Eva Joly
Kämpferin gegen Korruption

Sie hat Frankreichs Eliten mit ihren Schmiergeldermittlung das Fürchten gelehrt, nun möchte Eva Joly ins Europäische Parlament einziehen. An der Seite von Daniel-Cohn Bendit kandidiert die Franko-Norwegerin für die europäischen Grünen - und beklagt das politische Desinteresse ihrer Mitbürger.

Eine rote, runde Brille, dahinter blaue Augen und ein blonder Wuschelkopf: Gestatten, Eva Joly, Spitzenkandidatin für Frankreichs Grüne in der Pariser Region Ile de France an der Seite von Daniel Cohn-Bendit. Die ehemalige Ermittlungsrichterin hat sich in Frankreich einen Namen damit gemacht, die Eliten des Landes wie Ex-Außenminister und Verfassungsgerichtspräsident Roland Dumas im Zuge ihrer Schmiergeldermittlungen aus dem Amt zu fegen. Nun will die Franko-Norwegerin selbst in die Zentren der Macht vorstoßen und ins EU- Parlament gewählt werden.

Die 64-jährige Polit-Novizin will ihren alten Kampf mit neuen Mitteln fortsetzen. In Wahlkampfveranstaltungen hat die in Oslo geborene Juristin immer noch etwas Angst, Fehler auf Französisch zu machen. Doch auch das Polit-Establishment stellt ihre Entschlossenheit nicht in Frage.

Berühmt wurde Joly, die mit Geburtsnamen Gro Eva Farseth heißt, als sie in den 90er-Jahren mithalf, die großen Korruptions- und Finanzaffären an der Spitze des französischen Staates aufzuklären. Sie leitete zum Beispiel die Ermittlungen in der Affäre um den staatlichen Ölkonzern Elf, der de facto als schwarze Kasse von Staatschef Francois Mitterrand diente.

Diese Episode ihres Lebens wurde später von Claude Chabrol verfilmt („L'Ivresse du poivoir“ – Rausch der Macht) , mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle als furchtlose Ermittlungsrichterin. Doch so kühl und abgebrüht wie im Film sei sie nie gewesen, räumt Joly ein: „Das Image lebt sein eigenes Leben“, sagt sie schulterzuckend.

In Frankreich hat sie sich durch ihren mutigen Kampf gegen Korruption keine Freunde gemacht. Trotz ihrer unbestrittenen Verdienste für das Land ist sie nie in die Legion d’Honneur aufgenommen worden. 2002 verließ Joly Frankreich, um in ihrer alten Heimat Norwegen mit Hilfe der Regierung das weltweite Anti-Korruptionsnetzwerk „Network“ zu gründen. Es soll die Protagonisten im Kampf gegen Korruption auch in Entwicklungsländern unterstützen und sie aus der Isolation befreien, die auch Joly in ihrer Zeit als Richterin kannte.

In ihrem ersten Wahlkampf ist allerdings ihr größter Gegner das Desinteresse der Franzosen für das EU-Parlament. So beklagte sie jüngst: „Es ist eine französische Krankheit zu glauben, dass nur allein die Präsidentschaftswahlen zählen“.

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