Italien und Venetien
Alle Wege führen weg von Rom

Venetien im Norden Italiens hat die Nase voll vom räuberischen Rom: Die in der Hauptstadt verprassen unser Geld, sind faul und tun nichts gegen zu viele Ausländer, heißt es dort. Teil vier der Separatisten-Serie.
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„Katalonien ist meine Heimat. Und Katalonien ist nicht Spanien.“ Pep Guardiola, der Trainer von Bayern München, ist wohl der bekannteste Spanier, der sich für die Abspaltung Katalonien von Spanien einsetzt. Doch die Katalanen sind nicht die einzigen, die unabhängig sein wollen: Nicht von Europa, aber von ihrem Land. Handelsblatt Online zeigt, in welchen Ländern Europas es Separatistenbewegungen gibt und warum. Lesen Sie heute den vierten und letzten Teil der Serie von unserer Korrespondentin Regina Krieger.

„Willst Du, dass das Veneto eine föderale, unabhängige und souveräne Republik wird?“ 89 Prozent der Teilnehmer eines Online-Referendums antworteten mit ja, exakt 2,1 Millionen von 2,36 Millionen Menschen, die mitgemacht haben. Deutlich weniger, aber immerhin noch mehr als die Hälfte wollte dazu, dass die neue Republik Venedig in der EU und in der Nato bleibt und den Euro behält.

Die Ergebnisse machten Schlagzeilen, auch weil sie an dem Tag veröffentlicht wurden, als die Welt auf die Krim schaute. Doch so schnell wird es einen unabhängigen Staat im Nordosten Italiens nicht geben. Die Online-Umfrage, vorangetrieben von einer Bürgerbewegung, die der Lega Nord nahesteht, hat keinerlei juristische Bindung und zudem sind die Zahlen nicht zu überprüfen. Ein Journalist des „Corriere della Sera“ berichtete, er habe mindestens 20 Mal abgestimmt und als Name einfach historische Personen angegeben. Und als vor ein paar Tagen 24 Sezessionsanhänger wegen des Verdachts auf Terrorismus, Umsturz und der Herstellung von Kriegswaffen verhaftet wurden, war die öffentliche Meinung in Italien trotz eines Aufmarsches in Verona am Sonntag deutlich auf der Seite des römischen Staats.

Zwei Gründe gibt es für die neue Sezessionsbewegung, die eng miteinander verwoben sind: einen ökonomischen und einen innenpolitischen. Die Unzufriedenheit des Nordens mit der Regierung in Rom hat in Krisenzeiten noch zugenommen. „Roma ladrona“, Rom, die Räuberin – das war und ist der Schlachtruf der Lega Nord. Die in der Hauptstadt verprassen unser Geld, sind faul und tun nichts gegen zu viele Ausländer in Italien, hieß es.

Die Finanzkrise traf auch das reiche Veneto, Stammland zum Beispiel der Familie Benetton. 20.000 Unternehmen haben dort seit 2008 dichtgemacht, die Arbeitslosenrate ist mit 7,7 Prozent zwar niedrig für Italien, aber ein neuer Rekord für die hochindustrialisierte Region im Norden. Vor allem die kleinen und mittelgroßen Betriebe, die das Rückgrat der italienischen Wirtschaft sind, leiden unter der hohen Steuerlast und der Kreditklemme.

„Die Ergebnisse der Umfrage spiegeln glaubwürdig den wachsenden Frust über Rom wider“ sagt Ilvo Diamanti, Chef des Meinungsforschungsinstituts Demos. Für den Soziologen, selbst aus dem Nordosten, gibt es bei dem Unabhängigkeitsbestreben keine „ethnische Komponente“. Er hält den Hass auf „den ausbeuterischen Bürokratenstaat“ in Rom und Brüssel für das Motiv.

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„Basta Euro“

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  • Widersprechen muss man der Behauptung „…und in Bozen plant Maurizio Fugatti, einen „Freien Staat Südtirol“ zu schaffen in Zusammenarbeit mit den Südtiroler Freiheitlichen.“ Dies unglückliche Formulierung hat mit der Realität in Südtirol überhaupt nichts zu tun. Herr Fugatti ist Parteichef der Lega Nord in der Provinz Trient, er kann daher für die Provinz Bozen (Südtirol) nichts planen. Wohl aber habe die drei separatistischen Parteien Südtirols (Die Freiheitlichen, Süd-Tiroler Freiheit, Bürgerunion) bei der jüngsten Landtagswahl gemeinsam 27,5 Prozent der Stimmen erhalten. Die Freiheitlichen setzen sich für einen Freistaat (gemeint ist ein souveräner Staat) Südtirol ein, die Süd-Tiroler Freiheit würde die Wiedervereinigung Tirols innerhalb von Österreich bevorzugen nach dem Motto "Was für Deutschland möglich war, muss auch für Tirol möglich sein". Meinungsumfragen deuten auf eine Mehrheit für die Sezession hin. Ein Ausstieg aus Italien bedeutet keineswegs einen Ausstieg aus der Solidarität. Vor allem die Partei Süd-Tiroler Freiheit bekennt sich eindeutig zur europäischen Solidarität.

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