Kandidat für Europawahl
Junckers Comeback

Jean-Claude Juncker ist zurück aus der Versenkung. Heute geht es er als Favorit in die Kampfabstimmung der Konservativen für die Europawahl. Zuvor musste er jedoch seine härteste Widersacherin für sich gewinnen.
  • 2

Düsseldorf2013 war für Jean-Claude Juncker das Jahr des Abstiegs. Im Januar legte er sein Amt als Vorsitzender der Euro-Gruppe nieder, im Juli trat er als Regierungschef von Luxemburg zurück und im Dezember wurde er durch die Niederlage bei den Neuwahlen im Fürstentum zum Oppositionsführer degradiert. „Mister Euro“, wie er gerne genannt wurde, ist am Ende seines drei Jahrzehnte dauernden Höhenflugs, so hieß es. Allmählich wird klar: Junckers Krisenmonate sind bester Stoff für ein beeindruckendes Polit-Comeback.

Denn am heutigen Freitag bewirbt er sich den Vertretern der konservativen Parteien in Europa in Dublin um den Posten des Spitzenkandidaten. Dabei wird es eine Kampfabstimmung über die Nominierung geben – der Luxemburger tritt gegen den EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier aus Frankreich an. Doch Juncker geht als Favorit in das Rennen – denn seine Fürsprecher sind prominent. Zu diesen zählt mittlerweile auch die mächtigste Frau in Europa: Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Gewinnt Juncker, hat er alle Chancen auf den nächsten Chefsessel in Europa: den des EU-Kommissionspräsidenten. Vom Oppositionspolitiker in einem Land, das kleiner ist als die Stadt Dortmund, zu einer Schlüsselfigur in Europa. Furioser kann eine Rückkehr kaum sein.

Lange Zeit gab es in der Karriere des 59-Jährigen nur eine Richtung: aufwärts. Schon in jungen Jahren interessierte sich der Sohn eines von deutschen Besatzern zwangsrekrutierten Hüttenwerkspolizisten für Politik. „Mein Vater hat mich angehalten, so ab sieben, acht Jahren Zeitung zu lesen. Und hat das auch abgefragt, auf eine legere Art und Weise“, erzählt er in Interviews gerne. Nach dem Abitur studierte Juncker Jura und wollte eigentlich Rechtsanwalt werden. Dann aber sei er in die Regierung berufen worden. Und später „immer wieder gewählt worden. Da konnte ich nicht von Bord gehen.“

Vor mehr als 30 Jahren begann er als Staatssekretär für Arbeit und soziale Sicherheit im zweitkleinsten Land der EU, wenige Monate vor dem Mauerfall in Deutschland stieg er zum Finanzminister und 1995 zum Premierminister auf. Als seinen größten Verdienst bezeichnet Juncker die Mitarbeit am Maastrichter Vertrag, was ihn zum Vater der Euro-Währung machte. Als Vorsitzender der Euro-Gruppe von 2005 bis Anfang 2013 wurde Juncker außerdem zum Krisenmanager der angeschlagenen Gemeinschaftswährung.

Seite 1:

Junckers Comeback

Seite 2:

Seine Fehde mit Merkel

Kommentare zu " Kandidat für Europawahl: Junckers Comeback"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Dieser Lügenbaron wird den Konservativen viele Stimmen kosten. Wer wählt schon so einen hinterlistigen Lügner?

  • Ein Lügenbaron für die EU?! Das gibt noch mehr Auftrieb gegen die Blockparteien. Wie tief ist diese EU gesunken? Auflösen und fertig!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%