Mein Europa – Deutsche im Ausland (1)
„Griechenland ist Deutschland ähnlich geworden“

Die Freizügigkeit macht es möglich: Viele Deutsche leben und arbeiten im europäischen Ausland. Wie kommen sie zurecht? Was vermissen sie? Wie erleben sie Europa? Antworten gibt unsere Serie zur Wahl. Heute: Griechenland.

AthenHeute ist mal wieder so ein Tag, da weiß Silvia Krämer, warum sie in Griechenland lebt. „Gerade habe ich mit meinen Eltern in Deutschland gesprochen“, erzählt sie. „Man hörte den Regen durchs Telefon.“ Silvia blinzelt in die Sonne, die an diesem Nachmittag in einem Athener Küstenvorort von einem fast wolkenlosen Himmel scheint. Eine milde Brise spielt mit den Palmwedeln am Strand, das Meer glitzert. Das Thermometer zeigt 27 Grad.

Als Silvia vor 22 Jahren nach Griechenland übersiedelte, fiel ihr der Abschied von Deutschland nicht besonders schwer. Ihr Vater war als Maschinenbauingenieur in der ganzen Welt unterwegs, und die Familie zog mit: „Kasachstan, die Niederlande, Schweden, Kanada, die USA, Brasilien und Taiwan“ beschreibt Silvia die Stationen ihrer Kindheit. Als sie zehn war, zog die Familie nach Deutschland zurück. Aber das Fernweh ließ sie nicht los.

„Mit 18 habe ich die Koffer gepackt und bin zum Studium nach Holland gegangen“, erzählt die 48-jährige Grafikerin. Dass es sie dann mit 1992 nach Griechenland verschlug, war „eigentlich ein Zufall“, erzählt sie: „Ich war hier in Urlaub, aber aus drei Wochen wurden dreieinhalb Monate, weil es mir so gut gefiel. Dann habe ich eher aus Quatsch einen Job gesucht, und sofort fünf Angebote bekommen.“

Das ist jetzt 22 Jahre her. Hat sie den Schritt je bereut? „Eigentlich nicht“, sagt Silvia. Obwohl: Acht Mal ist sie nach Deutschland zurückgekehrt. „Aber nach einer Woche bin ich dann immer wieder nach Griechenland zurückgeflogen.“ Und was gab den Ausschlag? „Vor allem das Klima“, sagt Silvia. Aber auch die relative Nähe zu Deutschland ist ihr wichtig, die Gewissheit, in drei Stunden mit dem Flieger dort zu sein, denn „Deutschland ist für mich Familie“. Sie habe deshalb im Grunde „zwei Heimaten“, sagt sie.

Infografik

Zu- und Abwanderung in Europa

pro Tausend Einwohner im Jahr 2011

(mit der Maus über die Grafik fahren)


Deutschland kann sie schon einiges abgewinnen: „Die Ordnung dort, die Disziplin, und die Gesetze, an die sich alle halten.“ In Griechenland dagegen nervt sie vor allem der oft rücksichtlose Umgang im Straßenverkehr: „Stoppschilder, die einfach ignoriert werden – daran werde ich mich nie gewöhnen.“ Zu den positiven Seiten gehört für Silvia das Thema Sicherheit: „Wenn ich als Frau abends allein unterwegs bin, fühle ich mich in Athen vielleicht nicht mehr so sicher wie vor 20 Jahren, aber immer noch sicherer als in vielen deutschen Städten.“

22 Jahre in Griechenland sind 22 Jahre gelebtes Europa für die Deutsche. „Das Reisen ist einfacher geworden“, sagt sie, „vor allem auch dank Schengen und der gemeinsamen Währung.“ Aber sie sieht das Zusammenwachsen der EU nicht nur positiv: „Starbucks, Zara, Lidl: Die Länder ähneln sich immer mehr, sie verlieren ihre Identität.“

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„Manchmal wird man schon angefeindet“

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