Evangelos Meimarakis
Der nette Konservative von nebenan

Die griechischen Konservativen haben einen neuen Mann an der Spitze: Evangelos Meimarakis. Mit seiner Bürgernähe versucht er seinem jungen Kontrahenten Alexis Tsipras Paroli zu bieten. Das gelingt ihm erstaunlich gut.

AthenWer ihn nicht kennt, könnte ihn für einen netten Nachbarn von nebenan halten. Evangelos Meimarakis (61), der Chef der konservativen Nea Dimokratia, wirkt freundlich, gelassen und direkt. Große Sorgen scheint er nicht zu kennen.

Meimarakis war stets ein treuer Parteisoldat. Auf der großen politischen Bühne sammelte er Erfahrung als Minister und Parlamentspräsident. Als im Juli der frühere Parteichef Antonis Samaras ihn zu seinem vorläufigen Nachfolger ernannte, übernahm er klaglos das Steuer bei den angeschlagenen Konservativen.

Und er macht es gut. Es gelang ihm, fast so populär zu werden wie sein zwei Jahrzehnte jüngerer Gegner Alexis Tsipras (41). Alle Umfragen deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Tsipras bei der Wahl am 20. September hin.

Großes Charisma versprüht Meimarakis nicht. Sein Vorteil ist: Er spricht wie ein einfacher Mann. Und er pflegt das. Seine Freunde nennen ihn wegen seiner schwerfälligen Stimme und seiner Gelassenheit „Vangélis“. Oder „Vangélas“ - ein typischer Spitzname eher für einfache Schauerleute und schräge Hafenfiguren.

Er ist so direkt, dass er seine Gesprächspartner manchmal überrascht - sogar Tsipras: „Sag mal. Ich kann morgen früh in Deinem Parteibüro vorbeikommen. Dann können wir über eine große Koalition reden“, sagte Meimarakis dem verwundert wirkenden Tsipras bei einer Fernsehdebatte vergangene Woche.

Meimarakis macht keinen Hehl daraus: Wo das Land jetzt hingelangt ist, bleibt keine andere Lösung als eine breite parteiübergreifende Zusammenarbeit. Andernfalls wären die harten Sparmaßnahmen nicht durchsetzbar. Er werde alles für diese Zusammenarbeit tun, betont er: bei einem Sieg seiner Partei - aber auch bei einer Niederlage.

Staatsverschuldung Griechenland
2010 bis 2015*, in Mrd.Euro

Meimarakis' Familie stammt aus Kreta. Bereits sein Vater war Abgeordneter der Konservativen. Evangelos Meimarakis wurde in Athen geboren, studierte Jura und Politische Wissenschaft und begann seine politische Karriere 1974 in der Jugend der Nea Dimokratia. Seit 1989 wird er immer wieder ins Parlament gewählt. 2007 bis 2009 war er Verteidigungsminister, danach 2012 bis 2015 Parlamentspräsident.

Große Schlagzeilen hat er nie gemacht. Offenbar ist das jetzt ein Vorteil des Mannes, der mit seiner Frau und seinen zwei erwachsenen Töchtern so normal wirkt. Die alten Promis der Nea Dimokratia werden von den Wählern für die Misswirtschaft der vergangenen Jahrzehnte mitverantwortlich gemacht. Sie stehen nun im Hintergrund und lassen „Vangélas“ machen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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