Merkel in Griechenland: Euros nach Athen tragen

Merkel in Griechenland
Euros nach Athen tragen

Nächsten Freitag reist Angela Merkel nach Athen. Sie sollte dort nicht nur warme Worte verlieren – sondern auch finanzielle Zugeständnisse machen. Aus eigenem Interesse müssen die Euro-Länder ihre Sparauflagen lockern.
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Diese Woche hat Bundesfinanzminister Schäuble mit dem griechischen Ministerpräsidenten Samaras über einen neuen Aktionsplan für Griechenland gesprochen. Einer der Vorschläge lautet: Deutschland und andere Euro-Länder sollen sich an Finanzhilfen für griechische Mittelständler beteiligen. „Wir sind im Gespräch mit der griechischen Regierung, dass wir zusammen mit der Euro-Gruppe die verschiedenen Maßnahmen (...) in einen Aktionsplan bündeln“, so Schäuble. Das klingt fast nach einem Marshall-Plan.

Doch schon häufig war von solchen Wachstumshilfen die Rede. Mal ging es um EU-Mittel für griechische Autobahnen, ein anderes Mal um Hilfen der deutschen Förderbank KfW für griechische Unternehmensgründer. In Wahrheit sind solche Ankündigungen vor allem heiße Luft.

Die griechische Redensart „Eulen nach Athen tragen“ steht für überflüssige Tätigkeiten. Übertragen auf die Krise hieße das: Statt Eulen nach Athen zu tragen, sollte Angela Merkel lieber Euros mitbringen, wenn sie am Freitag dorthin reist. Was Griechenland jetzt braucht, ist mehr Spielraum bei seinen Sparauflagen – um dem ärmsten Teil der Bevölkerung zu helfen oder um Steuern zu senken. Mehr Nachsicht bei den Sparauflagen liegt nicht zuletzt im ureigenen Interesse von Griechenlands Kreditgebern.

Als Merkel im Jahr 2012 Athen besuchte, schrumpfte die griechische Wirtschaft noch um mehr als sechs Prozent. Verglichen damit hat sich die Lage gebessert. Inzwischen hat die griechische Wirtschaft die Talsohle durchschritten und könnte in diesem Jahr sogar um ein Prozent wachsen. Doch selbst wenn das gelingt, reicht ein solches Mini-Wachstum längst nicht aus, um die Arbeitslosigkeit spürbar zu senken. Sie liegt in Griechenland unter Jugendlichen bei 60 Prozent. Das ist in einer Demokratie auf Dauer nicht durchzuhalten. Mit einem solchen Ergebnis hat die bestehende Koalition aus der konservativen Nea Dimokratia und der sozialistischen Pasok bei den nächsten Wahlen kaum eine Chance. Doch was kommt dann?

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Strukturelle Reformen brauchen Zeit

Kommentare zu " Merkel in Griechenland: Euros nach Athen tragen"

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  • Meine Güte, was für inhaltsleere Phrasen! Strukturreformen brauchen Zeit, soso. Das gilt allerdings erst dann, wenn man wenigstens mal angefangen hat - davon kann in GR keine Rede sein, denn selbst griechische Zeitungen berichten, dass weiter getrickst, gelogen und betrogen wird. Der viel gerühmte strukturelle Haushaltsüberschuss, den Athen angeblich erzielt hat, beruht überwiegend darauf, dass man schlicht Rechnungen nicht bezahlt. Natürlich mit fatalen Folgen, etwa im Gesundheitsbereich, denn irgendwann wird man von der Pharma-Industrie eben nicht mehr beliefert, wenn man nie bezahlt. Und der Sparkurs kann in einer Demokratie nicht durchgehalten werden? Tolles Argument! Niemand, auch die schönste Demokratie nicht, kann auf Dauer mehr ausgeben, als er einnimmt. Es sei denn, es kommen Euromantiker daher, die einen "retten", indem sie noch mehr Schulden ermöglichen, also den Brand mit Benzin "löschen". Die "Kredite" an GR sind längst abzuschreiben, denn niemand glaubt an eine Rückzahlung. Es handelt sich von Anbeginn um Insolvenzverschleppung, die niemanden "rettet", außer natürlich die Gangster, die nach wie vor von dem ganzen Irrsinn profitieren, und folglich einfach so weiter machen - also die Steuerhinterzieher und "Politiker", die sie gewähren lassen. Euros nach Athen tragen, im "eigenen Interesse"?! Was für ein unfassbarer Blödsinn! Schluss mit dem Rettungswahn, eine ehrliche Pleite ist der einzige Weg, und jeder Euro, der bis dahin noch zur "Rettung" ausgegeben wird, bringt uns selbst dem Staatsbankrott näher. So sieht´s aus.

  • Aus eigenem Interesse müssen die Euro-Länder ihre Sparauflagen lockern.
    Okay, aber dann ist sofort Schluss hier mit dem Geshcrei wegen der Rente nach 45 Beitragsjahren - die Rente mit 67 bleibt ja, Schluss mit dem Geschrei wegen Mindestlohn, Schluss mit dem Geschrei wegen Mütterrente udn so weiter. Wenn Sparmaßnahmen gelockert weren, dann soll dies auch für die Zahlmeister gelten.
    Ich erinner einfach an die EZB Studie vom April 2013: EZB-Studie: Vermögen in Griechenland größer als in Deutschland. Merkel wiedersprach: "Rein statistisch sind Länder wie Spanien, Zypern oder Griechenland pro Haushalt reicher als wir", ... Sie rechnete ganz einfach das Geld in der Rentenkasse zum Vermögen.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/merkel-ueber-ezb-studie-die-deutschen-sind-reicher-als-vermutet-a-895300.html Die Rentenkasse wird aber jetzt geplündert, weil die Mütterrente einzig daraus finanziert wird, weil Schäuble den Budneszuschuss einfriert. Diesen gibt es aber deswegen, weil die Wiederverienigung zu Lasten der Sozialkassen ging.
    Also, Sparmaßnahmen gerne lockern, aber dann alle Länder. Draghi kauft doch im Billionen Bereich auf. Weshalb also hier die Infrastruktur verkommen lassen, das renetniveaun immer weiter kürzen und dafür Geld in die Südländer überweisen.

  • Ich vermute mal, daß dies kein Thema weder in Athen noch bei uns sein wird. Es erübrigt sich ja auch im selben Moment, indem Merkel ihre Geldtasche öffnen wird.
    Die erfreuten Gesichter werden sie für alle Proteste ringsherum entschädigen; Merkel
    und Schäuble sind glücklich, wieder helfen zu dürfen.

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