechenland davor gewarnt, bei einer Rückkehr an den Finanzmarkt zuviel für frisches Kapital zu zahlen. Das hoch verschuldete Land musste als erstes unter den Rettungsschirm der Euro-Länder schlüpfen und entging nur so einem Staatsbankrott. ESM-Chef Klaus Regling sagte der Wochenzeitung „To Vima“, es sei natürlich, dass Griechenland nunmehr die Märkte testen wolle. Es sollte den Investoren aber keine zu hohe Rendite zahlen, um seine Schuldenlast nicht weiter zu erhöhen. Die griechische Regierung müsse sich überlegen, welchen Preis sie bereit sei zu zahlen, sagte Regling dem Blatt.

Die Rendite für zehnjährige griechische Anleihen sind seit zwei Jahren zwar deutlich gefallen, liegen aber noch immer bei etwa sechs Prozent. Griechische Schulden seien nach wie vor teuer, sagte Regling. Jede neue Anleihe mit derartig hohen Renditen erhöhe die Schuldenlast des Landes deutlich.

Analysten schätzen die Kapitalmarktkosten für Griechenland für einen Zeitraum von fünf Jahren auf 3,25 bis 6,5 Prozent. Nach Informationen aus Bankenkreisen plant die Regierung in Athen, fünfjährige Anleihen im Volumen von rund zwei Milliarden Euro am Markt unterzubringen.

Nach Einschätzung Reglings könnten Anleger durch den Reformprozess in Griechenland durchaus ermutigt sein. Die Umstrukturierungen im Land hätten dazu geführt, dass die Fähigkeit zur Bedienung der Schulden in den nächsten zehn Jahren gesichert sei.

Die Staatsverschuldung Griechenlands liegt derzeit bei 320 Milliarden Euro oder 175 Prozent der Wirtschaftsleistung. Rund 80 Prozent dieser Schulden liegen bei der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und schlagen mit sehr niedrigen Zinsen zu Buche. 40 Prozent der griechischen Schulden wurden vom ESM aufgefangen. Sie haben eine Laufzeit von 25 Jahren und sind zehn Jahre tilgungsfrei.

Am Dienstag hatten die Finanzminister der Euro-Zone den Weg für die Auszahlung von weiteren insgesamt 8,3 Milliarden Euro für Griechenland freigemacht. Die Hilfsprogramme der internationalen Geldgeber, die mit strikten Reformen verbunden sind, laufen noch bis Ende des Jahres. Sollte es dem Land bis dahin nicht gelingen, wieder Zugang zum Kapitalmarkt zu erhalten, bekämen die Spekulationen über ein drittes Hilfspaket neue Nahrung. Ein neuerliches Paket will die Regierung in Athen aber vermeiden, um sich nicht weitere Sparmaßnahmen aufbürden zu müssen. Die internationalen Geldgeber bewahrten Griechenland mit insgesamt 240 Milliarden Euro vor dem Finanzkollaps.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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