TV-Duell zur Europawahl

„Ich verstehe Wahlkampf nicht als Schlägerei“

Im TV-Duell zur Europawahl sind sich der Sozialdemokraten Martin Schulz und der Konservative Jean-Claude Juncker in vielem einig. Dabei ist ungewiss, ob der Sieger überhaupt Präsident der EU-Kommission wird.
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Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für den Posten als EU-Kommissionspräsident, Martin Schulz und Jean-Claude Juncker. Quelle: Reuters

Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für den Posten als EU-Kommissionspräsident, Martin Schulz und Jean-Claude Juncker.

(Foto: Reuters)

BrüsselMit Höhepunkten ist das so eine Sache. Bisweilen sind sie nicht viel mehr als das, was sie vorgeben zu sein. Mehr Schein als Sein. So ähnlich war das auch am Donnerstagabend beim Duell der zwei Spitzenkandidaten der Konservativen und der Sozialdemokraten für die Europawahl zur Prime Time im ZDF und ORF.

Keine rauchenden Colts, kein Hinterhalt – nur das Bemühen, Europa als durch und durch seriösen Großversuch darzustellen und die Bewunderung für ein Friedensprojekt, das, bereits mit dem Nobelpreis geadelt, über jeden Zweifel erhaben ist. Wer erwartet hatte, dass die beiden Kontrahenten mit bleibeschwerten Fäustlingen aufeinander losgehen würden, durfte sich enttäuscht fühlen und hat wohl vergessen: Das Gelingen der Gemeinschaft funktioniert allein nach dem Prinzip Kompromiss statt Konfrontation.

„Ich verstehe Wahlkampf nicht als Organisieren von Massenschlägereien ohne Grund“, betonte Juncker denn auch gleich zu Anfang des Gesprächs, als es um Europas Kurs in der Ukraine-Krise ging: „Wir können durchaus einer Meinung sein."

Bleibt die Frage: War da was? Tatsächlich lässt der Redezweikampf den Zuschauer etwas ratlos zurück. Sowohl der am Donnerstagabend spitz und angriffslustig auftretende Sozialdemokrat Martin Schulz wie auch der sichtlich um Sachlichkeit bemühte, aber etwas ermattet wirkende Kandidat der Konservativen, Jean-Claude Juncker, haben ihr Herz für ein vereinigtes Europa nicht erst gestern entdeckt. Sie gehören zwar unterschiedlichen Parteienfamilien an, leben aber nicht auf verschiedenen politischen Planeten.

Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen, Wachstum schaffen – nur ein starkes Europa wird seinen Bürgern in Zukunft Wohlstand in Sicherheit garantieren können. Darin sind sich die Kandidaten ebenso einig, wie in der Frage, dass Europas Freizügigkeit ein schützenswertes Gut ist, dass die Banken wieder stärker der Realwirtschaft dienen sollen und man den Kardinaltugenden der sozialen Marktwirtschaft wieder mehr Geltung verschaffen müsse. Das wissen wir aber seit langem.

Dass beide Vollblutpolitiker das Zeug und das Charisma haben, eine europäische Superbehörde wie die Kommission mit ihren gut 30 000 Mitarbeitern zu führen, liegt ebenfalls auf der Hand. Als EU-Parlamentspräsident respektive langjähriger Euro-Gruppen-Chef haben Schulz und Juncker ihr intellektuelles Gewicht und taktisches Geschick in der Vergangenheit unter Beweis gestellt. Beide gelten als eigensinnige Köpfe, die anderen nicht nach dem Mund reden. Das hat ihnen in weiten Teilen der europäischen Öffentlichkeit Respekt verschafft.

„Anschlag auf Europas Demokratie“
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5 Kommentare zu "TV-Duell zur Europawahl: „Ich verstehe Wahlkampf nicht als Schlägerei“"

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  • Lügen, Lügen, Lügen...

    Witzig find ich auch, wenn als Argument für den EURO und ein "vereintes Europa" immer gesagt wird, dass dadurch das Reisen vereinfacht oder erst richtig möglich wird (siehe Wahlspot der CDU).

    Komisch. Ich bin in den Achzigern jahrelang mit Rucksack und Interrail-Ticket (billiges europaweit gültiges Bahnticket für Backpacker) kreuz und quer durch Europa gereist - ohne Probleme, ohne lange Aufenthalte an Grenzen usw. Später mit dem Auto auch nicht anders. Und mit meiner D-Mark in der Tasche war ich überall gern gesehen. Auch das Umtauschen der Kohle: kein Problem. Im Gegenteil: Die Urlaube waren spottbillig, wenn mal wieder Griechenland oder Portugal ihre Währungen abgewertet hatten...

    Komisch, diese permanenten Lügen, auch in den Medien... Ähnlich ist es ja auch mit der horrenden Kriminalitätsrate durch professionell organisierte osteuropäische Banden, die hier ein Schlaraffenland vorfinden und innerhalb weniger Minunten wieder über die Grenze weg sind...

    Oder die Lüge der Politiker, dass es keine Wohlstands- und Sozialstaat-Schmarotzer in Deutschland aus dem Balkan oder Südeuropa geben kann. Das Verwaltungsgericht in Dortmund entschied im Januar anders: eine spanische Familie, drei Monate vorher nach Deutschland umgezogen, erklagte sich sämtliche Unterstützungen (Harz4, Kindergeld, Wohngeld usw.) und gewann den Prozess. Ein exemplarisches Urteil, was alle politischen Versprechungen und Beteuerungen sofort über den Haufen warf...

    Und ähnlich ist's ja mit dem EURO auch: von Anfang an eine politische Fehlkonstruktion mit absehbar verheerenden Folgen (Ökonomen wie Prof. Sinn, die ums Jahr 2000 herum warnten, wurden niedergebrüllt und von den Medien totgeschwiegen). Die Politiker haben Europa gegen die Wand gefahren. Das ist Fakt.

    Aber laut Schulz, seit 20 Jahren ein Brüsseler Schmarotzer wie der im Buche steht, sind ja die Banken Schuld an der Euro-Krise. Die Banken? Unfassbar, diese Ursache-Wirkung-Verdrehung und Wähler-Verarschung!

  • Das war eine mangelhafte Showveranstaltung, mehr nicht! Solange das EU-Parlament nichts zu melden hat, weder in der Gesetzgebung noch in der Kontrolle des irrsinnigen Bürokratismus, ist jede Wahlstimme Makulatur und der Weg zur Wahlurne eine Witzveranstaltung. Da bleibt nur, diesen Verein abzuschaffen. Er kann ohne die Bürger der EU niemals existieren. Es bleibt nur eine Frage der Zeit.

  • Und für solchen Unsinn "EU-TV-DUELL" werden unsere Zwangs-GEZ-Gebühren verbraten???!

    Diese Schein Duelle einer EU-Bürokratie-Diktatur braucht KEIN Menschen/Freier Bürger in Deutschland und Europa!

  • TV-Duell vor Europawahlen. "Die Menschen sind nicht bereit für weitere EU-Beitritte"
    Ich habe die Sendung angeschaut, und stellte fest, es wurden nur bekannte Argumente ausgetauscht.
    Man sah beiden an, sie wollen zu ihren über dotierten Geldtöpfen und Pensionen zurück.
    Die Bürger sind dabei nur Nebensachen, die sie allerdings brauchen um einen Hauch von Demokratie zu wahren.
    Ich für mich, will diese EU in ihrem jetzigen undemokratischen zustand nicht.
    Ich möchte auch keine weiteren Länder in die EU aufnehmen, es wird dadurch immer schwerer, den Sinn und Nutzen für den kleinen Frau/Mann zu erklären.
    Die nationalen Regierungen sollen für ihr Land und Volk die oberste instand sein und bleiben.
    Ich sehe für mich keine Vorteile dieser EU. Ich bin für das abschaffen des Schengen-Abkommens, auch die freie Niederlassung in den EU-Ländern muss neu überdacht werden, es gibt noch vieles was sofort geändert werden muss.
    Auch die Reisetätigkeit der EU-Abgeordneten muss sofort aufhören, es werden Unsummen Steuergelder verpulvert.
    Auch muss die Bezahlung der Abgeordneten und ihre Pensionen, sofort nach unten revidiert werden, alle Gehälter im Moloch EU sind viel zu hoch.
    Der Einfluss der EU auf die nationalen Parlamente muss von jetzt 70 % auf 50 % gesenkt werden.
    Auch das unsägliche Recht, alles was Brüssel oder das Europa Parlament beschließt muss in Nationales Recht umgesetzt werden, ist sofort aufzuheben.
    Nur Nationale Parlamente haben dieses Recht.
    Kein deutsches Parlament hat das Recht Hoheitliche oder andere Aufgaben, ohne Volksabstimmung an die EU zu übertragen.

  • Am Ende entscheidet Mutti.Draghi, Barrosso - waren ihr "Wunsch"!
    Schulz hat sich zwar kritisch zum Freihandelsabkommen geäußert, dabei aber folgendes geflissentlich unetrschlagen:"Geplantes Freihandelsabkommen TTIP EU-Parlament winkt Sonderrechte für Großkonzerne durch ...Trotz aller Bedenken winkte die Mehrheit der Abgeordneten eine Verfahrensverordnung für Investorenschutzregeln durch, gegen die Stimmen von Grünen und Linken." zu lesen in der SZ vom 10.05.2014
    Mutti ist eine absolute Befürworterin des Freihandelsabkommen mit den USA ohne wenn & aber.

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