
Der frühere Bundesbankchef Axel Weber hat indirekt eine vollständige Garantie der EU für Griechenlands Schulden ins Spiel gebracht. Die Alternativen dazu wären ein Schuldenschnitt oder ein chaotischer Zahlungsausfall, der eine noch breitere Finanzkrise auslösen könnte, warnte Weber in seinem ersten größeren Interview nach seinem Rücktritt aus dem Vorstand der Bundesbank. Seit einigen Wochen lehrt Weber als Gastprofessor an der Universität von Chicago. In seiner Antrittsrede vor einem Monat hatte er sich zwar bereits sehr kritisch geäußert, konkrete Ratschläge aber vermieden.
Im Gespräch mit dem Wall Street Journal legt sich der renommierte Geldpolitiker keine Zurückhaltung mehr auf. Das bisherige Krisenmanagement der Euro-Zone habe sich allein auf die akuten Finanzsorgen Griechenlands konzentriert, habe dem überschuldeten Land aber keine glaubwürdige, langfristige Lösung für den wachsenden Schuldenberg geboten. Gerade diese Unsicherheit nähre die Ängste vor einer Zahlungsunfähigkeit und destabilisiere die Märkte.
Mangels Käufer müssten weltweit Banken ihre Hellas-Anleihen in den Bilanzen abschreiben: an erster Stelle griechische und andere europäische Banken. Auch viele andere Institutionen wie Versicherungen oder Pensionsfonds haben die Papiere in ihren Büchern. Zudem wird ein Dominoeffekt ausgelöst: Wer für seine Anleihen eine Kreditausfallversicherung am Markt abgeschlossen hat, muss nun ausbezahlt werden. Weitere Abschreibungen sind die Folge. Griechische Anleihen sind auch in strukturierten Wertpapieren enthalten, die ebenfalls an Wert verlören.
Höchstwahrscheinlich würden auch die Refinanzierungskosten der anderen Euro-Schwächlinge Portugal und Irland sofort in die Höhe schießen. An den Kapitalmärkten würde spekuliert, dass Portugal als nächstes seinen Schuldendienst einstellen muss. Bereits jetzt wird an den Märkten die Wahrscheinlichkeit einer Pleite binnen der kommenden 24 Monate als sehr hoch eingeschätzt. Wackelt Portugal, rückt auch Spanien erneut ins Visier der Spekulanten. Denn spanische Banken sitzen nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) auf portugiesischen Schulden in Höhe von 80 Milliarden Euro. Ein Ausfall würde das ohnehin angeschlagene Banksystem hart treffen und damit den spanischen Staat, der seine Geldinstitute stabilisieren müsste.
Reißt die Krise Spanien mit in den Abgrund, wäre der GAU voraussichtlich da: Das Land hat die viertgrößte Volkswirtschaft in Europa. Der Euro-Rettungsschirms EFSF wäre überfordert. In der Folge würden auch Deutschland und Frankreich angesteckt: Französische Banken halten der BIZ zufolge spanische Anleihen im Umfang von etwa 140 Milliarden Euro - doppelt so viel wie griechische. Deutsche Institute sind mit 180 Milliarden dabei, sechs Mal soviel wie sie in Griechenland investiert haben.
Bei einer Staatspleite könnten griechische Banken griechische Staatsanleihen nicht mehr bei der Europäischen Zentralbank (EZB) als Sicherheiten für ihre kurzfristige Refinanzierung hinterlegen. Das griechische Bankensystem wäre in Windeseile pleite, wenn keine kurzfristige Lösung gefunden wird. Ein „bank run“ wäre kaum noch zu vermeiden: Vor den Filialen würden sich Schlangen bilden, jeder würde versuchen, schnell noch Geld abzuholen. Die
griechische Regierung müsste Auszahlungs-Limits erlassen, um den endgültigen Kollaps der Banken und einen Zusammenbruch des Bargeldverkehrs zu stoppen.
Die Bevölkerung würde auch an anderer Stelle hart getroffen: Der Staat könnte die Gehälter für Staatsdiener nicht mehr zahlen und Rechnungen etwa für Bauprojekte nicht mehr begleichen. Die Folge wäre ein sprunghafter Anstieg der Arbeitslosigkeit. Würde sich die EZB entschließen, die Pleiteanleihen doch zu nehmen, würde sie damit voraussichtlich Verluste einfahren. Muss infolgedessen die EZB rekapitalisiert werden, träfe das die anderen Euro-Länder, an erster Stelle das größte: Deutschland.
Die Eurozone, argumentiert Weber, habe nur sehr begrenzte Optionen. Fahre sie ihre derzeitige kurzsichtige Strategie weiter, so Weber blieben als Optionen nur der Zahlungsausfall, ein teilweiser Schuldenschnitt ("Haircut") - oder eben eine EU-Garantie für alle ausstehenden Schulden Griechenlands. "Die Regierungen müssen sich entscheiden, welche Option sie wollen", sagt Weber, "aber wenn sie mit ihrer derzeitigen Salamitaktik weiter machen, landen sie automatisch bei der letzten Option."
In einer Stellungnahme gegenüber dem Handelsblatt legt Weber Wert darauf, dass er keine Empfehlung für eine umfassende Schuldengalerie ausgesprochen haben. Er habe seine alte Position bekräftigt, dass ein Zahlungsausfall ("Default") "immer eine Option bleiben muss". Wenn die Euro-Zone jedoch weiter nur Kurzfristlösungen suche, ende man "unausweichlich damit, faktisch alle ausstehende alte Staatsverschuldung Griechenlands sukzessive zu garantieren", betont Weber in einer schriftlichen Stellungnahme.
Eine solche Garantie käme der Ausgabe von Eurobonds gleich - wodurch die Eurozone kollektiv die Verantwortung für die Schulden eines Mitgliedslandes übernimmt. Das hatten auch andere Experten schon vorgeschlagen, gilt aber vor allem im Berliner Bundesfinanzministerium als Tabubruch, der die Sparbemühungen der Schuldenländer unterminiere.
Im Wall Street Journal sagt Weber weiter, irgendwann müsse man seine Verluste einfach begrenzen und das System komplett neu starten. So hätten Deutschland und einige andere europäische Staaten bei der Rettung einiger von der Finanzkrise bedrohten Banken gehandelt, so müssten sie nun wohl auch im Falle Griechenlands eingreifen. Griechenlands Probleme seien nicht auf die Einführung des Euros zurückzuführen, sondern das Ergebnis von tief-verwurzelten fiskalischen und strukturellen Gründen. Um das zu ändern müssen man nicht drei oder vier, sondern eher 30 Jahre veranschlagen.
Das ist die Linie seines präsumptiven neuen Arbeitgebers. Damit sollen Banken geschont werden. Verboten wäre es dennoch, solange nicht die Transferunion offizielle Linie in der EU wird. Das ist solange unzulässig, wie die erforderlichen Volksbefragungen zur Souveränitätsaufgabe nicht mit Zweidrittelmehrheit den Weg freigeben.
Also nichts als vernebelnde Propaganda und der Versuch von der Dummheit Dritter erneut profitieren zu können. Wenigstens mit neuem Zeitgewinn, welcher den Steuerzahler zunehmend dynamisiert mehr Geld kostet.
@ Wehret_den_Anfaengen : Eine etwas formale geschichtliche Betrachtungsweise, wie sie (wenn überhaupt) in der Schule gelehrt wurde. Zu oft "Corellis Mandoline" geschaut... Benutzen Sie nur den deutschen "Dreifachschuld-Komplex" fleißig weiter!
(deutscher "Dreifachschuldkomplex": Zuweisung der alleinigen Kriegsschuld am 1. und 2. Weltkrieg plus Verursacher des "Holocaust" - ein probates und intensivst gepflegtes Mittel, um das deutsche Volk politisch "kalt zustellen" - siehe "Lehrbuch der politschen Psychlogie zum Umgang mit Deutschland", Teil 1, Weltgemeinschaftsausgabe, 1945-2099)
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