Ungewöhnliche Podiumsdiskussion bei AfD „Ich gebe meine Verlobung mit Herrn Lucke bekannt“

Nach der Absage von Karl Lauterbach beweist AfD-Chef Bernd Lucke auf amüsante Art und Weise, dass er auch sozialdemokratischen Populismus kann. Die wenigen Zuschauer, die gekommen sind, johlen. „Ist das geil“.
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KölnKarl Lauterbach war der Held des Abends, obwohl der SPD-Politiker bei der Podiumsdiskussion der Alternative für Deutschland (AfD) gar nicht anwesend war. Er kritisierte die AfD offen wie nie. Er bezeichnete Hans-Olaf Henkel, den Vize-Spitzenkandidat der AfD für das Europaparlament, als „National-Chauvinist“ und sagte, er schäme sich, mit dem Ex-BDI-Präsidenten an einem Tisch zu sitzen. Eine ungewohnte Deutlichkeit in der politischen Debatte. Das lag auch daran, dass Lauterbach gar nicht Lauterbach war.

Die AfD hatte am Samstag zur Diskussion in das Hotel Maritim in Köln geladen. Der Schlagabtausch zwischen SPD-Politiker Karl Lauterbach, AfD-Chef Bernd Lucke und Henkel sollte der Höhepunkt des Wahlkampfauftaktes werden. Doch Lauterbach sagte am Tag vorher aus „terminlichen Gründen“ ab. Doch Lucke machte aus der Not kurzerhand eine Lachnummer: Er ließ sich eine rote Fliege besorgen, steckte sie an sein Hemd und schlüpfte selbst in die Rolle von Karl Lauterbach.

„Ich bedauere ein bisschen, dass der Lucke gekniffen hat“, sagte Lucke (alias Lauterbach) zu Beginn der Diskussion. „Ich hätte Ihnen sehr gerne vorgeführt, was für billige Phrasen der Kerl verwendet.“ Stattdessen verwendete diese Phrasen der „falsche Lauterbach“. Er pries den Euro mit schillernden Worten an, warb völlig überzogen für die Friedenspolitik der SPD und gab hanebüchene Erklärungen für die geringe Bedrohung der griechischen Schulden: „Sie wissen ja, dass die Griechen keine Industrie haben. Sie bauen ja nur Oliven an.“

Lucke bewies auf amüsante Art und Weise, dass er auch sozialdemokratischen Populismus kann. So sagte er unter anderem, die SPD hätte sich als staatstragende Partei erwiesen. Die 200 bis 300 Zuschauer, die gekommen waren, johlten. „Ist das geil“, sagte eine Frau aus dem Publikum immer wieder. Andere pfiffen begeistert.

Sein „politischer Gegner“ Henkel spielte gekonnt mit. Auf die begeisterten Reaktionen des Publikums bei „Lauterbachs“ Aussagen sagte er: „Ich muss mich über den Applaus im Publikum doch sehr wundern.“ Später bemängelte der frühere BDI-Chef, er fühle sich wie in einer Talkshow – auch da werde immer an den falschen Stellen geklatscht.

Lucke und Henkel hatten an ihrem Geplänkel sichtlich Spaß. Der AfD-Chef trieb die Stimmung auf die Spitze, als er anfing, Kritik an seiner eigenen Partei zu üben – natürlich immer noch in der Rolle des Lauterbachs. Er warf ihr „Rechtspopulismus“ und „Schwulenfeindlichkeit“ vor und forderte „echte Männerfreundschaften“ wie die zwischen Helmut Kohl und Francois Mitterand.

Henkel konterte mit den Worten: „Was die Schwulenfeindlichkeit angeht: Ich habe meine Verlobung mit Herrn Lucke längst bekannt gegeben.“ Das brachte selbst den bis dahin stets in seiner Rolle bleibenden AfD-Chef zum Lachen. Wenige Minuten später gab er den „Lauterbach“ auf und beantwortete stattdessen wie gewohnt Fragen zum Euro, zur Europapolitik und zu möglichen Kooperationen mit anderen Parteien.

Am Ende des Abends sprachen aber alle nur über Lauterbach, der Bernd Lucke mit seiner Absage die perfekte Steilvorlage für einen Hieb gegen die etablierten Parteien geliefert hatte.

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22 Kommentare zu "Ungewöhnliche Podiumsdiskussion bei AfD: „Ich gebe meine Verlobung mit Herrn Lucke bekannt“"

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  • ...da bin ich bei Ihnen, nur geht es im Existentiellen doch nur um ein künftiges Kernthema:

    Ist Deutschland bereit sich im Selbstverständnis für die EU zu "opfern", zugunsten eines politischen Superstaates und damit den staatlichen Tod inkauf zunehmen.

    Nur darum geht's.

  • Besser kann man die Realitäten in unserer Politik nicht formulieren! Danke. Die AfD wird man nicht mit dummen Parolen schädigen können, denn das EU-Wahlprogramm ist klar definiert, überzeugend und auch umsetzbar zum Wohle unsere Volkes, was alle Blockparteien längst vergessen haben, sie verkaufen unser Land in eine Brüsseldiktatur aus. Das kann kein Bürger wollen. Die AfD will übrigens massive Mitbestimmungen durch die Bürger. Das darf kein Bürger ablehnen. Darum die Alternative.

  • @ mehrdemokratie

    Zitat : Nur wer Neues wagt, kann etwas verändern.

    - hier würde ich widesprechen. Etwas wagen genügt nicht, man muss auch die Mittel dazu haben, sonst bleibt es beim ewigen wagen.....??!!

    Und alleine ist man auf dem Schlachtfeld auch kein Krieger !

  • @ Zecke

    Zitat : Was meinen Sie genau mit Farbe bekennen ?

    - mit Farbe bekennen meine ich, dass die AfD auch sagen sollte, wie sie zu EU steht !

    Denn mit dieser EU lässt sich am € nichts mehr reformieren....wer den € wieder los werden will ( der aus meiner Sicht das Hauptübel des europäischen Niederganges ist ) die muss auch die EU RADIKAL reformieren.

    Und diese Radikalreform kann die AfD nicht ALLEINE vollziehen.

    Deshalb sollte die AfD Farbe bekennen : IHRE FRAKTIONSZUGEHÖRIGKEIT offenlegen.

    Wenn die AfD mit der CDU koalieren will, braucht man diese nicht mehr. Die CSU hat der AfD schon den Kampf inhaltlich angezeigt.

    .

  • Erstens konnte die AfD noch nicht handeln, weil sie noch keine Verantwortung hatte. Zweitens hat die AfD als einzigste Partei sehr klare Aussagen zu ihrer EU-Politik gemacht, siehe ausführlich im Internet. Überzeugender kann man nicht argumentieren, ein Beispiel für die schwachen und nichtssagenden Blockparteien. Nur wer Neues wagt, kann etwas verändern. Darum gehen die Stimmen meiner Familie an die AfD.

  • @Furfante:

    Sie unterschätzen die Macht der Systemjournalisten!

    Wenn Sie in Deutschland zu weit rechts stehen, werden Sie medial exekutiert - und das brutalstmöglich.

    Es geht der AfD aber ja zum Glück auch nicht darum, Deutschland deutscher zu machen.

    Die AfD will die perversen Auswüchse der EU-Bürokratie, die im Euro ihren Gipfel finden bekämpfen. Und das hat nicht mit rechter Deutschtümelei zu tun.

    Wenn Sie was anderes wollen, sollten Sie besser NPD, oder die ProNRW währen, da wird Ihnen geholfen...

  • ...doch hat sie. Sie artikuliert und adressiert unliebsame Fakten, im Gegensatz zu den herkömmlichen Lügenbaronen von Merkel, Schäuble und Gabriel.

    Verarschen - können die Bürger sich selber, da brauchen sie keine Politpopanzen.

    Und den unterstellten Selbstdarstellungstrieb von Herrn Lucke hat in Sache nichts mit den genannten "neuen Politik" zu tun, - die eigentlich nur einem verpflichtet ist: Der Authenzität und damit Glaubwürdigkeit.

  • "Diese unglaublich unverfrorene Propaganda-Lüge"

    Mensch Kettensäge, bei diesem Thema haben Sie erfreulicherweise den vollen Durchblick und kapieren, dass Sie von der Propagandapresse verarscht werden, beim Thema Ukraine verweigern Sie sich leider diesem Durchblick.
    Irgendwie komisch. Na ja, wenigstens sind Sie demnach kein Brüsseler Angestellter ;-)

  • @ OttoCuntz

    Zitat : Und genau das wäre falsch! Was meinen Sie, wie die rot-grünen Gutmenschen-Medien, die AfD torpedieren würden, wenn sie sich z.B. mit der "Front Nationale" verbünden würde?!

    - die ganzen Etablierten ziehen doch die AfD so oder so in die Jauche, auch wenn sie gar nichts tut !

    Man muss schon was aushalten, wenn man gegen die Etablierten antritt. Wenn man von Wölfen Angst hat, sollte man den Wald meiden ! Und das tut die AfD : sie vermeidet den Wald !

    Lucke soll weniger in Talk-Shows rumhüpfen, sondern an der Gesamtstrategie der AfD arbeiten.

    Sich in Talk-Sows von Systemjournalisten und Etablierten-Anhängern treiben und rechtfertigen zu lassen, ist falsch !

    Man sollte selbst diese vor sich her treiben !

    Zitat : Die AfD wäre rechtsradikal gebrandmarkt und damit tot !

    das halte ich für ein Gerücht und eine billige, den Etablierten genehme AUSREDE !

    Die AfD kann niemals alleine bestehen....und sie sollte sich Verbündete suchen, mit der sie die meisten Schnittmengen in der Sache hat.

    Gleich was die anderen darüber denken und machen !

    Darauf darf die AfD KEINE RÜCKSICHT nehmen !

    Und sich wegen Zusammenschluß in der Sache propagandistisch in die rechtsextreme Ecke von verlogenen Etablierten stellen zu lassen....sei es darum. Die tun es so oder so. Das muß man aushalten.

    So wie sich die AfD aber jetzt darstellt, ist sie Profil- und konzeptlos.

    Und damit haben die Etablierten ihr Ziel, die AfD verschwinden zu lassen, noch eher erreicht !

    .

  • @ Zecke
    Soso, neue Politik. Hat die AfD nichts mit am Hut.
    Ganz im Gegenteil: angepasst ergeht sich der Heilsbringer Lucke jetzt auch schon in bestenfalls dubios zu nennenden Parteifinanzierungsstrategien. Er hofft wohl immer noch, Alleinherrscher über die AfD zu werden. Mit Geld geht ja bekanntlich vieles.

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