Ex-Bürgermeister von New York erwägt Kandidatur
Rudolph Giuliani schielt aufs Weiße Haus

Nur eine Woche nach den Kongresswahlen beginnen sich bereits namhafte US-Politiker für die Präsidentschaftswahl 2008 warm zu laufen. Der jüngste prominente Name ist der des Republikaners Rudolph Giuliani. Der frühere Bürgermeister von New York hat an seinem Wohnort die Gründung eines Komitees beantragt. Dieser Schritt lässt ihn seine Chancen für eine Kandidatur ausloten.

WASHINGTON. Anders als der Demokrat Tom Vilsack aus Iowa oder der Republikaner Duncan Hunter aus Kalifornien hat Giuliani damit zwar nur einen sehr vorläufigen Schritt unternommen. Denn Vilsack und Hunter haben ihre Kampagnenkomitees bereits bei der Föderalen Wahlkommission registrieren lassen. Doch signalisiert der 62-Jährige damit, dass er ernsthaft eine Bewerbung erwägt. Die Bildung eines ähnlichen Gremiums hatte zuvor schon John McCain angekündigt. Der Senator aus Arizona gilt als Top-Favorit der Republikaner – und als möglicherweise härtester parteiinterner Konkurrent für Rudolph Giuliani.

Die Wahlkomitees geben den Aspiranten die legale Grundlage, in der Testphase einer Bewerbung in begrenztem Umfang Spendengelder zu sammeln und ihre Büros zu finanzieren. Bis Anfang des Jahres wird damit gerechnet, dass auch andere politische Schwergewichte diesem Schritt folgen werden. So haben bei den Demokraten bereits die Senatoren Hillary Clinton (New York) und auch Barack Obama (Illinois) ihr Interesse signalisiert. Ein anderer demokratischer Senator, der eher linke Russ Feingold aus Wisconsin, hat unterdessen erklärt, 2008 nicht antreten zu wollen.

Sollte Giuliani es mit einer Kandidatur ernst meinen, würde einer der schillerndsten Politiker der USA seinen Hut in den Ring werfen. Denn der Sohn italienischer Immigranten ist bekannt für seine unorthodoxen Ansichten. So genießt er zwar einerseits das Image eines Mannes, der für Recht und Ordnung sorgt – weil während seiner Amtszeit in New York die Kriminalität in der Stadt signifikant abnahm. Gleichzeitig liegen seine Unterstützung für Homosexuelle und sein Eintreten für das Recht auf Abtreibung weit außerhalb des traditionellen republikanischen Wertekanons.

Allerdings hatte Giuliani schon einmal seine Chancen auf ein Amt zuerst getestet – und dann wieder fallen lassen müssen. So wollte er ursprünglich im Jahr 2000 gegen Hillary Clinton im Rennen um einen Senatssitz des Staates New York antreten. Doch seine in der Öffentlichkeit ausgetragene Scheidung von seiner Frau Donna Hanover wie auch eine Erkrankung an Prostatakrebs ließen ihn am Ende verzichten. Damals war Giuliani indes noch vom Höhepunkt seiner Popularität entfernt. Denn erst in den letzten Monaten seiner Zeit als Bürgermeister erreichte er Heldenstatus. Als beherzter Chef von New York demonstrierte er nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Führungsstärke. Umsichtig navigierte Giuliani die Stadt durch die chaotischen Wochen nach dem Anschlag.

Dass sich Giuliani von der verlorenen Kongresswahl nicht beeindrucken lässt, passt zu dem gelernten Juristen. Seiner Ansicht nach haben die Republikaner nur eine knappe Niederlage einstecken müssen, die auf keinen Fall eine grundsätzliche Abkehr der Bürger von der Partei bedeute. Vielmehr sei eine allgemeine Unzufriedenheit mit Washington zum Ausdruck gekommen. Der waschechte New Yorker Giuliani, geboren in Brooklyn, könnte als „Anti-Washingtonian“ auf dieser Welle schwimmen. Zumal 2008 zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten in den USA weder ein amtierender Präsident zur Wiederwahl steht, noch dessen Vize kandidiert. Das Rennen um den Spitzenplatz der Parteien ist deshalb auf beiden Seiten offen wie nie zuvor.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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