Eurozone
Finanzminister kämpfen gegen Italiens Vertrauenskrise

Die Eurozone muss sich entgegen ihrer Planung nicht nur mit dem Pleitekandidaten Griechenland, sondern nun auch mit Italien befassen. Eine Ausweitung des Rettungsschirms sei jedoch unnötig, ist sich Schäuble sicher.
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BrüsselBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat Rufen nach einer Verdoppelung des Rettungsschirms für das angeschlagene Italien eine kategorische Absage erteilt. Das seien „die üblichen Gerüchte, die von wem auch immer gestreut werden. Sie haben mit der Realität nichts zu tun“, sagte Schäuble am Montag vor einem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel.

Die Zeitung „Die Welt“ hatte am Montag berichtet, die Europäische Zentralbank fordere eine Aufstockung des Schirms auf 1,5 Milliarden Euro. Dies sei nötig, um die Ansteckungsgefahr in der Schuldenkrise einzudämmen. Eine Stimmung, die an den Märkten geteilt wird. „Mit Italien würde die Schuldenkrise eine neue Dimension erreichen“, sagte ein Händler. „Niemand möchte sich ausmalen, was passiert, wenn die drittgrößte Volkswirtschaft Europas tatsächlich ins Straucheln gerät.“ Analysten gehen davon aus, dass der aktuelle Rettungsschirm mit 750 Milliarden bei weitem nicht ausreicht, sollte das Mittelmeerland zum Krisenfall werden.

Das Italien bald Hilfe der Europartner benötigen könnte, hält Schäuble jedoch für unwahrscheinlich. Der Entwurf von Finanzminister Giulio Tremonti für die Haushaltssanierung sei „sehr überzeugend“, so Schäuble. „Ich habe gar keinen Zweifel, dass Italien die richtigen Entscheidungen trifft.“ Auch die Rettung Griechenlands sei auf gutem Wege. Über das zweite Hilfspaket werde „zügig aber ohne Hektik“ verhandelt, sagte der Minister.

Würde es nach Deutschland gehen, dann wäre das Paket schon in der vergangenen Woche verabschiedet worden. „Aber es waren nicht alle soweit.“ Damit bezog sich Schäuble auf die Beteiligung des Privatsektors. In der Eurogruppe wird noch über die genauen Modalitäten für die Mithaftung von Banken und Versicherungen verhandelt.

An den Märkten verfängt die Beruhigungstaktik der Finanzminister jedoch noch nicht. „Es wird mehr und mehr an den Märkten gespielt, dass Italien das nächste Griechenland sein könnte“, sagt Helaba-Devisenanalyst Ulrich Wortberg.

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  • Tja, wieso sollten unsere Politiker recht behalten? Bis jetzt wurde ja auch immer erst gelogen und ein paar Monate später musste dann doch über den illegalen Rettungsschirm gestützt werden.

    Ein Trauerspiel. Und spätestens mit dem dauerhaften ESM-Schirm ist Deutschland seine Demokratie los! Dann darf nämlich eine EU-Behörde (Gouverneursrat) jeden Betrag aus Deutschland abziehen, den sie haben will (ohne Begrenzung). Deutschland muss innerhalb einer Woche überweisen. Im September entscheidet der gekaufte Bundestag und verdingt sein Bürger bis in alle Ewigkeit. Dann sind wir keine Demokratie mehr, sondern leben in einer EUdSSR-Diktatur Brüssel!

  • Hallo,
    als "Handelsblatt" Deutschlands Wirtschaftszeitung Nr. 1
    sollte man sich beim Zitieren nicht um den Faktor 1000 !!!
    vertun. (Milliarde statt Billion!!!)
    oder ist das gewollt?

  • Wie immer... Zuerst wird dementiert, dann mit der Begründung "Alternativlos" doch zugestimmt.

    Unsere Politiker sind Lachnummern! Was muß passieren, bis sie endlich kapieren, daß der Euro in der jetzigen Form zum Scheitern verurteilt ist?

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